Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1840-02-28 · Heft 9 (28.2.1840) · p. Seite 80

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 9 (28.2.1840)
Date
1840-02-28
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3133765-3133820-3133830--0571-3134725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

80 und sind das Produkt der vormaligen polnischen Verfassung, in welcher es bekanntlich an einem Tiers- Etat, an der eigentlichen Basis des Staatslebens, fehlte. Es besaß dieses Reich verhältmßmaßig nur wenig Städte, und in diesen herrschte die Willkühr mächtiger Woywoden zur Betrübniß aller Edeln der Nation mit eiserner Geißel; Polizei, Justiz, persönliche und die Sicherheit des Eigenthums, was auch unsterbliche Regenten, wie ein Kasimir, Sigmund und Sobiesky in diesen Beziehungen Rühmliches verfügten, jene Uebermüthigen achteten es nicht und beugten gar oft das Recht unter ihrer rohen Gewalt. Bei solcher traurigen Gesetzlosigkeit war es nur natürlich, daß ein würdiger wohlhabender Bürgerftand nie auflommen konnte. Die ganze sarmatische Nation zerfiel darum auch bloß in Adelige und Leibeigene, was nicht Herr war, war — nicht viel besser als — Sklave. Die Letztern aber konnten sich bloß mit dem Boden befassen, und die Erster« handhabten lediglich das Schwerdt und die Administration, wenn sie anders nicht einen rühmlosen Müßiggang und Schwelgereien dem vorzogen. Zur Betreibung des Handels, der Handwerke und Gewerbe war sonach im Kern der Nation niemand vorhanden und da nach den damaligen unerleuchteten Begriffen jene Beschäftigungen obendrein in Verachtung standen, so wurden sie gerne den ebenfalls verachteten Juden überlassen. Diese nahmen daher gleichsam von allen Städten Besitz und pflegten auch Jahrhunderte lang fast ausschließlich das ganze Gebiet der Industrie, welches sie in manchen günstigen Epochen sogar zu einem gewissen Flor brachten. Mt dem geistigen Fortschritt der Zeit, wie auch in Folge mannichfach eingetretener Staarsveränderungen, fielen nun freilich die ursprünglichen Motive dieses eigenthümlichen Verhältnisses hinweg, nicht sobald jedoch konnten auch die Wirkungen von Jahrhunderten aus dem Leben schwinden und die Vorzüge, wie der allgemeine Kredit, den die Israeliten durch Gewohnheit, Genie und lange Praxis im Fache der Industrie natürlicherweise erlangt haben, mögen es darum zur Genüge erklären, wie sie dasselbe bis auf den heutigen Tag noch immerfort beinahe ausschließlich repräsentiren. Die Ueberzeugung davon kann man in Galizien leicht auf jedem Markte schöpfen. Wo der Jude fehlt, fehlt auch alle kommerzielle Thätigkeit; am Sabbat, den er feiert, ruht auch der Handel und sämmtliche Gewerbe stocken. Diese Hemmkraft des Sabbats bemerkt man sogar, ungeachtet einer weit stärkern christlichen Population, auch in Lemberg, denn hier nicht weniger als im ganzen Lande, überall ist der Hebel, der alles in Bewewung setzt, die Seele, die alles belebt, der Jude. Göttingen, Nov. 1839. B. B«»»l. Bemerkungen Geschichte der Metzer Rabbinate von Tsarphati. (Annalen. Labrgang 1839. Nr. 48). Don vr. Carmoly. (Fortsetzung.) 5) Jona Thomim aus Prag, war im Jahr 164« Rabbiner in Horadna in Polen (vergl. die Approbation zu jro TiDUO, aber 1648 im Kosacken-Aufstand, ging er nach seiner Heimath, von da nach Franken und Frankreich, und ward in Metz Rabbiner. Er starb daselbst, 29. Schedat. 439, d. i., Anfang 1679; wie in dem Metzer Nekrolog steht, den ich durch Ahron Cahen, den Beglaubten, Vater meines Freundes, des Rabbiners von Marseille, erhalten habe. Außer dem erwähnten Werke sind von ihm Manuskripte in der Opp. Bibl. 2. 2. Er hatte vier gelehrte Söhne: Meir, Israel, Jakob und Phöbus Thomim; letzterer kam nach Premsla, dessen Sohn Chajim Jona Thomim Schwiegersohn des R. David Oppenheim ward. Zu dieser Familie gehörten Simon, und s. S. Mose, und dessen S. Ahron, gestorb. 1690; auch Meir und sein Sohn Joseph; alle mit Namen Thomim und sämmtlich Schriftsteller. 6) G. Oulif, ein Deutscher, ging als Knabe nach Nikolsburgund studirteunter Mendel Krochmaus (Vf. des RGA. pis nS3) der ihn sehr liebte, und ihm seine Tochter gab, ihm auch das Rabbinat zu Proßtiz verschaffte, (im 1.1644) obwohl er noch jung war. Bald ward er nach Hanau berufen; aber da fein Schwiegervater bald darauf starb und sein Schwager Jehuda Lew Krochmaus noch zu jung war, um des Vaters Amt zu bekleiden, ging er dort hin, um für diesen so lange zu fungiren, bis er herangereift war. Dann begab er sich nach Wien, um dort die erledigte Stelle des Mendel Auerbach zu bekleiden, welcher nach Krotoszyn berufen worden. In Wien stand er in überaus großem Ansehen. Bei der Austreibung der Juden aus Wien 1679, ging er nach Franken und von da nach Metz, um das Rabbinat daselbst zu erhalten. Allein damals war Metz in beständiger Besorgniß wegen des Vorfalls mit Raphael Levi, welcher der Religion halber verbrannt wurde, wie ich dort ausführlich berichtet habe. Oulif blieb daher in der Klaus, einer Stiftung für Thalmudunterricht, und hier lehrte er, bis der Sturm vorüber war, und dann ward er zum Rabbiner erwählt und bekleidete diese Stelle 24 Jahre. Er starb 1694 sehr alt, und hinterließ 4 Werke, deren 3 durch seine Söhne Nathan und Joel Oulif gedruckt wurden. Die Descendenz dieses Nathan ist: Mose — Nathan — Phöbus, von dessen zwei Söhnen der eine, Michel Oulif in Metz buissier war, und vor einigen Monaten verstorben ist, und der zweite Nathan Oulif, mein Freund, ein Rechtsgelehrter, als Advocat et professeur a la faculte de droit de l’universite de Bruxelles fungirt, auch Chevalier de la legion d’honueur ist. 7) Gabriel aus Krakow, S. d. R.Juda Löw daselbst; war dort angesteüt, kam 1694 nach Metz, wo er 1« Jahre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.