Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 13 (27.3.1840)
- Date
- 1840-03-27
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sen *). — Wissenschaftlichkeit wird völlig vermißt; die Schulen, welche in Deutschland, Frankreich und England und sonst überall verbessert werden, sind hier gar nicht fortgeschritten. Selbst das Spanische ist vergessen, und der Prediger redet zu den Wänden. Die wohlhabendere Jugend wird in christliche Schulen geschickt, die ärmere erhielt einen sehr unbedeutenden Unterricht in einer Schule von neun schlecht gehaltenen**), düstern Classen, bis die neuern Verbesserungen, seit 1836, eintraten. In diesem Jahre begann man die Reform des Gottesdienstes; derselbe erhielt 5 Vorsteher; die Rabbinen tragen Ornate gleich den katholischen Priestern; ein Chor ist gebildet; Ruhe und Ordnung herrscht durchgehends. Gegen die Einführung der italiänischcn Sprache prorestirte der Seckelmeister, welcher erklärte, die Zahlung inne zu halten, sobald man vom Spanischen abginge. — Man errichtete ferner zwei Kleinkinderschulen, die für Knaben hat etwa 60, die für Mädchen etwa 40 Zöglinge; Alles schön, geräumig, reinlich und wahrhaft bewundernswürdig. Durch mehrere Vermächtnisse ward man in Stand gesetzt ein neues großes Schulhaus zu erwerben, wo jetzt die Armenkinder (zus. geg. 150) von 19 Lehrern unterrichtet werden. Die Knabenschule ist in 18 Classen getheilt; deren 10 erste mit Bibel und Comm. so auch in "]un/ ferner in der Mischna, Thalmud, Mai- *) Diese Darstellung kann nicht richtig sein; denn die Gelehrten sind meist Auswärtige, und da hat man die Wahl. Wahrscheinlich hat man überhaupt mehrere anstellen wollen, und deßhalb die Gehalte verringert. **) Der Berichterstatter (Ewald) setzt hinzu: „Ich begreife nicht, woher vr. Jost in Berlin seinen Bericht genommen, daß (im I. 1813) eine gute Bürgerschule von 6 Classen vorhanden sei u. s. w. (Gesch. der Jsr. B. IX. S. 134), da die Gemeinde niemals an Errichtung einer Schule für Wohlhabende gedacht hat." — Leider haben wir damals keine andere Quellen vor uns gehabt, als die zur Zeit noch alleinstehende Sulamit, welche freilich manchen mit französischer Uebertreibung verfaßten Bericht aufnahm. Da derselbe bereits mehrere Jahre da stand, ohne widerrufen zu werden, so hielten wir ihn für zuverlässig. — Wir müssen aber auch andrerseits die obigen Aeußerungen Ewald's in Betreff der Unwissenheit für sehr einseitig halten, da die von uns in der „Geschichte" angeführten Beispiele von bemerkenswerthen Leistungen nicht weggeleugnet werden können. D. H. monides u. s. w. auch mit schriftlichem Uebersetzen, beschäftigt werden, die übrigen 8 sind für profane Schulwissenschaften und Sprachen (Französisch, Englisch) auch Zeichnen und Gesang; die Mädchen lernen das hebräische Gebetbuch übersetzen. Italienisch, Rechnen, Schreiben und Handarbeit. Ein Comitö von Männern besucht jene, und ein Comitv von Frauen diese, abwechselnd täglich. — Die Reichen senden ihre Kinder in andere öffentliche Schulen oder halten Hauslehrer *). Die Gemeinde steht noch unter dem Rath von 40, an deren Spitze der Cancellero mit beschränkter Gewalt. Der jetzige ist ein Arzt, vr. Emanuel Basari, ein sehr gebildeter Mann. Die Schule Franco hat jetzt als erste Lehrer die RR. Castelnuovo und Curiat; auch die Ergas besieht; außerdem hält der Chacham Biberno eine Thalmudschule, worin 10 Studirende. Druckereien giebt es wenige, und in geringer Thätigkeit. In den Schulen bedient man sich der wohlfeilen englischen Bibeln. Außer der schon erwähnten Uebersetzung des Gebetbuches nach italienischem Ritus, hat man seit 1837 eine Uebersetzung des Spanischen, von Samson Gentiluomo zu Venedig. Blick auf den Thalmud. Von I. Reggio. (Fortsetzung.) Wenn man aber auch jenen Zustand der Abhängigkeit, worin der Thalmud in Bezug auf die Mischna sich befindet, außer Acht setzen, und also nicht mehr untersuchen will, was der Thalmud leisten konnte, sondern was er wirklich geleistet hat, so wird uns die gewöhnliche Beantwortung der oben aufgestellten Frage noch unhaltbarer erscheinen. Zuerst macht sich auch hier die Bemerkung über Zeit und Art der Verfassung geltend, die hinsichtlich der Mischna ftattfindet. Die Thalmudiften haben näm- *) Herr E. giebt die statistischen Verhältnisse unrichtig. Nach ihm sind 15,00« I. im Lande, und 10,000 in Livorno u. s. w. Unser Bericht in Nr. 11 ist aus einheimischer Quelle und sicher, obgleich Ewald sagt: „I liave endeavoured to obtain exact information on Ihis point. — Bei der Beschreibung der Gebetbuch - Uebersetzungen macht Ewald sonderbare Fehler. D. H.