Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 7 (14.2.1840)
- Date
- 1840-02-14
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Müssen wir den Verf. darum desto mehr bewundern, daß er dennoch ein so zweckmäßiges WB. zu liefern vermochte, so nöthigt uns dies doch andrerseits zu dem Geständnisse, daß dasselbe für unsre Zeit keinesweges mehr genügen würbe. Um so verdienstlicher ist die Arbeit des neuen Herausgebers, Herrn Letteris, welcher bei dieser Edition auch die lexikalischen und exegetischen Werke eines Gesenius, Rosenmüller, de Wette, Hitzig und Anderer zu Rathe zog, und selbige dem Standpunkte der Gegenwart angemessen machte; auch hat er die Leistungen eines Reggio, Luzzato und der Zunzischen Bibelübersetzung, wohl beachtet und benutzt. Dies möge vorläufig genügen, um auf die neue Ausgabe aufmerksam zu machen, welche durch äußere Ausstattung und Correctheit sich sehr empfiehlt. Wir werben, wenn das Ganze erschienen ist, wieder darauf zurückkommen. 2-on (Die Schlacht) ein Gedicht von Jakob E i ch e n b a u m in Odessa. Gedruckt in London, (ohne Jahr und Druckort) am Ende 1839. (Ist nicht im Buchhandel) 27 S. kl. 8. Wir haben ein Exemplar dieses vortrefflichen Gedichtes erhalten und können nicht umhin, dasselbe als eine vorzüglich meisterhafte Kunstarbeit zu rühmen. Wir sagen Kunstarbeit, denn neuere hebräische Poesie erscheint uns überall nur als Produkt einer geistreichen Benutzung der hebräischen Sprache zur Darstellung schöner Gedanken, nicht als Erguß der wahren poetischen Empfindung, zu welcher nur die Muttersprache sich eignet, die ihre Bildungsfähigkeit noch lebendig in sich trägt. Aber dennoch wird heut zu Tage in der hebräischer Sprache so viel wahrhaft poetisches Talent entwickelt, daß wir über die ungemeine Gewandtheit in Benutzung einer so alten, und im Ausdruck so beschränkten Sprache oft erstaunen müssen. Der Inhalt des vorliegenden Gedichtes kann diese Bewunderung nur erhöhen. Der Verfasser (uns auch als tüchtiger Mathematiker bekannt) besingt hier das Schachspiel. Er läßt eine Gesellschaft zusammen kommen, aus welcher zwei sich zum Schachspiel setzen, während die Andern zusehen. Jene verständigen sich ausführlich über alle Spielregeln, und beginnen dann ein Spiel, welches hier nach allen seinen Zügen bis zum Ende dargestellt wird. Wir erinnern uns nicht, je ein hebräisches Gedicht gelesen zu haben, in welchem der Ausdruck so durchweg leicht, rein biblisch, klar und anschaulich und dabei so lebendig und anziehend gehalten wäre. Jeder, welcher Hebräisch versteht und des Schachspiels kundig ist, darf sich einen reichen Genuß davon versprechen. Moses ben Esra aus Granada. Darstellung seines Lebens und literarischen Wirkens, nebst hebräischen Beilagen und deutschen Uebersetzungen, von Leopold Dukes. Altona (s. a.) (Fortsetzung von Nr. 3.) Wir kommen jetzt zu den weltlichen Gedichten. Es ist sehr zu bedauern, daß aus den Proben des Divans nur drei kleine Gedichte übersetzt sind. Wir setzen das zarte Lied: Lob der Rose hierher: In buute Gewänder kleidet der Garten sich. Der Gräser bunte Hülle ihn umwinden, Schmuckgewänder tragen alle Bäume auch; AVer Augen seine Wunder sich verkünden. Neue Blüthen zur neuen Zeit, Seiner Ankunft entgegen lächelnd ein sich finden. Doch allen geht als Königin die Rose vor. Hoch über alle kann ihren Thron sie gründen, , Aus der Blätter Gewahrsam sie entschlüpfet. Sich verändernd, ihre Gefängnißkleider schwinden. Wer dabei seinen Wein nicht trinket. Hat schwer zu tragen seine Sünden. Aus dem Tarschisch ist ein reicheres Füllhorn ausgeschüttet der verschiedenartigsten Blüthen, von denen einige dem bescheidenen Veilchen gleichen, andere eine üppigere Pracht verbreiten; einige sogar einen scharfen, doch nicht hart verletzenden Stachel entgegen strecken. Sinnige Aussprüche praktischer Lebensweisheit charakterisiren die meisten Poesien des Orientes, und so auch diese. Wie schön huldigt der Dichter dem höhern Verstände und der Weisheit, wenn er in seiner Anrede an einen Fürsten sagt: Hat Vernunftstreit einmal je begonnen. Muß den ersten Platz er auch erlangen. Wie der Dächer Gras sind jene nur. Kann wie Zedern er in ihrer Mitte prangen. Wie Honigwaben sind seine Worte süß. Die ihrigen wie das Gift der Schlangen. Auch anakreontische Lieder finden sich, heitre Aufforderungen zur Lebensfreude. Wie südlich, wie orientalisch, wie glühend spricht sie sich aus, wenn der Dichter seinem Freunde zuruft: Auf! Verlasse der Häuser Schalten, In des Gebüsches Kühle dich zu setzen. Der Freundschaft Wein, aus der Liebe Pokal, Wir trinken, mit süß Geplauder uns auch ergötzen. Trinke, Freund! der Winter ist vorüber. Des Alters Mantel hat die Zeit nun ausgezogen. Im Thau erglänzt der Sonnenstrahl, Jugenbblüthen über Berg und Thal aufwogen. Man wird nun ohne Zweifel auch begierig sein, unfern Dichter als Liebenden kennen zu lernen. Wie schön schildert er die Schmerzen der Trennung, unter nächtlichem Himmel verweilend, indem er wehmüthig ausruft: Was kümmerten in geselligen Nächten die Sterne mich? Wie der Vogel sind an des Himmels Raum sie hingeflogen. In der Trennungsnacht glichen dem Lahmen sie. Ohne fortzuschreiten, sind müde sie nur herangezogen; Ach! ohne Sie verfinstern mir nur die Tage sich. In ihrer Gesellschaft erglänzt die Nacht in Lichteswogen. Sprach am Trennungstag zur Gazelle, wie nun Ie&en,\ Wenn deine Gestalt ferner nicht ich soll schauen? Erwiederte: außer meinem Gesicht ist kern Heil für dich. Mußt auch hoffnungsvoll daher nur vertrauen. Des Dichters Klagen über die nicht gern gesehenen Tage, über das hereinbrechende Alter, sind so wehmüthig, daß wir fast über ihn lächeln müssen: Der Rade, der im jugendlichen Haar einst nistete. Ist wie Schatten entflohen, wie Vogel schnell ungeheuer; Fluche mein Lebelang seiner Flucht ich nur. Daß seine Stelle eingenommen hat der Geier. Doch zuweilen scherzt er über sich selbst und seinen Gram: Als die Hausgenossen sich beeilten. Die weißen Haare aus dem Haupte mir zu lesen. Sagt ich: o daß von Sünde und Schuld Ihr mich auch könntet erlösen! Verzichtet hat mein Herz, über Gazellen Fernerhin noch zu triumphiren. Für jede Krankheit giebt's Mittel wohl, Alter allein ist nicht zu curiren. Besonders sarkastisch äußert sich sein süß-saurer Gram: Staunend umgaben die Schönen mich nun. Genau betrachtend mein verwandeltes Haar,