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Israelitische Annalen · 1840-02-28 · Heft 9 (28.2.1840) · p. Seite 81

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 9 (28.2.1840)
Date
1840-02-28
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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81 Mieb; im Jahr 1705 ging er nach Nikolsburg ab, um R. David Oppenheim zu ersetzen, der nach Prag berufen worden. Asulai im Vaad. Lach. I. §. 15. bezeugt, daß er für einen ausgezeichneten Mann gegolten Halle. RGA. von ihm sind zerstreut zu finden, besonders im nvV'ND 8) Abraham Broda, erst in Prag, bann 1605 in Metz, von wo er 1712 nach Frankfurt a. M. berufen wurde. Er starb Sonntag, 30. Nisan 477 , 1717. S. Zern. Dad. ed. Off. 38.2. Er schrieb om2N 72^ und einige andere WW. (Wird fortgesetzt.) Nachrichten und Correfporrderrzeri. Bericht eines gelehrten russischen Israeliten aus Lithauen, üh.er den Bildungszuftand der Israeliten in seinem Varerlande rc. (Fortsetzung.) Außer dem genannten Astronomen finden sich in Kurland, Samot und Lithauen sehr viele wissenschaftliche Männer aller Art, wenn auch ein großer Theil derselben bescheiden zurücksteht, und sich nicht durch Schriftwerke hervorthut. Die hebräische Sprache wird mit ausgezeichnetem Fleiße cuktivlrt, und man bedient sich ihrer in Prose und Versen in bewundernswürdiger Reinheit. Wir erwähnen hier nur einige interessante Erscheinungen in diesem Fache. Obenan steht der rüstige M. Ahron Ginzburg aus Polangen, welcher im I. 1821 — 3 die „Entdeckung von Amerika" in drei Theilen hebräisch bearbeitet herausgad, wobei auch einige herrliche hebräische Lieber (unter denen sich eine Elegie auf den Tod des wackern Juda Ascher Magnus aus Slant auszetchnet. Letzterer war der Erste, welcher das Studium und die Anwendung der reinen Sprache, so wie überhaupt den bessern Geschmack bei unfern Landsleuten beförderte; leider ward diese Knospe gebrochen, che sie sich entfalten konnte!) von wackern Dichtern und Denkern, namentlich M. Nathansohn, und Nisan Rosenthal zu Wiüna. Nachher gab er eine aus deutschen Werken zusammengctragene Weltgeschichte für die Jugend, unter dem Titel □INH 22 HH71H heraus, davon 1 Theil erschienen ist. Er übersetzte ferner Philons Gesandtschaft; auch gab er unter dem Titel -ßD rvnp eine Sammlung verschiedener Schriften vermischten Inhalts heraus, worunter Beiträge von Juda Lob b. Elias Rosenthal aus Slant, bezeichnet , von einem andern Litbauer, dessen Name mir entfallen ist und von Abr. S a ck h e i m aus Willna, von welchem auch vor ‘n02n 'HDU2 und vor N2ZDD ein Gedicht steht. Ueber Gmzburgs Leistungen will ich hier nicht urtheilen, auch nicht über den ihm gemachten Vorwurf, sein Hebräisch sei zu sehr nach fremdem Sprachgeist geformt; aber das darf ich behaupten, daß seine Werke einer gründlichen Kritik würdig sind. Wie ich höre ist er gegenwärtig mit einer russischen Geschichte beschäftigt. Aus Mithau erhielten wir vor mehrern Jahren riTTO ein kurzes hebräisches Lexikon von Juda Koran, welcher bereits verstorben ist. Von Ber Cohen Levisvhn aus Mtchaelischok. ist “□D 728eine herrliche Trauerschrift auf den Tob des willnaer Rabbinen Saul Katzenellendogen, mit ressen Biographie und schönen Elegien; — so auch noch eine Gelegenheitsschrift auf denselben, unter dem Titel ny2)l und eine auf den oben genannten Walosiner, unter dem Titel 7H2» von Hirsch Katzenellenbogen in Willna, von welchem auch fYOTP' eine treffliche Erklärung der 32 Regeln des Jose baglili, ein vorzüglich empfehlenswerthes Werk, erschienen ist. Ferner hat Juda Bezalel Eliasberg herausgegeben NEno eine schöne Uebersetzung aus Hufeland's Werken. Außerdem aber sind Grammatiken der Russischen, Polnischen und Hebräischen Sprache, Werke über Arithmetik und Algebra u. s. w. verfaßt worben. Unter dem Tttel pn sind ave russischen Gesetze, welche die Israeliten angehen, erschienen, u.s.w. u.s.w. % Genug zum Beweise. daß man in Lithauen mit der Zeit fortgeschritten ist. Auch im Thalmud- und Midrasch-Fache sind viele Werke theiks neu verfaßt, theils neu aufgelegt worden. Viele von den anderweitig herausgekommenen wissenschaftlichen Werken der neuern Zeit sollten übrigens ebenfalls gedruckt werben, wie denn die thätige Offizin zu Minsk die trefflichen Gedichte nzn von Letteris, und die zu Willna und Hrobno das njTKSfn von S. Bloch auflegte, und eben damit umging, dessen meisterhaft geschriebene Geographie iTQrr wieder aufzulegen im Begriff standen. Allein noch ist der Fanatismus mehrerer Rabbinen hinderlich, deren Mitwirkung sie bei Herausgabe des 12 folianten starken Thakmuds nicht entbehren können, welche schon seit mehrern Jahren im Gange ist. Die Rabbinen haben nämlich durch Bann-Drohung der Offizin zu Slovita untersagt, einen Thalmud aufzulegen (wahrscheinlich um den ersten Unternehmern den Debit zu sichern, und keine verderbliche Concurren; zu dulden), dadurch behalten sie einen Einfluß auf die Wahl der Unternehmungen, denn so wie die Offizrnen etwas ihnen Mißfälliges drucken lassen, haben sie zu fürchten, daß ihre größeren Unternehmungen gestört und Concurrenten gegen sie ermuntert werden. Ja wir wissen zuverlässig daß die Herausgabe obenerwähnter Weltgeschichte. worüber alle Zionswächter ein entsetzliches Geschrei erhoben, einen Rabbiner schwankend machte, ob er zur Thalmud-Auflage seine Avprobation geben sollte. — Leider hat eine solche traurige Rücksicht auch die beabsichttgte Creirung einer Zeitschrift, welche unter Redaktion des Hrn. Ginzburg und des Hrn. Levinsohn aus Kremnitz zu Willna, unter dem Titel 2)D3H 22)2 (Nordstern) erscheinen sollte, was gewiß zur Aufmunterung neuer Talente und zur Verbreitung des Lichts gedient hatte, für jetzt vereitelt. Aus den Fortschritten der Geistesbrldung läßt sich schon auf die Verbesserung der Sitten ein Schluß ziehen, denn wer sich mit der Wissenschaft abgiebt, wird schon von vielen schlechten Neigungen abgezogen. Viele Rabbinen machen auch den sittlichen Lebenswandel zum Gegenstände ihrer Vorträge und üdertreffen hierin ihre Amtsbrüder in Gallizien, welche im Leben nichts anderes Vorbringen, als ihre Casuistik und nutzlosen Deuteleien und Träumereien, die mit der sittlichen Welt in gar keiner Beziehung stehen. (Selbst an dem Buß-Sadbath versäumen sie es, das Volk auf die Heiligkeit der Vorbereitung aufmerksam zu machen, und die Macht der Gewohnheit ist so stark, baß selbst die Besserdenkenben nickt davon adgehen!) Es giebt in mehreren Städten Lithauens stehende Synago» gen-Redner, — nicht jene wandernden Prediger, welche man spvtlweise 2^27 (ein Wortspiel, hier in der Bedeutung: Gelb-Prediger) nennt, weil sie nur in eigennütziger Absicht auflreten, und des Unsinnes genug feil bieten; — jene wissen bisweilen das Volk anzuregen! hätten sie nur auch die Kraft, Mißbräuche abzustellen! Es ist immerhin gut, daß die Rabbmnen darüber nicht eifersüchtig sind, sondern diese Einrichtung zulassen, während anderswo deren Hochmuth durchaus keinen Nebenbuhler duldet. Freilich bleibt noch vieles zu thun üdrrg, und hier muß ich wieder auf den in der Dvlksmeinung so hoch gestellten R. Eliah zurückkommen, dessen Einfluß noch fvrtlebt. Es versteht sich, baß auch er seine Schwachen hatte, wie jeder Mensch, und leider wird an ihm alles vergöttert. Ein Hauptübelstand war, daß er stets einsam in seiner Studirstude lebte, mit keinem Menschen in Verbindung trat, lebigltch mit seinen Büchern und semer Phantasie umging, und von der Natur außerhalb gar keine Notiz nahm. So ward er denn auch ganz und gar von den Gesichten seiner Phantasie eingenommen, und vertiefte sich in die Kabbalah, welcher er, dem Zeugnisse seiner Söhne zufolge, schon als Knabe äußerst zugethan war. Die Kabbalah ist bekanntlich eine widerspenstige Tochter der Philosophie, und so war er denn auch dieser feindselig gesinnt, und setzt daher bei Gelegenheit den Maimonides herunter. In mich. Chescbaphim schreibt er im Commentar rrrnKH ^C'tDI^C.n (die fluchwürdige Philosophie Hai ihn irre geleitet!) und diese drei Worte des über alles gefeierten Lehrers haben einen liefen Eindruck

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