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Israelitische Annalen · 1840-02-07 · Heft 6 (7.2.1840) · p. Seite 55

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 6 (7.2.1840)
Date
1840-02-07
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 durch Züchtigung die Schüler in Gehorsam. In jedem Zimmer hangt eine Peitsche, ein Bastinado-Jnstrument und Fußstocks. Gerade als die Missionäre in ein Zimmer traten, sollte ein Knabe von etwa v Jahren die Bastonade erhalten, ward jedoch zu den Stocks begnadigt. In Saloniki sind 50,000 Juden ganz unter sich; in Constäiitinopel über 80,000, von denen in Ortakoi 5000, in Skutari 3000. Es wohnen hier etwa 1000 deutsche Juden. Einige Schulen sind da, gleich denen zu Smyrna. Von den Karaiten wird berichtet, daß ihrer 300 in Constantinopel wohnen, welche unter andern den Pentateuch mit Jntrelinear-Uebersetzung in türkischer Sprache mit hebräischen Lettern benutzen, welche Uebersetzung der Chacham selbst verfaßt hat. Sie haben an den Hauslhüren die Mesusa, aber keine Thephillin. — Sonst nichts, was nicht schon bekannt wäre. Fernern Berichten vom September v. I. zufolge, sollen in der Moldau 100,000 Juden wohne», in Ungarn gar nach einigen 3, nach andern 500,000. — In Galaz sind nach Angabe des englischen Dice-Consu!s 2009 Seelen, alle in polnischer Tracht, lauter Handwerker oder Geldwechsler; in Jdrail, 30 Familien. In Bucharest sollen 2800 sein; die Juden selbst geben ihre Zahl auf 5000 an. Sie haben 7 Synagogen, alle polnisch, bis auf eine spanischen Ritus. — Alle polnischen Juden hier sind Handwerker, besonders Schneider, Schuster, Zimmerleute. ' Wer nickt ein Certificat dringt, daß er ein Gewerbe betreibt, wirb nicht zugelassen. Die Spanischen haben ein besseres Ansehen von Wohlhabenheit als die übrigen. In Forany sind 300 mit 2 Synagogen; in Birlet 500. In Jassy besteht die halbe Bevölkerung aus Juden, gegen 20,000, mit 30 großen und 150 kleinen Synagogen. In einer Straße sind deren 20. (Die Missionäre besuchten 12 derselben am Versöhnungstage, da alles überfüllt war.) — Die Schule bot den Besuchern ein trauriges Bild der Unwissenheit dar. 'Der Lehrer sagte ihnen, es gäbe nur zwei in der Stabt, und zwar Epikuräer (Ketzer), welche das Hebräische nach der Grammatik studirten. 'Man besuchte diese, und hörte nur laute Klagen über den herrschenden Stumpfsinn. Beide sind Sprachlehrer und wirken heimlich zum Umsturz des Thalmubs. — In Botoschani sind 4000, (?) alle wie es scheint im Wohlstände. Im Gränzdorf Sutschava sind 200 Juden-Familien. Die Reise durch's Gallizische enthält noch einige Notizen. Fast ave Zolleinnehmer sind Juden. — In Seret (in der Bukowina) wohnen 300 Familien. In Czernowitzwohnen viele. Die Zahl ist nicht angegeben; eben so im Dorfe Zalkski. — In Jaglinski sind 3 Synagogen. In Tarnopol, wo 2000 Familien wohnen, verweilten die Reisenden 3 Tage. Ein Privatmann, der Stifter der neuen Synagoge,*) starb gerade damals (Joseph Perl!). *) Wir geben bei dieser Gelegenheit einen Auszug aus einem Briefe von dort, welcher noch einige interessante Nachträge zur Charakteristik eines Mannes' enthält, der, wie jeder über seine Zeit sich erhebende Mann, auch seine Widersacher hatte, daher manches was über ihn berichtet worben, hier aus ganz zuverlässiger Quelle in einem andern Lichte erscheint. „Der Tag des Begräbnisses dieses in seiner Art merkwürdigen Mannes war ein Trauertag für alle hiesigen Einwohner; denn der verstorbene war ihrer Aller persönlicher Woblthäter gewesen. Die Menge der Begleiter war beispiellos; selbst in Lemberg hat man nie eine so zahlreiche Jubenschaft beisammen gesehen. Ader nicht bloß diese folgte, sondern das ganze Bezirksverwaltungspersonaje, Die christlichen Ausschußmänner, alle hiesigen Bürger, das ganze Kreisamt und das Magistratspersonale, die Kreisboten in ihren Uniformen. Viele von diesen beweinen mit uns den Dahingeschiedenen, dessen Verdienste in der ganzen österreichischen Monarchie anerkannt sind. Er hat die Volksbildung auf alle Weise gefördert, und es muß dies desto mehr bewundert werden, weil er selbst sich nur spät heraus- Die zahlreichen Anhänger derselben entsagen (?) dem Thalmud; worüber die Missionäre sehr verwundert waren. Sie fanden hier mehrere, die Latein sprachen. (Warum wandten sie sich nicht an Rapaport?) — In der alten Synagoge sahen sie das Fest der Gesetzfreude feiern, wobei 36 Rollen in einer Synagoge zur Procession benutzt wurden. — Dort wirb das wunberthätige Grab einer vor 200 Jahren verstorbenen Jüdin gezeigt. (?) — In Brody, wo bei 10,000 Christen, 30,000 Juden wohnen (ist weit übertrieben und fast auf die Hälfte zu setzen), sind 3 Kirchen und 150 (?) Synagogen. Hier ist der Markt Jüdisch, die Postzeichen und Zettel werben auch hebräisch gegeben. Die im halb gothischen Styl erbaute Synagoge kann 3000 Personen fassen, sie ruht auf 4 Pfeilern. -Uebrigens ist nichts orientalisches zu sehen; der Ort ist ein europäischer Handelsplatz. Hebräisch wird stark getrieben. Die neue Schule macht inbeß große Fortschritte. In Lemberg wohnen noch mehr als in Brody, doch ist deren Zustand höchst traurig. In Can cow sollen 22,000 und auf dem Gebiet noch 10,000 (viel zu hoch angegeben), wohnen; sie nehmen ein besonderes Viertel ein. Keiner darf anderswo in der Stabt übernachten. Die Berichterstatter erzählen, daß überall sich bei ihnen Juden einfanden, um ihre Neugier in Betreff Palästina's zu befriedigen, auch wohl über Christenthum sich mit ihnen unterhielten. Sie beschreiben gleichzeitig die kirchlichen Gebräuche der Juden, welchen sie zufällig beiwohnten. Alles bekannte Dinge, die wir hier nicht mitzutheilen brauchen. Die Deputation glaubt, es sei in den türkischen Ländern eine Mission mit Erfolg zu etabliren; in den österreichischen Landern wird dergleichen nicht gestattet. — Die numerischen Angaben sind noch sehr unzuverlässig. Literatur. *6,9 ">DD (Eine Sammlung alter bisher ungedruckter hebräischer Schriften.) 80 Seiten, gr. 8. Hebräischer Text; und deutscher Theil: Biographie Josef Salomon del Medigo's; dessen Brief an Serach ben Nathan, enthält einen kurzen Leitfaden der hebräisch-jüdischen Literaturgebildet hatte. So sehr er gegen den Chasibismus eiferte, so erkennen die Bessern der Sekte doch seinen Werth an. Er hat das hiesige Rabbinat, welches ihm nur von Seiten einiger Gemeindeglieder angetragen ward, adgelehnt, in die Besetzung desselben sich aber nicht gemengt, bevor die neue Wahl bestimmt war. Er arbeitete als Privatmann praktisch und als Schriftsteller mit großem Erfolge. Freilich hat er in seinem letzten Werke einige Zustände einer benachbarten Stabt etwas empfindlich berührt, jedoch hat ihm dies seine Verehrer nicht entzogen, wie mancher wohl glauben möchte. Sein Tod ward selbst von seinen Gegnern betrauert. Auch was man über vorgefallenen oder beabsichtigten Unfug und neue Besorgnisse verbreitet hat, sind Uebertreibungen, gleich der hebräischen Hyperbel, daß man mit blanken Waffen beim Leichenzuge Ordnung halten mußte. Ich erachte es für wichtig, dies zu bemerken, weil jede solche Uebertreibung außerhalb Glauben findet und hier wiederum zu Mißverständnissen Anlaß giebt. Auch seiner höchst achtbaren, sehr gebildeten Familie, muß daran liegen, daß seinem Andenken kein ungerechter Tadel angeheftet werde. — Er war im Sommer 1838 in kränklichem Zustande nach Lemberg gereist, blieb dort den Winter, kam im Frühjahr 1830 hierher zurück, und starb 6 Monate darauf, 65 Jahr alt. Dem hiesigen Spital hat er circa 4000 fl. C. M. und seine sehr kostbare Bibliothek, in welcher der Jüdische Theil manches Seltene enthält, der hiesigen,Schule vermacht." —

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