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Israelitische Annalen · 1840-03-06 · Heft 10 (6.3.1840) · p. Seite 89

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 10 (6.3.1840)
Date
1840-03-06
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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mit eiander zu verbinden und nicht die Eine als Widersacherin der Andern zu betrachten; im Gegentheil wird sie die Religion besser achten, je stärker diese an die Wissenschaft sich anlehnt, und diese um so mehr schätzen, je mehr sie von der Religion aufgesucht wird. Ein anderes treffliche Mittel zur Weckung besserer Erkenntniß ist die Herbeischaffung nützlicher Bücher, worin die wichtigsten Gegenstände des Denkens mit ruhiger Besonnenheit beleuchtet werden. In dieser Hinsicht ist unschätzbar die seit einigen Jahren erscheinende herrliche Sammlung -jon Q-o, wo die anerkanntesten Gelehrten unsrer Zeit ihre Forschungen niederlegen. So wäre es auch wünschenswerth, daß der wackere Forscher N. K. sein Werk ■gjöf ■q-q: miö# welches zum Zweck hat, die Religionslehre auf ihrem jetzigen Standpunkt zu beleuchten, vollendete und Herausgabe! Wenn die Toleranz fordert, niemanden in seinem Glauben zu belästiaen und der Freiheit des Denkens in keiner Art Eintrag zu thun, so wird doch jedermann den Wunsch gerecht finden, daß die Erleuchteten ihre Kenntnisse mittheilen und die Uederzeugungen der Minder-Unterrichteten bestimmen und leiten! — Sckade ist es, daß unsre deutschen Brüder alle ihre Arbeiten nur in deutscher Sprache abfaffen, wodurch alle, die nicht deutsch verstehen, mit den Fortschritten der theologischen Wissenschaften unbekannt bleiben. Diel mehr könnte, zumal bei so vielen wohlgesinnten Rabbinen. ausgerichtet werden, wenn die theologischen Derhandlungen in h ebräischer Sprache erschienen, die auf dem ganzen Erdenrund verstanden wird; und daß die Erhaltung und Cultivirung dieser Sprache, des alten Erbtheils der Israeliten, diesen zur Ehre gereichen würbe, bedarf wohl kaum der Erinnerung. Dies würde einerseits zur allgemeinen Verständigung führen, andrerseits auch als Vehikel bienen, die von fremder Wissenschaft ganz Entblößten mit den Leistungen der Neuzeit bekannt zu machen, und so eine fruchtbare Saat auszustreuen. Auf Deutschland richten alle, die das Bessere wollen, ihr Auge, auf Deutschland, wo mit dem dritten Mose eine neue Sonne zu leuchten begann, auf Deutschland, wo eine Menge Gelehrte rüstig arbeiten und gemeinschaftlich mit den Gelehrten Italiens und anderer benachbarter Länder die Theologie zur Wissenschaft erhoben haben! Don Euch, meine Glaubensbrüder in Deutschland, erwarten die Brüder im Norden und Osten kräftige Belehrung ßüd gründliche Forschungen und die Zerstreuung der dort noch herrschenden Nebel! Die WissenschaMwird Vordringen, wird alle Herzen gewinnen, die Vorm»M vernichten, und uns auch unfern andersglauüberall näher bringen, auf daß der unselige Zwiespa^Wfhöre verderblich einzuwirken und die Verschiedenheit^» Glaubenslehren und des^Gottesdienstes nicht mehr den Vorwand darreiche, einar» anzufeinden, vielmehrMrkenntnlß und Sittlichkeit aMMrbrüdern, zur Ehre der Mhrheit und des alleinigen Gottes, welcher alle Menschen liebet und zur Vovkommenheit«bestimmt hat. Rheinpre^tßen. Ueber die jüdischen Consiftorie^n Rheinpreußen, mit besonderer Rücksicht auf die Bonner Rabbinenwahl. (Zweiter Artikel. Schluß.) Auf das Gerücht, daß die Zusammenberufung der No. tadeln die Wahl eines neuen Oderrabbiners und zwar in der Person des Aron Auerbach (Sohn des Rabbiners) be, zwecke, da der alte Rabbiner Auerbach seine Entlassung neh. men werde, ersuchten mehrere Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Coln ihren Vorstand, die Herren Jos. Stern und David Heß, „die Gemeinde zusammen kommen zu lassen, um derselben bas ihnen in der Eigenschaft als Notabel» von dem Cvnsistorium zu Bonn zugekommene Circular vorzulegen." Diese Versammlung, welche sowohl in Ansehung der Zahl als auch Beitragspflichtigkeit zu den Cultus und Gemeindeabgaden die Majorität der Gemeinde bildete, fand auch wirklich am 10. Mai 1839 statt, in welcher ernstimmig beschlossen wurde, „der wohllöbtichen Versammlung der Notabeln ihre Ansichten in dieser Beziehung zur gefälligen Beachtung mit? zutheilcn." In einer Vorstellung an die Versammlung der Notadeln, (wir haben diese in treuer Abschrift vor uns) sprachen dik Unterzeichneten Mitglieder der Gemeinde, nachdem sie einleitend das zu ihnen gekommene Gerücht und die dadurch von ihnen veranlaßte Versammlung «»gaben, ihre Ansichten und Wünsche dahin aus: „Die Gemeinde, wenn sie auch nach Einsicht des bezogenen Circulars nicht die Ueberzeugung gewinnen kann, daß die Einberufung der Notabeln etwas anders, als die Ergänzung des Consistoriums zum Zweck haben kann, indem darin von der Wahl eines Oberrabbiners keine Rede ist; daß vielmehr, wenn eine solche Wahlverhandlung zum Gespräche gebracht werden dürfte, es in dem Recht und der Billigkeit läge, daß die Notadeln ftühzeitig davon benachrichtigt werben müßten, damit sie dadurch in den Stand gesetzt würden, über eine so wichtige Handlung mit ihren resp. Gemeinden zuförderst Rücksprache nehmen zu können, so findet sich die Gemeinde dennoch in der Voraussetzung einer möglichen Verwirklichung des Eingangs erwähnten Gerücktes veranlaßt, der wohl. Versammlung der Notabeln ihre Wünsche dahingehend vorzutragen: „Daß die Gemeinde es jedenfalls vorziehe, wenn ihr dermaliger Herr Oberrabbiner in dieser Eigenschaft fortbestehe; daß für den Fall jedoch derselbe auf die Niederlegung seines Amtes bestehen sollte, die Wahl eines andern Oderrabbiners auf eine angemessene Frist verlegt werde, und endlich, daß die Wiederdesetzung des Oberrabbinats durch öffentliche Blätter bekannt gemacht werde, damit mehrere zu dem hohen Berufe eines Oberrabbiners sich qualificirende Candidaten mit zur Wahl gebracht werben können." Die Besetzung einer Steve auf Lebenszeit, durch einen Mann, dessen Einwirkung auf das Iudenthum, seinem Berufe und seiner Stellung gemäß, von so hoher Wichtigkeit ist, ist den zeitgemäßen Umständen nach von so großer Bedeutsamkeit, daß die Gemeinde, ohne der ehrwürdigen Versammlung der Notabeln vorgreifen zu wollen, es dem Zwecke angemessen erachtet, denselben ihre Ansichten und Wünsche durch Gegenwärtiges zur gefälligen Berücksichtigung zu empfehlen." Cöln den 10. Mai 183». (Es folgen die Unterschriften.) Dieses Gerücht fand in der am 14. Mai stattgeftrndenen Notabelnversammlung seine vollkommenste Bestätigung, indem der Rabbiner, der sichMier das Präsidium zueignete, sogleich die Versammlung miDer Erklärung eröffnete, daß er aus Altersschwäche genöthi» sei, sein Amt niederzukegen, und baß daher die Notabeln Hnen Sohn. Aron Auerbach, an ferner Stelle zum OderMbiner wählen sollen. Nach langen Debatten und Oppositionen, besonders von Seiten der Notabeln Cüln's um> Creuznach's, wurde, wie voraus zu sehen war, der wohlverecknete Plan der Familie Auerbach .realisirt und der genannte Sohn durch Stimmenmehrheit gewählt. Ueber das Benehmen, sowohl des alten Auerdach's, als auch dessen Sohnes, Rabbiners zu Darmstadt, (der zu diesem wichtigen Akt nach Bonn beschieden wurde, und gegen alles Recht und jeden Anstand der Versammlung betwohnte, wo er sich so anmaßend benommen hat, baß er den Unwillen der ganzen Versammlung im höchsten Grade sich zuzog) bei dem ganzen Hergang dieser Verhandlungen, enthalten wir uns aus Rücksicht gegen den geistlichen Stand, jeder weitern Bemerkung. Erst nachher fand die Wahl der Cvnsistorialräthe — der eigentliche Zweck der Berufung der Notabeln — Statt. — Die kölnische Gemeinde jedoch, die schon durch obige Vorstellung und durch ihr standhaftes Beharren bei ihren Grundsätzen einen schönen Beweis von ihrem Rechtssinn und ihren Einsichten in die Bedürfnisse der Zeit darthat, legte sogleich Protest gegen diese Wahl in 2 Petitionen ein. Wir theiken hier beide, weil sie uns den besten Einblick in die ganze Verhandlung gewähren, ihrem Hauptinhalte nach mit. Die erste an das Oderprästbium der Rheinprovinzen gerichtete, lautet nach dem Eingänge also: „Nachdem uns nunmehr durch unfern Vorstand, die Herren Joseph Stein und David Heß, die mit zu den Notabeln gehören, die bei der Versammlung vom I4ten d. statt gehabten Derhandlungen mitgetheilt wurden, so erlauben wir uns.

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