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Israelitische Annalen · 1840-03-13 · Heft 11 (13.3.1840) · p. Seite 98

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 11 (13.3.1840)
Date
1840-03-13
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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- 98 - Nachrichten und Correfpondenzen. Frankreich. — Die Tsarphatiscken Briefe haben, wie es scheint, immer noch nicht ihre Mission beendigt, wie einseitig sie auch gegen die bestehenden Formen ankämpfen, so sind sie doch geistvoll und in mancher Beziehung lehrreich. Der 29ste Brief, dakirt vom 15. Der. 1839 und der Liste vom 9. Fedr. 1849 liegen vor uns. Beide im Courier de la Moselle. Im LOsten geht der Vf. von dem Grundsätze aus, daß wir die Ursprünge heutiger Institutionen überall vergebens aufsuchen, und dieselben sich in die graueste Nebel des Aiterthums verlieren, wie überhaupt in der Natur die ersten Keime der Dinge sich unserm Auge entziehen. Alle dergleichen Forschungen sind Conjecturen; er will daher auch nur als solche den Ursprung der Synagoge darzustellen versuchen. Synagoge und Kirche sind, seiner Ansicht nach, nicht so spät entstanden, als man gewöhnlich annimmt, sondern waren viel früher vorhanden, und zwar im Keime schon während des Israelitischen Staates als Opposition gegen die Priesterkaste. Moses, sagt er, gab den Israeliten Gesetze, wie sich solche für Las Volk auf seiner dermaligen Bildungsstufe eigneten. „Die dauerhaften Gesetze sind diejenigen, welche für die Zeitgenossen gemacht werden, nicht aber für ausgestorbene ober zukünftige Generationen; weil man dies Prinzip außer Augen läßt, bestehen die französischen Gesetzgebungen so wenig und leben kaum so viel Jahre als die alten Gesetze Jahrhunderte!" Nach diesem seltsamen Paradoxon wiederholt der Vf. die Behauptung von der Entlehnung der Aegyptischen Einrichtungen für die Israeliten, jedoch mit Anerkennung des Jehova. Diese Ansicht sei nicht so modern als manche glauben sie sei vielmehr im velalat al Hayrin (Wegweiser der Verirrten, v. Maimonides) ausgesprochen, einem Werke mit dessen Herausgabe sich Hr. Munk, beschäftige, und dessen Förderung er nebenher den Reichen und den Consistorien empfiehlt, — weil die orientalistische Coterie zu Paris aus Eifersucht und Partheigeist ihn nicht unterstütze! — Dann folgt die Nachweisung der Priester-Institutionen nach Mosaischem Gesetz, und insbesondere die Schilderung der Vorzüge, deren sich der Stamm Lcvi erfreuete, und ihres moralischen Einflusses. Daher sei dann bei einem Gleichheit liebenden Volke die Opposition natürlich gewesen, wie die Aufstände gegen die Priesterkaste beweisen; daher auch immer neue Opposition. Korah ward von der Erde verschlungen; „Ideen verschlingt man nicht; die aufgebrachten Personen verschwanden; aber die Ursachen des Zornes blieben!" — Die Prophetenschulen bildeten späterhin die geregelte Opposition, indem den Priestern die Prophetie entzogen wurde, und die Propheten die Interessen des Volkes vertraten. (Diese Idee gehört dem Salvador an, und wir haben sie mvderirt auch in die Geschichte der Israeliten mit ausgenommen.) Nach diesen kurzen Grundlinien, denen einige Belege folgen, greift der Df. Herrn Cahen wegen seines 6vup d’oeil an. und macht ikm einige irrige Interpretationen aus den früher» Briefen der Correspondance zum Vorwurf, dabei aber die Geißel der Satyre wiederum auf eine Weise schwingend, die wir nicht billigen können. Im Listen Briefe nimmt er zum Motto: Ies. L. 7. „Ich macke mein Gesicht zum harten Fels" weil es sonst nicht möglich sei, über Jüdische Angelegenheiten zu schreiben. Er habe im I. 1824 sich für die Erwählung eines gewissen Arztes zum Mitgliede des Consistoriums verwendet, und sei durch diesen von dem Vorsitze einer wohlthätigen Gesellschaft verdrängt worben, unter dem Vorwände einer offenkundigen Irreligiosität. Letztere bestehe aber lediglich in seiner Behauptung, daß man sein Kind für keinen Cultus erziehen dürfe, der mit den bürgerlichen und socialen Verhältnissen in Widerspruch stehe. — Nach dieser Einleitung beschreibt der Vf. den herkömmlichen Israelitischen CultuS als einen nur scheinbar existirenden, welchem die Edelsten nicht beitreten können; der sich nur durch Verstecktheit, Umwege, Anbequemung. Kunstmittel, erhalte; stets in Lüge und Doppelgängern sich übe, und die Charaktere verderbe, mehr als die Habsucht, die überall herrsche; die Offenheit, den Seelenadel verdränge, n. s. w. — (In der That, der ärgste Gegner kann den Cultus nicht tiefer heruntersetzen!). — Diese Aeußerungen haben ihm jüngst abermals harte pharisäische Erwiederungen zugezogen, und der Pharisäer sei überall derselbe. Auch Mendelssohn habe dies erfahren müssen, indem man den Leichnam des Verfassers von „Jerusalem" noch habe mißhandeln wollen, wie Mose Ensheim erzähle. Hier macht er eine Abschweifung, um die ganze Art der Beerdigung in ein höchst lächerliches Licht zu stellen, und alle Tborheilen und abergläubische Ideen, welche sich damit zu verbinden pflegen, zu enthüllen. (So sehr wir offene Belehrung lieben, so hat doch diese Schilderung eines religiösen Aktes, der allerdings mit mehr Würbe geübt werden sollte, als es gemeinhin geschieht, uns schmerzlich berührt. Was sollen solche Belehrungen in der Zeitung bewirken? Was bringen sie anders hervor als Erbitterung oder Spott?) Dann erzählt der Vf. was man alles vorgehabt habe, um Mendelssohn's Leiche zu entehren, und wie ein Greis endlich es dadurch verhindert, daß er ins Grab hineingerufen: „Mose, Mose! sie mögen dich legen wie sie wollen, du bleibst immer oben!" (Wir haben in Berlin'niemals dergleichen vernommen.) Hierauf kommt er auf die Verfolgung Alexandersohn's in Ungarn, welche er übrigens mit vieler Bitterkeit darstellt; offenbar nur vom Hörensagen unterrichtet. Endlich werben abermals die beiden als Grundbedingungen des israelitischen Bundes erwähnten Punkte in Erwägung genommen, und ihnen diese Eigenschaft abgesprochen, indem nur die Einheit Gottes das Grundprinzip sei, für welches auch alle Märtyrer geblutet haben. Er beschwert sich über die Kritik, welche ihm Personalitäten und Brleibigungen des Volkes vorwerfe. Es sei aber in solchen Dingen nicht möglich, seinen Styl zu bezähmen, und manches Herbe zu unterdrücken. — Wir unsererseits können nur mit der Kritik übereinstimmen und müssen es zwiefach tadeln, erstlich daß vermeintliche Fehler in CultuS durch die Zeitungen, welche Millionen von Undetheiligten und Unkundigen in die Hände kommen, discutirt werden, und zweitens, daß sie mit offener Feindseligkeit angegriffen und mit giftigem Witze besudelt werben! So werden Religionssachen nicht behandelt, welche Würde und fromme Schonung fordern dürfen. Wien, den 12. Februar 1849. — Folgendes ist der Ausweis über die Verwaltung des hier bestehenden wohlthätigen israelitischen Armen-Dereines, vom 1. Januar 1839 dis 1. Januar 1849. An jährlichen Pensionen für 89 Individuen hiesiger Hausarmen st 499 , 89, u. s. «. bis 8 fl. jährlich und in monatlichen Raten sind ausgezahlt 3449 fl. Conv. Münze. An besondere Unterstützungen für dieselben, in Krankheitsfällen und bei besondern dringenden Veranlassungen in Gaben von 49 dis abwärts 2 fl.: 2961 fl. 18 kr. C. M. An Beiträgen zu Rigorosen-Taxen für Studirende, wie an die Studenten-Aushülfs-Kasse 189 fl. C. M. Auf Winter Holz, an 75 Individuen: 638 fl. C. M. Auf Osterbrod, und zwar a. dem hohen General-Commando zur Vertheilung an die israelitischen Soldaten der hiesigen Garnison 169 fl; d. an 32 Individuen in baarem Gelbe 165 fl.; c. an 240 Individuen 1792 Pfund Osterdrod 341 fl. 52 kr.; d. für 59 Sträflinge zur Verpflegung 298 fl.; zusammen 9!i4 fl. 52 kr. C. M. Für fremde Arme: zur Verlheilung an 2263 Arme, in Gaben a 1 dis 15 fl., 3424 fl. E. M. Regie-Spesen: a Gehalte für die Einkassirung, Führung der Paß - und Armen-Register, Utensilien und Druckkosten 215 fl. 19kr.; für die Beaufsichtigung der Fremden an 2 Individuen 129 fl. C. M. Uebertragung auf bas Jahr 1849: a. Dotation des Vereines. 2886 fl. 22 kr. C. M.; d. baarer Saldo 94? fl. 32 kr. C. M. Alles in Allem 14,877 fl. 14 kr. C. M. Hierzu hat der löbliche Verein fixe jährliche Beiträge, in halbjährigen Raten, bezahlt 7499 fl. C. M., und als Dotation 2886 fl. 22 kr. An größern außerordentlichen Spenden empfing er in diesem Jahre von dem Freiherrn Bernhard von Eskeles,

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