Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 13 (27.3.1840)
- Date
- 1840-03-27
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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118 namhaft zu machen, indem die dabei betheiligten Männer mit dem Lobe, welches in jenen selbst liegt, sich gern begnügen werden. Zuvörderst also ist in Königsberg ein Prediger und Religionslehrer angestellt, und zwar der durch eine Reihe wissenschaftücher und religiöser Werke rühmlichst bekannte Herr vr. Saalschutz. Derselbe predigt an jedem Sadbath und Festtage. Es war, so viel wir wissen, anfangs die Absicht, nur alle 14 Tage die Predigt stattfinden zu lassen, indeß die Gemeinde, in der alle Theile die gedankenreichen und ergreifenden Vorträge mir Erbauung hören, hat sich dahiu entschieden, daß dieselben ein nie fehlender Theil des Gottesdienstes sein sollen. Nur von einer Seite wurde anfangs ein Hinderniß in den Weg gelegt, indem eine gewisse, sich bald Allen als unstatthaft bewährende, Forderung aufgestellt wurde, die im Interesse sowohl der Würde dieser gebildeten Gemeinde als der Freiheit der Rede, nicht berücksichtigt werden durfte, auch nie zur Ausführung gekommen ist, wonach wiederholte irrige Zeilungsangaben zu berichtigen sind. Zugleich ertheilt Dr. Saalschütz den Religionsunterricht, an welchem die Jugend der ganzen Gemeinde gleichmäßig Theil nimmt. Die Mädchen werden, nach Erreichung des 15 — 16. Jahres, in einer öffentlichen Feierlichkeit aus dem Unterrichte entlassen. Die Einsegnung der Knaben findet im 13. Jahre im Kreise der Familie statt; indeß treten dieselben hiermit noch nicht aus dem Unterrichte aus, sondern bleiben in einem höhern Cursus, aus welchem diejenigen, welche sich den Studien widmen, erst bei dem Uebergange zur Universität mit einem, von der Behörde geforderten, amtlichen Zeugnisse entlassen werben. Außerdem fungirt der Prediger (in feierlicher Amtstracht) bei jeder Trauung und bei Beschneidungen. Kurz die Religion weihet alle öffentlichen und häuslichen Feste. Man vermißt die Mitwirkung des Predigers nur bei Leichenbegängnissen, und kennen wir die Ursachen nicht, die den vr. Saalschutz bis jetzt zurückgehalten oder verhindert haben, auch dies Moment, durch den Trost, den Religion allein zu geben vermag, zu verklären. Man hat also nicht „einen Schritt nach vorn" gethan, sondern ist fast in allen Dingen so weit gegangen, als es möglich war, ohne wirkliche Neuerungen einzuführen. Denn die Gebete nach wie vor hebräisch gesprochen, aber von dem neu angcstellten Cantor, Herrn Weintraub, mit Unterstützung eines wohl cingeübten Chors, auf eine höchst ansprechende und erbauliche Weise vorgetragen. Wir begnügen uns für jetzt mit diesen allgemeinen kurzen Andeutungen, und werden vielleicht in einer Fortsetzung über andere wichtige Gemeinde-Anstalten Königsbergs, Mittheilungen folgen lassen. *) * *. Wien, 11. März. — Die von dem Pesther Comitat in Antrag gestellte Ertheilung des Incolats an die Israeliten in Ungarn ist bei den Ständen einstimmig durchgegangen, und den Israeliten somit das Recht der Eingeborenen, mit Ausnahme der Adelsrechte zugestanden. Eine nähere Entwickelung der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten in Ungarn behalten wir uns vor. Berichte aus Mähren. (Fortsetzung.) Die in P. bestehende Lehranstalt ist nicht, wie die vorerwähnte zu Nicvlsburg, mit der deutschen Trivial-Schule vereinigt, sondern bildet ein für sich bestehendes Institut, das zu jener in einem beigeordneten und ergänzenden Verhältnisse steht, und sich nebstdem noch die Erziehung der Kinder zur Aufgabe stellt. Obwohl die bemelbete Tendenz erst seit dem Jahr 1837 mit Bestimmtheit hervortrat, so besteht diese Anstalt im Allgemeinen schon seit Anfang des vorigen IahrzehendS. Damals traten nämlich mehrere Familienväter zusammen und vereinigten ihre Knaben zu einem gemein¬ *) Der Df. obiges Artikels wohnt nicht in Königsberg, aber die Mittheilungen stießen aus sicherer Quelle und wir bitten um weitere Nachrichten, jedoch mit Vermeidung jeder Polemik, welche in derartigen Dingen keinen Nutzen gewährt. D. R. schaftlichen Unterrichte unter einem tüchtigen Schulmann, Hrn. Michael Wolf, (in Prag gebildet und dermalen zu Lomnitz) dem noch ein Thalmud-Lehrer deigegeben war. Hr. Wolf schied und erhielt Hrn.' Leop. Löw (bereits in der Ilterarischen Welt durch verschiedene kleine Arbeiten renomirt, jetzt Candidat der philosophischen Doctorwürde zu Wien) zum Nachfolger, dem aber nebst den bisherigen Privat-Kindern auch noch die armen Kinder der Thalmud-Tora und ein für den Unterricht dieser lchtcrn bestimmter Gehalt zugetheilt wurden. Im I. 1835 verließ H. Löw P. und Hr. Schönfcld (der bekannte Schriftsteller, ein ausgezeichneter Kenner der hebräischen Sprache und Literatur) nahm seine Stelle ein, indem der Thalmud-Tora-Vorstand ganz allein seine Besoldung übernahm, dafür aber die Schulgelder der Privaten erhielt. Hr. Schönfeld trennte sich im I. 1837, Kränklichkeitshalber, von der Anstalt und Hr. Jos. Weiße (bekannt durch Bearbeitung verschiedener Bideltheile in der neuen Lanbau'schen Ausgabe) erhielt den Ruf als dirigirender Lehrer dieser Anstalt. Diesem kommt daS Verdienst zu, der Anstalt eine gewisse Verfassung in ihrem Innern, eine pädagogische und didaktische Organisation gegeben zu haben. Mit seinem Eintritte stieg die Zahl der Zöglinge auf mehr als das Doppelte, die Arbeiten na« dem von ihm entworfenen Schulplane begannen, das bisherige Mißvcrhältniß mit der deutschen Normal-Schule wurde in eine sehr freundliche Wechselwirkung mit derselben verwandelt, der Lehrkörper vergrößert und ein strenges Wachen über das häusliche Betragen der Jugend eingcführt. Die Inspection versah bis zum 1.1839 der würdige und menschenfreundliche Hr. Rabbiner Fasse! ganz allein. Mit Eintritt dieses Jahres wurden ihm die ehrenwerthen HH. Gabriel Broch, M. Gideon Brecher und David Gans beigegeben. Die Anstalt zerfällt in drei Klassen, deren erste und zweite der Jahrgänge zwei, die dritte aber (dem höhern Studio der hebräischen Sprache und Stylistik, der jüdischen Geschichte, des Thalmuds u. s. w. gewidmet) deren drei hat. Nebstdem wird seit 1838 täglich ein zweimaliger geregelter Gottesdienst im Schullokale mit den Kindern abgehalten, am Sabbath mit Choral-Begleitung (auf Veranlassung der HH. Salomon Broch, Aler. Schreiber und Ignatz Brüll) und zeitweiligen kleinen Reden, von HH. Fasset und Weiße wechselweise gehalten. Daß nicht ein ähnlicher Cultus für die ganze Gemeinde eingeführt, hat seinen Grund in einem, trotz aller Mühe bisher nicht beseitigten Hindernisse und zum Theil auch in dem Umstande, daß die Synagoge bereits im Besitze der wichtigsten Theile eines geregelten Gottesdienstes ist, nämlich der deutschen Predigt und der äußern Ordnung, bas Bebürfniß des fehlenden Ehoral-Gesanges aber weder sehr wesentlich noch sonderlich fühlbar zu seyn scheint. Schließlich wird noch über diese Anstalt bemerkt, daß deren Statuten (die uns aber gegenwärtig nicht vorliegen) für jede jüdische Schule höchst lesens- und beherzigenswerrh sind. Sie sind von Hrn. W. entworfen, haben aber von den bemeldeten Inspektoren, besonders von Hrn. M. Brecher manchen trefflichen Zusatz erhalten. Der Verein zur Verbreitung nützlicher Handwerke steht ebenfalls unter der obbemeldeten Leitung. Die -erste Anregung gab Hr. Rab. Fasse! im Sept. 1838 in einer schönen Rede und Hr. Weiße durch eine zur selben Zeit aufgenommene Subscription. Hr. Ignatz Brüll widmete sogle-ich zu diesem Zwecke einen nahmhaften Beitrag und später Hr. M. L. Schreiber die Summe von Fl. 400 C. M. — Recht ins Leben trat aber dieser Verein erst zur Zeit des Paffa- Festes 1839, unter besonderer, rühmlicher Thätigkeit der HH. Brecher und Gans. Seitdem sind schon mehrere Kinder bei Gerbern, Tuchmachern, Webern u. dgl. auf Kosten des Vereins untergebracht, in religiöser und sittlicher Hinsicht unter Aufsicht gestellt und sonst mit manchem Nöthigen unterstützt worben. Besonders ehrenvolle Erwähnung verdient Hr. Hofmann, Familienvater und Tuchmachermeister in Lomnitz, der die Lehrlinge des Vereins mit edler Uneigennützigkeit aufnahm und auch für einen Wiederholungsunterricht derselben an Feiertagen väterlichjsorget. (Fortsetzung folgt.)