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Israelitische Annalen · 1840-02-14 · Heft 7 (14.2.1840) · p. Seite 66

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 7 (14.2.1840)
Date
1840-02-14
Page
Seite 66 (sequence 10)
Language
German
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66 den Gewalt auSgcschloffen hat, zu einer gediegenen Kenntniß d:r wahren Lehre zu gelangen. Dazu bedarf es indes eines unerschütterlichen Muthes, und die Leidenschaftlichkeit der Finsterlinge darf uns nicht schrecken. Thoren seben nur auf die äußere Hülle, der Weise uriheilt nach der Gesinnung; Tdoren scheuen sich ein ererbtes Kleinod zu berühren, und lassen es lieber verkümmern, um am Erbtheil nichts zu ändern, der Weise halt es in Ehren, schützt es und reinigt es vom Staude, damit es seinen Werth behalte; Thoren gehen einher, wie sie es einmal gewohnt sind, mit morgenländischen Gewändern in der nordischen Kälte, und mit nordischem Pelz in der südlichen Sonnengluth, bloß um in der Gewohnheit zu bleiben; der Weise achtet auf den Himmel unter welchem er wandelt, und auf die Aendcrungen der Jahreszeiten! — Ja unser größter Weiser, der mit hellem Äuge die Tiefen des Gesetzes burchschauete (Maimonides), unterschieb sehr wohl äußere Handlungen von innerer Gesittung, und machte diese zum Wesen, jene zum Mittel. Ja er erkannte letzteres so sehr, daß er behauptet, (Llore in. 32.) die Opfer seien überhaupt nur deshalb ins Gesetz mit ausgenommen, weil das Volk einmal an Opfer gewöhnt war und man besorgen mußte, deren Einstellung würde noch weitere Gesetzlosigkeit zur Folge haben. „Die göttliche Weisheit fand es für zweckmäßig, den äußern Dienst nicht ganz und gar abzuschaffen, weil dieß der Mensch nicht zu fassen versteht; denn die Natur des Menschen fesselt ihn an die Gewohnheit, und es würbe damals etwa so ausgenommen worden sein, als wenn heute ein Prophet aufstünde, und zum wahren Gottesdienst mit den Worten aufforderte: Gott bestehlt euch, nicht zu beten, nicht zu fasten, nicht in der Noth ihn anzuflchen; sondern nur mit dem Geiste müßt ihr ihm dienen, ohne äußere Handlung!" — Freilich ist die Gewohnheit eine eiserne Fessel, aber wenn man an ihr alles so läßt, und nicht im Einzelnen wahrnimmt, was wesentlich, was unwesentlich ist, so erblickt ein minder Erfahrener in dem kleinsten Mißbrauche, der sich ihm offenbart, einen Grund zur Veracktung des Ganzen, und die unwissende Menge wirb durch einzelne Freiheiten, welche sich die Heüsehenden erlauben, verleitet, alles zu verwerfen, Gesetz und Sittenlehre, Glaube und Menschenpflicht, und der Leichtsinn wird bald allgemein. Darum ist es Pflicht, auf die Zeit zu achten und das Anhaltbare wissenschaftlich nachzuweisen, damit alles Aechle und Heilige desto fester begründet fortbestehe! Auf welche Art dieser schwierige Punkt erledigt werden dürfte, ist allerdings schwer zu sagen. Sollen wir im Thalmud selbst Hülfe suchen? Sollen wir einzelne Sprüche aus demselben hrrauswählen, um unsere Ansichten durch eine alte Autorität zu rechtfertigen? Da würden wir immer mit «nsern eigenen Waffen zurückgesmlagen werden. Und zu welchen Sophismen und Spitzfindigkeiten würde das nicht Anlaß geben! Zumal bei der großen Tiefe dieses Werkes, das wie ein gewaltiges Triebwerk, jeden, der sich an einzelnen Zacken halten will, mit fortreißt, und nur von solchen gehörig gewürdigt werden kann, die dessen innerste Triebfedern zu fassen vermögen. Unsere Scholastiker begnügen sich meist mit dem formellen Witzspiele der Disputation. Uns kann nur eine recht gediegene wissenschaftliche Forschung von Nutzen sein, wie dies der wackere Verfasser des Aufsatzes: Streit zwischen Autorität und Kritik (Annalen 1839. 22) so wahr und treffend und dreist ausgesprochen hat. Möge dieses Saatkorn gedeihen und Früchte bringen, die dem verknöcherten Gewohnheitswerk wieder neues Lebensblut einflößen und dem verdorreten Gebein, neuen Lebensgeist einbauchen, baß die Wissenschaft aus ihrer Erstarrung wieder erblühe! (Forts, folgt.) Frankreich. (Schluß.) — Herr Crehange sagt im Avis zu der zweiten Lieferung der Sentineile Juive: „Was die Lettres Tsarphatiques so gehässig macht, sind nicht die Ausfälle gegen unsere Institutionen, gegen die Administratoren, die Rabbinen, die Banquiers, die Advokaten und die Diamanten Händler, sondern dies, daß ohne irgend einen Nutzen für ein Volk, welches sie verspotten, diese würdelosen Schriftsteller ihre Deklamationen vor das Tribunal einer unwissenden und leidenschaftlichen (passionne) Menge bringen, die mit Vorurlheilen gegen die Juden erfüllt ist, und sehr gern in ihren dummen Haß Reformirte und Consrrvative einschließt. Z. B. der Coup d’oeil sagt: tue Tsarvhattker sind abscheulich; diese werben sagen: der Coup d’oeil schielt, die Boshaften werben sagen: sie haben beide Recht." - Allein der Verfasser verfällt in denselben Fehler. Dieser selbst giedt in zwei Briefen Antwort auf den Coup d’oeil, dem er übrigens einiges Lob spendet. Oer wescnillche Inhalt dieser Briefe ist folgender: 1) Von Seiten der Bruderschaften ist keine Opposition zu befürchten, wenn man reformiren will. Wenn behauptet wirb, jeder Israelit habe das Recht Verbesserungen vorzuschlagen und jedes Consiftvrium sie einzufuhren, so ist bas nur halb wahr. Das Recht des Antragens hat jeder, das des Realistrens steht aber nicht jedem Conststorium frei; denn nicht jedes kann die religiösen Reformen gründlich deurtherlen. Angelegenheiten dieser Art eignen sich nicht, wie Gesetze über weltliche Dinge, zur Abstimmnng durch Aufstehen. Ein Reformator muß das Zutrauen besitzen, nicht aber mit einem Fuße in der Synagoge, mit dem andern in der Kirche, oder vielmehr nirgenos stehen. — Auf keinen Fall darf man, wie der Coup d'oeil ju verstehen giebt, die beiden obenerwähnten Punkte einer höchst ernsten Discussion unterwerfen; dieselben stehen fest als Grundbedingungen des Judenthums, zu welchen sich sogar Hr. Cremieux (in einem beigelegten Briefe an den Verfasser der Sentinelle bekennt) und es kann darüber keine Discussion statt finden. 2) Dieser Brief ist nichts weiter als ein gallsüchtiger Ausfall gegen Herrn Terquem, dessen Pseudonamen T sa rphati, ihm Anlaß giebt, elende Wortspiele zu machen. Er greift besonders die Pseudonymität an, und travestirt dessen Gedanken mit der größten Bitterkeit, insbesondere mit Beziehung auf dessen, allerdings seltsame, Opposition gegen Errichtung eines Israelitischen Hospitals in Paris. Bei Gelegenheit äußerte er sich auch über die Lobeserhebungen, womit die öffentlichen Blätter es rühmen, daß die barmherzigen Schwestern zu München, für ihre auch den kranken Israeliten zugewendete Pflege, von den dortigen Israeliten eine goldene Uhr erhalten haben! Und stellt dagegen das schönere Beispiel des wackeren Sal. Heine zu Hamburg auf! Es ist viel Wahres in seinen Worten, aber wir glauben nicht, baß diese Art des Vortrags Ankkang finden werde. Uebrigens erfahren wir hierbei, daß die 69 Artikel des schon erwähnten projet de reorganisation wirklich, wie wir vermukheten, durch die öffentlichen Discusfionen hervorgerufen worden. — Die auf dem letzten Blatte der 8eut. beigelegten Auszüge aus allerlei, dem Verfasser zugegangenen Briefen, sind eine wahre Schmach für die französische Polemik. Es ist unbegreiflich, wozu solche Possen gedruckt werben! — Herzogthum Meiningen, Ende Januar 1840. — Die Besoldung unseres Landradbiners beträgt 500 fl. rhein. Hiervon zahlt der Staat 100 fl. (als Herr Hofmann nur Oberrabbiner zu Walldorf war, bezog er 250 fl. aus Staatsmitteln); die Gemeinde Walldorf (mit circa 100 Familien) giebt ihm als ihrem Ortsradbiner ebenfalls 100 fl., die übrigen 300 fl. sind unter sämmtliche Gemeinden (9 mit ungefähr 1500 Seelen) nach Maßgabe der Grund- und Gewerbsteuer repartirt worden. Accibenzien bezieht der Landrabbiner nicht, solche fallen vielmehr der betreffenden Gemeinbekaffe anheim. — In der Woche nach Ostern 1839 wurde vordem Herzoglichen Conststorium zu Hilbburghausen eineRavbinerprüfung, zu welcher sich ein Candidat gemeldet hatte, abgehalten. Zum Examinator in den eigentlich radbinischen . Gegenständen hatte das Herzogs. Landes-Ministerium Herrn

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