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Israelitische Annalen · 1840-02-28 · Heft 9 (28.2.1840) · p. Seite 79

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 9 (28.2.1840)
Date
1840-02-28
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 fehlt, über diese Langsamkeit -er Procedur sich mißbrlligend zu äußern. Mittlerweile hatte der Rabbiner zu Szanto, unwillig über die schon (Nr. 38 d. v. I.) erwähnte Ehescherdungssache, in welcher er, ganz ohne Grund, sein Ansehen compromitrirr glaubte, sich in die Sache . gemengt, und eine religiöse Verfolgung fast regelmäßig eingeleitet. Die unwissende Menge wurde gegen den als heterodox verschrienen A. auf's Aeußerste fanatisirr, und aller Umgang und alle nähere Berührung mit demselben für sündhaft erklärt. Den Freunden des A. ward gedroht, daß, wofern sie nicht von ihm ließen, ihnen das Haus über dem Kopf angezündet würde, — und wirklich schreibt man zwei in jener Zeit (Sommer 1834) vorgrfallene Feuersbrünfte diesem böslichen Ansinnen zu. A. fühlte sich in beständiger Gefahr, und — am 7. Septemb. 1834, als seine Frau zu ihrem Vater nach Sanperer gereift war, brach auch im Hause des Rabbiners nach Mitternacht auf vier Seiten zugleich Feuer aus, und verzehrte alle seine Habe. Ein Rettender ward dabei so arg beschädigt, daß er, ungeachtet aller ärztlichen Behandlung und aller Pflege, welche der Rabbiner ihm auf das Nachdrücklichste verschaffte, nach drei Wochen das Leben einbüßle. Die Untersuchungen blieben ftuchtlos; die Affecuranz vergütete nichts. Der Unglückliche war ohne ,Obdach, ohne Freund, ohne Annehmer. Unter diesen Umständen erschienen plötzlich die drei auf Veranlassung des Szanto er Rabbiner anmaßlich ernannten, übrigens durchaus unbefugten Inquisitoren, welche den Auftrag hatten, den Rabbiner A. in Betreff seiner Amtshandlungen und Aeußerungen zu vernehmen, und die Zeugen abzuhören, um demnächst über dessen Absetzung eine förmliche Entscheidung herbeizuführen. (Forts, f.) Cirrrge Notizen zur Würdigung der socialen Bedeutsamkeit der Juden in Galizien. Don B. B***l. (Schluß.) Ganz parallel mit der Vernunftkultur laufen aber auch alle übrigen Eigenschaften des gallizischen Volkes und zwar auf Seiten beider besprochenen Confessionen, mithin abermals zum wesentlichen Vorzug der Juden. Der gemeine Galizier, namentlich rulhenischer Abstammung, entbehrt nicht nur Kenntnisse und Unterricht, sondern in einem noch weit iraurigern Grade entbehrt er auch der Nüchternheit, entbehrt ferner der Tüchtigkeit und Lust zur Arbeit. Ein unseliges Tränklein, das mit unwiderstehlichem Zauber ihn lockt, der Branntwein, raubt ihm alle diese Fähigkeiten, wie jede sittliche Tugend, macht ihn träge und ausschweifend, hält immerdar seine Sinne gefesselt, lähmt seine ganze Kraft. Vom . andern aber für die öffentliche Harmonie und Wohlfahrt nicht minder verderblichen Gebrechen kann man bei aller liebenden Anerkennung sehr würdiger Ausnahmen auch sonst Beispiele genug finden. Ganz anripod erscheint dagegen in allen diesen Beziehungen der Jude. Dieser in seinem steten Hinblick auf Gott und eine religiöse Bestimmung des Menschen, dazu besonnen und wohlwiffend, daß ihm Nüchternheit und Fleiß alles ist, fliehet den Branntwein, meidet jede Ausschweifung, befolgt die strengste Mäßigkeit als unverbrüchliches Gesetz, ist rastlos thätig und weiß jeden Augenblick seiner Zeit weise und haushälterisch zu benutzen/ Was Wunder daher, daß der Galizier diese kostbaren Vorzüge, wenn auch in einer unabhängigern Lage nicht selbst nach ihnen strebend, doch bald an seinem jüdischen Landsmanne schätzen lernt und eben deßhalb dessen Vermittelung bei allen seinen Geschäften wünscht. Uwter den Händen des Juden gedeiht alles besser, kömmt schneller, sicherer und wohlfeiler zu Stande, was kann daher für den sonstigen Galizier, zumal bei dessen obenbeschriebener Gemächlichkeit, bequemer, vortheilhafter und darum erwünschter sein, als bei allen Unternehmungen und Bedürfnissen sich mit jenem in Verbindung zu setzen und der Geschicklichkeit desselben zu bedienen? Das thur denn auch der Galizier, und zwar um so geneigter, je vernünftiger und bescheidener der Jude auch in seinem äußern Betragen ist. Dienstfertigkeit und Devotion ist der Typus seines ganzen Wesens, er spielt nie den Rivalen, laßt nie und Niemand seine Ueberlegenheit fühlen, ist zudem wirklich anspruchslos und in seinen Prätensionen als Gewerbsmann schon aus vernünftiger Spekulation höchst mäßig, indem er einen öfrern dem größer» Gewinn vorzieht; Eigenschaften, welche ihn zumal bei anderweitigen Fähigkeiten gewiß von Jedermann nur gewünscht und gesucht machen müssen. Es sind indeß keineswegs die so weit geschilderten persönlichen Vorzüge allein, welche dem Juden eine so einfiuß- und bedeutungsreiche Stellung in Galizien sichern, sondern auch die althergebrachten Sitten, Gewohnheiten und nationalökonomischen Einrichtungen dieses Landes vereinigen sich ebenfalls, um ihn daselbst zum wichtigsten unentbehrlichsten Manne zu machen. Diese Verhältnisse | datiren sich noch aus fern liegenden Epochen her 9*

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