Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 7 (14.2.1840)
- Date
- 1840-02-14
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
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Tröstend sagte ich folgendes Wort zu ihnen: „Mit Silber deckte die Zeit mein Gelock fürwahr." Ernste Warnung gegen den Uebermuth und die Prunksucht kleidet unfern Dichter gar wohl, wenn er den Sterbliljchen mahnend anredet: Der in Seide du dich kleidest. Prachtvoll dich hüllest in Leinewand, in feine. Bedenke den Tag doch auch, wo einsam einst Du wohnen wirst unter dem Marmorsteine. Klassisch kann gewiß folgendes Epigramm genannt werden: Einem Weder gleich ist auf dieser Welt der Mensch, Webend immerfort — seine Tage sind die Schnur, Hat nun einmal sie vollendet er. Entschwand dem Leben aller Hoffnung Spur. Loben müssen wir es an unserm Dichter, daß er seine Dichterwürde kannte, daß er sie seinen Feinden stolz entgegensetzte, daß, von der Kraft der Intelligenz durchdrungen, er sie hochpries, und, sie über alle Erdengüttr setzend, verherrlichte. Wir können nicht umhin, zum Schluffe einige Verse, die diesen Geist athmen, herzusetzen: Wenn ich. in Zittern mich hülle vor Feindes Wuth, Und vor seinem Schwerte gar sehr erbange, Flöße Gedankenwuth ich meiner Feder ein. Welche ihn ertödtet wie das Gift der Schlange. Wohnend an einem Ende der Welt, Auch zum andern hin das Wort entgleitet. Im Osten sich des Liedes Duft entfaltet. Im Westen auch sich sein Geruch verbreitet. Mit der Feder vermag des Verstandes Bruder, Was der Held nicht vermochte mit dem Degen, Der Einsicht Regen entfließet ihren Spalten dann. Wenn Thorheit trocken steht und verlegen. Bewahrest Weisheitsschätze du in deines Herzens Kammer, Werden besser als Diamanten einst dir sie dienen; Erfassest das Ziel aller Herrlichkeiten durch sie. Steigest auch gen Himmel auf mit ihnen. (Schluß folgt.) Pragmatischer Blick in die Verhältnisse der deutschen Israeliten unsrer Zeit. (Schluß von Nr. 4.) Getröstet und erhoben durch dieses innere Derhältniß, empfand der Jsraelite auch die Schmach der Verknechtung, die auf ihn gewälzt worden war, nicht so lebhaft. Ein Glück war Das für die Einzelnen, — wie hätten sie das bittere, entwürdigende Verhängniß tragen können, ohne den freundlichen Gottestrost im Herzen? — der bürgerliche Zustand der Israeliten im Ganzen sank aber dabei immer mehr. Eine Masse von Thatkraft, von Außen zurückgestoßen, von Innen irregeführt, nahm zuletzt eine völlig falsche Richtung an, und so lange draußen der Staat einer gewaltigen Umbildung entgegenging, verlor die unglückliche Bevölkerung innerhalb des Ghetto die Kraft, die perspektivischen Räume gesellschaftlicher Verhältnisse mit unbewasstietem Auge zu erkennen und sich danach zu achten, als das Zeitalter der HumLnität die Thvre der Gefängnißstraßen öffnete, und die Fesseln der Religions-Despotie zerbrach. Der ganze Zustand der europäischen Staaten und Völker hatte sich aus dem Feudal-System entwickelt und hervorgearbeitet, aus einem Systeme, welchem die Juden nie angehörten. In Deutschland insbesondere hatten nicht nur die - großen Vasallen des Reiches die Landeshoheit erworben, sondern selbst die unterste Basis des feudalistischen Gebäudes, die Klaffe der Leibeigenen, hatte sich gehoben, war zur freien, güterbesitzenden Bevölkerung geworden, während Zünfte und Korporationen in städtischen Verbänden sich vereinigt upd in direkte Verbindung mit dem neuen Staatsorganismus getreten waren. Dieses unermeßliche Stück aus der weltgeschichtlichen Entwickelung europäischer Kultur hatte die Juden nicht berührt, weil sie nicht innerhalb der feudalistischen Organisation gestanden, weil sie eine exceptionelle Stellung hatten, als „kaiserliche Kammerknechte," mit andern Worten als reichsunmittelbare Leibeigene.- Daraus erklärt sich die sonst als auffallend erscheinende Thatsache, daß das Bewußtsein bürgerlicher Verlassenheit und geistigen Verwaistseins bei den Juden gerade in dem Zeitpunkte erwacht ist, in welchem edle Fürsten und gerechte Gesetzgeber, ihre Lage zu verbessern, ihre Gleichstellung mit den übrigen Bürgern herbeizuführen suchten. Nicht Undankbarkeit der israelitischen Unterthanen war es, welche dieses eigenthümliche Verhältniß herbeiführte, sondern letzteres erfolgte nothwendig aus dem Verlauf der Dinge. Eine streng durchgeführte Autonomie der Korporationen oder Volksklassen ist bedingt durch stete'Absonderung und durch den Mangel an jeder überwiegenden Centralgewalt. Die bürgerliche Lage der Juden konnte aber nicht gebessert werden, so lange die Absonderung bestand, und sie wurde wirklich erst dann gehoben, als die staatsrechtlichen Begriffe von der nothwendigen Einheit und Ueberlegenheit der öffentlichen Macht festere Wurzeln zu schlagen anfingen. (Folgt eine Schilderung der Zustände nach dem Leben.) Edle Monarchen durchschauten diesen Zustand, und ihr Herz gab ihnen das erste, das kräftigste Mittel der Heilung an: sie gewährten ihren jüdischen Unterthanen den gleichen Anspruch auf ihre fürstliche Huld, auf ihre väterliche Sorgfalt, wie die christlichen Bürger ihn längst besaßen. Von den Strahlen fürstlicher Humanität durchdrungen, begannen nun auch weise Regierungen mit Ernst das heilige Werk der bürgerlichen Verbesserung der Juden. Schön stand es ihnen, in der Vorderreihe zu kämpfen gegen Vorurtheil, Selbstsucht und Fanatismus, und herrlich war der Sieg, den sie errungen durch die Kraft des Geistes, durch der Wahrheit Macht, glorreich der Triumph, als später von den Reihen, woher der heftigste Widerstand gekommen, im Namen des besser belehrten Volkes das Anerkenntniß ausgesprochen wurde, die Regierung habe gekämpft für Licht und Recht, und die Erfahrung Die beschämt, welche von der Einräumung der Menschenrechte an Juden Nachtheile für die christlichen Unterthanen verkündigt hatten. Denn unterdessen hatten auch