Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 6 (7.2.1840)
- Date
- 1840-02-07
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 geschichte, nach dem hier zum ersten Male herausgegebenen Originale übersetzt und durch Anmerkungen erweitert, nebst einzelnen Anmerkungen zu andern hebräischen hier zum ersten Male gedruckten Schriften, von vr. Abraham Geiger, zweitem Rabbiner zu Breslau. 104 S. 8. nebst LVI. S. Vorrede und Einleitung. Herausgegeben von W. Wiltzig. (Dabei del Medigo's lithographirtes Bildmß.) Berlin 1840. Zu haben beim Herausgeber. Das vorliegende Werk-entstand durch den Wunsch des Herausgebers, Herrn Wiltzig, welcher Herrn vr. Geiger während dessen Anwesenheit in Berlin um eine literarische Arbeit. anging. Am 15. September 1839 ward erst Der Plan dazu reif, und am 16. December war es bereits fertig. Diese Eile der Ausarbeitung, geboten durch die inzwischen eingetretene Entscheidung, die den Verfasser endlich nach BreSlau abrief, — fordert, wie im Vorwort bemerkt wird, und wir fügen hinzu, auch der edle Zweck, die Kritik auf, nicht allzustreng zu richten. Bei geringerer Eilfertigkeit hätte ohne Zweifel selbst der Titel eine deullilichere Fassung erhalten. Wir empfangen hier einen recht interessanten, und in mcwchen Beziehungen lehrreichen Beitrag zur Mittlern Literaturgeschichte, deren Ergrün düng ganz besonders unsrer Zeit Vorbehalten war. — Die Einleitung entwirft ein Bild von der ftühern Entwickelung des Iudenthums, von dessen Beschaffenheit auf der Insel Kandia und vom del Medigo selbst. Der erstere Punkt giebt eine kurze Ansicht von der Einwirkung der Philosophie auf die Bearbeitung des Gesetzes und der Eregese, von den daraus entstandenen Kämpfen und von der aus. diesem Proceß hervorgegangenen Neigung zur Mystik, welche allmählich eine ausgedehnte Gewalt erlangte. Auf der Znsel Kandia bildete sich im 15ten Jahrhunderte meist unter deutschen Eingewanderten eine eigene, der Mystik widerstrebende philosophische Schule, zu welcher Joseph Salomo del Medigo denn auch gehörte, deren Culminationspunkt er bildet. Er war 1591 geboren; sein Todesjahr »st ums Jahr 1657 zu setzen. Dessen Stammtafel ist hier beigegeben (XXVil.) Die ausführliche Lebensgeschichte und die Schilderung der Reisen dieses merkwürdigen Mannes sind eine reiche Fundgrube für die Literatur der damaligen Zeit. Seine philosophische Ansicht wird hier anschaulich charakterisirt, und seine Schriften näher nachgewiesen. — Hierauf folgt S. 1—40 der berühmte Brief des d. M. an den Karaiten Serach b. Nathan zu Troki (Torok bei Wilna); die Uebersetzung ist im Colorit des Originals, aber durchaus frei gehalten, indem jenes in der That ganz und gar nicht wörtlich übersetzt werden kann. Alle wichtigen Anspielungen sind aber beibehalten und in den Anmerkungen* *) erläutert. Die übrigen Anmerkungen gehören zu den anderweitigen hebräischen Schriften gegenwärtiger Sammlung. Diese enthält: 1) Das erwähnte Schreiben; 2) Vorrede zu Tachkemoni, einem Commentare zum Buche Jezirah vom Arzte Schabtai *) WLchätten hier mancherlei hinzuzufügen, behalten uns dies^aber auf eine besondere Erörterung vor. Sehr überflüssig finden wir die gelehrte Bemerkung S. , 98, zu Annalen v. I. 1839 S. 317, (nicht 217!) daß die Aere Alzafar nicht die Hedgra sei, was jeder * weiß, der nur Anfänger in der Chronologie ist, weßhalb wir den Correcturfehler—(die Stelle lautete nämlich: „der Jsmaeliten (Hedgra)" wie das Originalmanuscript noch einzusehen. Wir hatten Jsmaeliten gestrichen, und der Corrector ließ Hedgra in Klammern stehen) — nicht berichtigten. Was hätte man zu thun, wollte man die Correctur- und Druckfehler aus Zeitschriften in krittschen Werken anS Licht ziehen! I. H. b. Abraham Dandolo (Saeo. X); 3) Brief Raschi's an. die Rabbinen von Aurerre; 4) eine Hymne von R. Juda hallevi; 5) eine von Nachmenides; 6) der berühmte Brief des Periphot Duran; 7) ein Scherzgedicht auf die Rheinländer; 8) fünf Rechtsantworten des Maimonides, arabisch und hebräisch. Selbst was von diesen Stücken bereits zun^ Theil gedruckt war, ist hier berichtigt und alles durch Anmerkungen erläutert. Wir werden, wie gesagt, noch einmal auf Einzelheiten dieser sehr interessanten Sammlung zurückkommen, und begnügen uns hier damit, sie vorläufig zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Der Name deS Verfassers ist ihre erste Empfehlung. Ihr Gehalt aber macht sie jedem Freunde dieser Literargeschichte unentbehrlich. I. □mjnn rfrK Gedichte des Arztes Ephraim Luzzato in Padua, welche er in seiner frühen Jugend verfaßt und herausgegeben hat. Zum zweiten Male herausgegeben von M. Letteris. Wien 1839 bei Franz Edler von Schmid. 80 S. kl. 8. Der Name des Arztes Ephraim Luzzato, geboren aus S. Daniele, einem Flecken in Friaul, ist in Padua und der Umgegend allgemein berühmt. Im Jahre 1768 gab er als. junger Mann in London, wo er sich einige Zeit aufhielt, die gegenwärtige Gedichtsammlung in Druck, ließ aber davon nur einhundert Eremplare abziehen, so daß sie eigentlich nur als Handschrift zu betrachten sind. Daher haben selbst die Herausgeber des es der Mühe werth erachtet, einige Stücke aus dieser'schon damals nur höchst selten noch Vorgefundenen Sammlung, in ihre Zeitschrift einzurücken. Herr Letteris, welcher sich schon durch Herausgabe mancher Seltenheiten hohe Verdienste um die hebräische Literatur erworben hat, (z. B. ny von dem berühmten M. Ch. Luzzato, 1837) findet es daher mit Recht geeignet, diese ihm von dem nicht minder geistreichen Dichter Joseph Almanzi milgelheilte Sammlung abermals durch den Druck zu veröffentlichen, insbesondere auf Correctheit achtend, zumal da ein in Smyrna (?) gedrucktes Werk 'Tip einen Theil derselben Gedichte, aber so sehr incorrect und entstellt barbietet, daß dieselben allen Werth verloren haben. — Die Sammlung enthält 55 Gedichte, allerlei lyrische Ergüsse im italienischen Geschmacke und sogar im italienischen Versmaße, größtentheils in Form von Sonetten. In mehreren derselben fanden wir auch Ideen ftüherer vaterländischer Dichter wieder, obwohl der größte Theil aus Gelegenheitsgedichten besteht. Der Sänger bedient sich übrigens stets der reinsten hebräischen Sprache, und reimt in derselben mit erstaunlicher Leichtigkeit In den mehr weltlichen Stücken — denn manche sind liturgisch ernsten Charakters — macht der Verfasser auch von mythologischen Personen Gebrauch, was allerdings im Hebräischen sich seltsam ausnimmt, wo biblisch nur die asiatischen Götzen mit Namen Vorkommen. — Sehr lieblich fanden wir Nro. 11 dieMebertragung von Metastasio’s La Primavera. Ziemlich gelungen eine in hebräischer und italienischer Sprache gleich lautende Grab sch rifj, dergleichen man schon aus früherer Zeit mehrere vorfindct; eine Spielerei, welche doch große Sprachkenntniß voraussetzt. Die letzten zwei Stücke besingen seinen Geburtsort und Padua. — Das Ganze ist ein hübsch gewundener Strauß künstlicher Blumen. (Zu berichtigen.) S. 31 st. 5575 ist zn lesen 1575. Die Verhandlung über den Eid More Judaico und des Herrn Cremieur Vortrag, folgt in Nr. 7. Druck und Verlag von Johann David Sauerla'nder in Frankfurt am Main.