Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1840-03-06 · Heft 10 (6.3.1840) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 10 (6.3.1840)
Date
1840-03-06
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3133765-3133820-3133831--0580-3134735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

88 feierlich, daß A. als Rabbiner zu respecüren sei, -rohete mit 25 Stockschlägen, in jedem Fall einer Widersetzlichkeit, und forderte den A. auf, seinen Platz standhaft zu behaupten. h Allein als dieser Morgens am Sabbath die Kanzel bestieg, um zu predigen, warer mit Schmähungen heruntergestoßen, geschlagen und mißhandelt, und jede rituelle Handlung ihm verwehrt; am folgenden Tage warsein und seiner Frau Stand im Tempel vernagelt. — Seine sofortige Klage blieb ohne Folgen, und dies ermuthigre seine Widersacher. (Schluß folgt.) Literarische and historische Analekten Bon S. D. Luzzato, Professor am Lol. Hab. in Padua. 3. Saadja's Meinung vom jüdischen Kalender. In der Epistel über Sabbath sagt A.E., daß der Gaon zu Bagdad eine Sonnen finsterniß in einer Stunde de« obachtet hat, die verschieden ist von der in unserm Kalender angegebenen Conjunction, und da die Sonnenfinsternis nur in dem Augenblick des Neumondes statt finden kann, (so wie die Mondfinsternis nur bei Vollmond), so schließt er daraus, daß die von unfern Altvordern festgestellte Rechnung nicht zutrifft. Im 4ten B. des K. Ch. habe ich, bei Veröffentlichung jener Epistel, weil mir ein solches Urtheil mit Saadja's bekannter Denkart unvereinbar schien und ich dem A. E. keine offenbare Unwahrheit oder gar Verdächtigung zuschreiben mochte, in einer Note (S. 168) bemerkt, der citirte G a o n sei wahrscheinlich nicht Saadja. Dazu aber bemerkte der gelehrteRapaport, der Gaon sei ohne Zweifel Saadja, wie sich aus einer Belegstelle aus S. Duran's RGA. (VUB'n lli. 215) ergebe. Wahr ist nun, baß aus jener Stelle hervorgeht, daß Saadja jene Sonnenfinsterniß beobachtet habe, aber nicht, baß er die Folgerung daraus gezogen habe, unser Kalender sei ungenau; denn die Entfernung der Sonnenfinsterniß von dem Neumond ließ sich wohl erklären, wenn man bedenkt, daß der Kalender nicht auf den Meridian von Bagdad, sondern (nach A. C.) auf den von Jerusalem, oder (nach Andern, zu denen auch S. Duran gehört) auf den 180" dtr Länge, oder endlich (wie Israeli, Iesod Olam f. 70 setzt) auf den 80" der Länge berechnet ist. Demnach ist es nicht wahr, daß Saadja unfern Kalender für ungenau gehalten habe, zumal er im Gegentheil behauptet, derselbe sei, wie alle dahin bezüglichen Rechnungen, von Gott dem Mose auf dem Smai offenbart worden. Israeli (I. c. 69) berichte! diese Meinung des Saadja wortgetreu — und doch konnte A. E. sagen, daß der Gaon (und zwar, wie R. beweist, ohne Zweifel Saadja) die Rechnung unsrer Altvordern für ungenau erklärt habe!! 4) Der Todestag des Atphes. Da ich in einigen Terten fand, daß Al pH es am Sabdath 11. Ijar, in andern, daß er Dienstag 10. Ijar und endlich in andern, baß er in Nisan gestorben sei. so habe ich, gestützt auf die k. Ch. IV. S. 03 angeführten Gründe, die Muthmaßung aufgestellt, er sei am Dienstag den 10. (nickt Ijar und nicht Nlsan, sondern) Sivan gestorben. Jüngst hatte ich die Freude, meine Muthmaßung in einem Zeugniß des. S. Duran RGA. 1. 72 bestätigt zu finden. ■ Nachrichten und Correfporrderrzen. Bericht eines gelehrten russischen Israeliten >us Lithauen, über den Bildungszuftand der Israeliten in seinem Varerlande re. (Schluß.) Traurige Erinnerung durckdringt hierbei den Schreiber dieses Berichtes! Als Knabe schon strebte er nach besserer Erkenntniß, aber theils hinderte ihn der Mangel an Geldmitteln, sich Bücher anzuschaffen, theils sah er sich, wenn ihm ein Buch zu Händen kam, genöthigt, wie ein Sünder sich in Nacht zu Hüven, und wenn andere schliefen, heimlich seinen Durst zu stillen. Noch vor 5 Jahren hat er furchtbare Kränkungen erleiden müssen, weshalb? weil er sich mit des wackern Mendelssohn Commentar zu Koheleth beschäftigt hatte! Ja selbst in der Schule hat er es nicht gewagt. in dem Ikkarim des Albo zu studiren, so lange noch ein Zeuge da war! Welch ein jammervoller Rückblick auf den Verlust der schönsten Iugendjahre! aus welchen kaum noch ein Weniges verstohlen gerettet werden konnte. Jndeß wird das wahre Streben nach Licht durch keine Verftlgung eingeschüchtert, und die Begierde zum Fortschreiten wird dadurch nur um so stärker angeregt. Sv habe denn auch ich mir einen Ausweg verschafft, und mich nach Orten begeben, wo man ungehindert der Wissenschaft leben kann! Man nehme diese Schilderung nicht für den Erguß der Eitelkeit! Schreiber dieses will sich nicht Herausstellen, und verlangt nicht bewundert zu werden; er giedt nur in der eigenen Geschichte die einer Menge anderer Ändsleute, welche einigen Trieb zu einer bessern Geistesbildung in sich fühlen und sich der Wissenschaft zuwenden. Alle werden sie genöthigt, ihre Heimalh zu verlassen, oft sogar Frau und Kinder, indem man, sie im Knabenalter wider Neigung und Willen verheirathend, ihnen vor der Zeit die Sorge für das Hauswesen aufgeladen hatte, ehe noch die Reife da war, so schwere Pflichten zu erfüllen. Wenn solche Flüchtlinge an anderen Orten beurtheilt werden, man ihnen Hartherzigkeit gegen die eigenen Kinder, ungemessene Freiheitsliebe und Unstättigkeit vorwirft, so geschieht ihnen mindestens in so weit Unrecht, als es schwer ist, sich in ihre entseuch quälende Lage hinein zu denken, welcher zu entgehen^, sie selbst die natürlichsten Gefühle unterdrücken, und sich -i-'i Mühseligkeiten eines unstatten Lebens hingeden! Dem Uebel kann nur dadurch abgehvlfen werden, daß Schulen errichtet werden, in denen ein geregelter Unterricht in allen Schulkenntnissen ertheilt wirb. Die Einwendung, daß es dazu an Mitteln fehle, wäre durchaus leer; man darf nur berechnen, welche Summen auf ganz zwecklose Weise verschwendet werden, als z. B. zur Erkaltung der Thalmudschule in Walosin, zur beständigen Uuterstützung sogenannter Prusch im (Anachoreten, die nichts thun. als studiren und beten, und als Hausgeistliche überall Zutrilt erhalten, und mit Gastfteundschast begrüßt werben), deren es viele um Wilna und Hrodnv giebt, und ähnliche gut gemeinte und schlecht angewendete.Ausgaben. Tausende von Kindern, welche die Natur mit Fähigkeiten begabt hat. könnten dafür dem Verderben entrissen und einer angemessenen Bildung zugeführt werden.. Die Errichtung eigener Schulen würbe auch der bereits entstandenen Spaltung zwischen den Gebilbetern, welche aus fremden Schulen' ihre Kenntnisse schöpfen, und die in ihrem ganzen Aeußern anders erscheinen, und denen, die vom Herkommen nicht ablassen, minder fühlbar machen; denn schon beginnen die Befferunterrichteten ihren andern Brüdern die fanatische Verfolgung durch Satyre uud Hohn zu vergelten, was gewiß um so weniger gebilligt werden kann, als jene nur aus Mangel an Sachkenntniß so fanatisch verfahren, übrigens aber theilweise von frommer UetMeugung.geleitet werben, theilweise auch, wie sckon aus vWem erhellt, in ihrer eigenen Sphäre einen hohen Grad vbn Bildung erstreben und. erreichen. Nur Schulen, nur wohleingerichtete Bildungsanstalten können hier helfen. Da muß Wissenschaft mit Religion Hand in Hand gehen, die Jugend wirb gewohnt, beide

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.