Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 7 (14.2.1840)
- Date
- 1840-02-14
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
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65 die gediegensten und trefflichsten Männer ihre Stimmen erhoben, und, durch Wort und Schrift den Geist der Humanität, der Gerechtigkeit und der Liede gegen ihre israelitischen Mitbürger bei der christlichen Bevölkerung befördert. Waren doch all' die Gründe, welche man ehedem gegen die Mündigsprechung der Bürgerklassen überhaupt geltend gemacht hatte, all' die Vorwände, mit welchen die Ansprüche auf allgemeine Rechts-Gkeichbeit zurückgewiesen worden waren, all' die Vorurthcile, mit denen man die geselllchaftliche Annäherung zwischen den antern Klassen von Slaalsangebörigen bekämpft hatte, auch fammt und sonders gegen die Verbesserung der Lage der israelitischen Unterthanen angemendet worden; so klar, so deutlich, so rücksichtslos, daß zuletzt ave Einsichtsvollen unter den christlichen Mitunterthanen einsehen mußten, es handle sich im Grunde bei der bürgerlichen Zurücksetzung der Juden nur von der speziellen Anwendung eines Prinzips, welches — zum Systeme erhobenden Fortschritt im Ganzen bemmen, die Ansprüche aus angeborncm Menschenrechte sämmtlich wegläugnen, die segensreiche Rechtsgleichheit im Allgemeinen vernichten oder doch wenigstens nicht aufkommcn lassen wolle. Diejenigen aber, die weder aus Trieb des Herzens, noch aus höhern Staatsrücksichten, noch wegen der Konsequenz ihrer Grundsätze die Verbesserung der öffentlichen Verhältnisse der Israeliten wollten, wurden durch die Erfahrung belehrt, daß die Einräumung der bürgerlichen Rechte an die Juden die Nachtheile nicht zur Folge habe, welche die Gegner prophezeiten, und daß bei genauerer Betrachtung in allen gesellschaftlichen und gewerblichen Verhältnissen noch Raum genug für die Zulassung der israelitischen Mitbürger vorhanden ist, wenn man sie nur ernstlich und aufrichtig als solche anerkennen will. Während auf diese Weise die äußern Hindernisse avmählig sich ebneten, erwachte auch unter den Israeliten selbst ein neuer Geist, und das Bedürfniß neue Bahnen einzuschlagen, ehrenhaft in den nunmehr eröffneten Kreis einzutreten, spornte zu bisher unbekannter Thätigkeit an. Bald ward den Besseren und Fortgeschrittenen klar, daß die heiligste Pflicht fordere, nicht bloß auf die eigene bürgerliche Stellung zu sehen, sondern den Zurückgebliebenen und deßhalb Zurückgesetzten unter den Brüdern in Israel hülfreich die Hand zu reichen, damit auch sie den Weg zur bürgerlichen Vervollkommnung erklimmen können. Die kurze Zeit, wo der Jude, wenn er höhere Wissenschaft erstrebt, eine ausgezeichnetere Stellung erlangt hatte, mit dem Glauben der Väter auch der Masse der Glaubensgenossen den. Rücken wendete und es ihnen überließ, sich emporzuarbeiten, so gut oder so schlecht es eben gelinge — diese Zeit ist vorbei. Eine stillschweigend anerkannte Ehrenverpflichtung fesselt jetzt gerade die Besten, Tüchtigsten und Geistvollsten unter den Israeliten, wenigstens so lange auf dem Posten auszuharren, dis auch die letzte Scheidewand gesunken, bis das Menschenrecht anerkannt ist im letzten Bändeljuden, bis alle Unterscheidung zwischen Juden und Christen verbannt ist in das Feld der Dogmatik, und vor den Augen des Staates und der Gesellschaft nicht mehr besteht. Täuschung und Wahn ist der weitverbreitete Glauben, daß die Israeliten im bürgerlichen Leben zusammenhalten: die Erfahrung lehrt, daß sie sich häufig einander selbst am schroffsten entgegentreten. Aber Das wird wahr werden, woran man am wenigsten dachte, was man am wenigsten vermuthete: daß die Begünstigten in der bürgerlichen Stellung, daß die Fortgeschrittenen im Wissen und Erkennen unter den Israeliten, so verschieden auch ihre Ansichten über Kirchthum und Glauben, über Religion und Gott sein mögen, doch treu bei der Fahne bleiben, alle etwaigen subjektiven Ansichten, alle persönlichen Dorurtheile hintansetzen und ihre Bemühungen vereinigen werben, bis dem bürgerlich verwahrlosten, gesetzlich verwaisten Israel die neue menschenwürdige Stellung errungen ist von Außen und von Innen. So ist das Bewußtsein gekommen von der verwaisten Lage der Israeliten, so ist bei Fürsten und Regierungen und bei den Guten und Edeln unter den Christen das Streben erwacht, sie aus diesem Zustande zu reißen, so bei allen Besfern unter den Juden selbst die mahnende Aufforderung, Hand anzulegen im gleichen Sinne, und nicht nachzulassen, bis es durchgesührt. — Nachrichten und Correspondenzen. Bericht eines gelehrten russischen Israeliten aus Lithauen, über den Bildungszuftand der Israeliten in seinem Varerlande rc. (Fortsetzung.) Berühmten Namen unter den Sachkennern erwarb sich der treffliche Astronom aus Lithauen, H. Selig Slominsk (aus Bialistok gebürtig), welcher durch seine Werke n&Dn HDiQ* isw □wn rrrDin sich auszeichnete. Ader mdjt bloß die astronomischen Kenntnisse verbreitete er, sondern auch der theologischen Wissenschaft hat er seine Aufmerksamkeit zugewendet, und namentlich in so weit dieselbe der Astronomie bedarf. Eine genaue Prüfung unsers Kalenders hat ihn nämlich auf Entdeckungen geführt, welche ihn ungemein beunruhigten, indem nach denselben die ganze Kalendereinrichtung auf irrigen Grundlagen beruhe, so daß die Feste und Fasten nicht auf die Tage fallen, auf die sie gesetzlich fallen sollten. Um nun hierüber mehr Licht zu gewinnen, hat er sich an den berühmten Gelehrten, Herrn Reggio in Görz. gewendet, ihm seine Fragen und Zweifel eröffnet, und in Folge dessen mit ihm einen interessanten Briefwechsel unterhalten. welcher demnächst in dem von Herrn Goldenberg herauszugebenden fünften Bande des "l2N ü"0 erscheinen wird. Welcher Nutzen aus der Bekanntmachung solcher wissenschaftlichen Forschungen entspringe, gerade in unsrer Zeit, wo so viele Kräfte von allen Seiten erwachen und zusammenzuwirken geneigt sind, um die Lehre von allem Ansatz und allen Schlacken zu reinigen, damit sie in ihrem alten Glanze erscheine, welchen Nutzen es habe, alles offen und ohne Rückhalt zu verhandeln, ist leicht zu begreifen. Wo sich unrichtige Grundlagen finden, müssen sie weichen, und so manches Luftschloß muß verschwinden vor dem klaren Lichte der Wahrheit! Ja selbst nach außen hin muß es Achtung einflößen, wenn mau wahrnimmt, wie sehr wir aus eigenem Antriebe uns bemühen, angeerdte Irrungen zu erkennen und abzuweisen, und alles aufbieten, um mit der Leuchte der Wissenschaft so manches Dunkel, welches dem Lauf der Jahrhunderte zuzuschreiben ist, zu erhellen, und fern von dem geistlosen Zwang der Gewohnheit, welche uns immer mehr von der fortschreiten- >7** l*C!