Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 13 (27.3.1840)
- Date
- 1840-03-27
- Page
- Seite 113 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133834--0604-3134762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1840. 27. März. Nro 13. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgcgebe» von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen lVa Bogen; Preis des Jahrganges S Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Nachtrag: Die Israeliten in ToScana. — Blick auf den Thalmnd, von I. Reggio (Fortsetzung.) — MaimonideS und seine Zeitgenossen, von vr. Carmoly (Fortsetzung.) — Jahrzahlen, von vr. L. Zun, (Forts.) — Nachrichten und Correspondenzen: Schlesien; Aus Preußen; Wien; Berichte aus Mähren (Forts.); Heidelberg. — Literatur. — Literarisch-Kritische Briefe. Nachtrag. Die Israeliten in Toscana betreffend. (Aus Jewish Inteil. Jan. 1840.) Zu Anfänge des 16ten Jahrhunderts waren noch sehr wenige Israeliten im Toscanischen; eine kleine Gemeinde war im Ghetto zu Florenz und eine kleine Zahl in Livorno. Die Vertreibung aus Spanien brachte viele hierher, und alsbald schieden sich zwei Gemeinden: Spanier (Sephardim) und Italiener (Bene italia), mehrere gingen nach Pisa und Siena. Die Spanier behielten in Livorno die Oberhand, und ihr Ritus ward in der 1659 erbauten großen Synagoge eingeführt. Sie haben durch ihren mitgebrachten Reichthum Livorno zu einer blühenden Handelsstadt gemacht. Das Oberhaupt der 40 Rathsherren heißt: Jl Cancellero, und hat sein Amt auf Lebenszeit; er hat vier Beisitzer, und diese zusammen hatten sonst die Befugniß, Streitigkeiten zwischen Gemeindegliedern zu schlichten; ein Richter ward beigegeben für religiöse Angelegenheiten. — Sie errichteten zwei Schulen (für Religionsquellenstudium), die eine Franco, dieandere Ergas genannt, an jeder wurden 10 Rabinen angeftellt, die täglich 5 Stunden zu lehren hatten. Monatlich sollte einmal, und zwar spanisch, gepredigt werden. Dazu kam noch eine Armenschule. Auch eine Braut-Aus ftattungsgefellschaft ward gebildet. Alle wurden sehr gut fundirt. Die Synagoge in Livorno ist eine der schönsten in Europa, sie hat 3 Schränke mit 60 Gesetzrollen; und wenn an hohen Festen Abends die hunderte von Candelabcrn angezünder sind, das Haus gefüllt ist, das Militär die Menge in Ordnung erhält und der Chor das Halleluja anstimmt, ist der Eindruck majestätisch. Die Israeliten in Toscana genossen große Freiheit, und während ihre Brüder in Italien verfolgt wurden, lebten sie in Ruhe. Als 1787 die Inquisition abgeschafft wurde, waren die toscanischen Israeliten so erfreut darüber, daß sie als Beweis ihrer Dankbarkeit bei der Regierung darauf antrugen, ihre Civilsachen vor die Landesgerichte bringen zu dürfen, was ihnen bewilligt ward. Der Cancellero verlor dadurch viel von seinem Ansehen. In Toscana treiben fast Alle Handel; Gelehrsamkeit nahm bald so sehr ab, daß man nicht mehr einen zuverlässigen Richter für religiöse Angelegenheiten finden konnte, daher (?) man jetzt deren drei anstellt, welche die Emolumente unter einander theilen. Eben so hat man die höheren Schulstellen, welche, nach den Leistungen, mit 6 und 30 Thaler monatlich honorirt werden, weil sich für größere Leistungen keine Subjette fanden, theilen müs-