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Israelitische Annalen · 1840-02-07 · Heft 6 (7.2.1840) · p. Seite 54

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 6 (7.2.1840)
Date
1840-02-07
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Es heißt, daß die Brodyer Gemeinde sich aufs Angelegentlichste dahin verwenden wird, um möglicherweise eine Aenderung zu erlangen. Die Annalen interessirt der Mas nur in seiner allgemeinen Bedeutung, als Commentar zu dortigen Rechtszustanden. Lemberg, 17. Januar 1840. — Aller Wahrscheinlichkeit nach wird unser erledigtes Rabbinat dem Herrn R. Hansel Stryer, einem thalmudisch und auch anderweitig gebildeten Mann, welcher sich einer bedeutenden Protection und Verwendung erfreut, und demnach auf eine starke Majorität rechnen darf, zu Theile werden. Wir können mit dieser Wahl zufrieden sein, wenn dieser wohlunterrichtete Mann die Anforderungen der Gegenwart zu würdigen und derselben pflichtmäßig zu entsprechen nicht verfehlt.-Ein anderes Schreiben drückt Besorgnisse aus, daß von der beabsichtigten Wahl eher ein zelousches Widerstreben gegen jede noch so dringende Verbesserung zu erwarten sei, und meint, baß diejenigen, welche so manchen traurigen Mißbrauch abgestevt zu sehen wünschen, bei dieser Gelegenheit nicht bloß die Persönlichkeit zu beachten haben, sondern auch die Befugnisse des Rabbinats. damit durch wohlgeordnete Beschränkung der Gewalt dieses Amtes, für gesetzlich zulässige Verbesserungen gesorgt werben könne, ohne daß dieselben stets vom Willen eines Einzelnen abhängig bleiben. Ohne Zweifel wird wohl von oben herab eine Verfügung darüber alle Schwierigkeiten Hinwegräumen. Frankreich. (Fortsetzung.) „Unsere Gesetze haben vor 50 Jahren die in Frankreich wohnenden Israeliten zu französischen Bürgern gemacht; dies gehört zu den guten Werken jener Zeit. Allein leider konnte der Gesetzgeber nur Rechte geben, es stand nicht in seiner Gewalt, die Sitten zu bilden. Nach einem halben Jahrhundert sind die Sitten beider in einander verschmolzenenen Nationen noch lange nicht gleich. In Folge eines langen traurigen Zustandes sind die Israeliten, wenn sie auch als Bürger erscheinen, doch eine excentrische Volksmasse in Frankreich." (!) Hierauf folgen einige uuwesentliche Erörterungen, worauf der Verf. fortfährt aus Herrn Cahens Antwort diejenigen Punkte zu resumiren, in denen er selbst die Nothwendigkeit mancher Arbeiten einräumt, als: die Einführung zeitgemäßer Formen des Gottesdienstes, genauere Rechenschaft von den Leistungen der Metzer Radbinenschule, angemessenere Ordnung der Bruderschaften, Abschaffung der Versteigerung der Funktionen in der Synagoge, verschiedener Gebete von geringer Autorität, so wie betreffend mehrere Mißgriffe der Consistorien. „Ohne viel Suchens könnte ich in Ihrer Schrift noch andere Beweise Ihrer philosophischen oder besser tsarphatischen Richtung finden, aber das sind schon genug Berührungspunkte mit der elenden und verdammlichen Corr. israelite. Ich fürchte fast, Ihr richtiges Urtheil werde Sie jetzt von Seiten der orthodoxen Glaubensgenossen manchen Verwünschungen bloß stellen, welche Sahen und Tsarphati mit einem gleichen Anathem belegen und jenen wie diesen unbarmherzig Rakka nennen werden! Aber glücklicher als jener, wird Ihnen ein Theil Ihres Briefes als Schild dienen, welcher von der Art ist, daß ihn sowohl die obskuren Betbrüder unserer Arsenalstraße (zu Metz) als der strahlende Mittelpunkt; des Consistonums in der Hauptstadt mit Enthusiasmus em-!! pfangen." (Welch ein Ton!) j „Was die Form anbelangt, woran Sie so sehr Anstoß nehmen, so sind Ironie, Spott, sagar Sarcasm, in der Po-! lemik gute Waffen. Sie sind anerkannt, zugelassen, gelten als gut und gesetzmäßig. Man hat sich ihrer zu allen Zeiten bedient, und wirb sich ihrer stets bedienen, weil es eine ewige Regel ist, daß man über dasjenige spottet, was nur des Spottes (?) werth ist, und weil bei Bekämpfung und beabsichtigter Zerstörung dessen, was man für schlecht hält, es thoricht und gegen die Menschheit gefehlt wäre, nicht alle Mittel anzuwenden. Einer minirt indem er schwatzt, einer indem er lacht, immer ist es miniren; jeder hilft Nacharbeiten nach Maßgabe seines Geistes und des Theils, den er angreist. Es ist wenig daran gelegen, ob der Feind dmch das grobe Geschütz der Syllogismen, oder durch das Geprassel des Spaßes fällt, wenn er nur unterliegt!"- „Nun wir haben nur über unverständige Menschen gespaßt; war das nicht gescheidter, als in Zorn zu gerathen?— Urtheilen Sie selbst!"-— So viel will uns doch bedünken, daß der wichtige Gegenstand des Streites nicht gerade jede Form des Vortrages zuläßt; daß in religiösen Fragen, wenn auch französische Autoritäten herbcigezogen werden, ein gewisser Ernst durchaus nvlhwendig ist, wenn es auf Ermittelung der Wahrheit afikommt, und daß der Spott bei Streitfragen dieser Art gar nicht zum Zweck führt. Wenn französische Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts als Beispiel vorgebracht werden, so darf man nicht vergessen, daß sie vorzugsweise den Mißbrauch äußerer Gewalt bekämpften, und daß ihre Spöttereien über Glaubenssachen in der That als solche nicht in Achtung stehen und wenn wir richtig sehen, auch nicht gerade heilsam gewirkt haben. — Aber nicht bloß die radikale Partei, sondern auch die gemäßigte, findet Anlaß zur Erwiederung. Sie wird wieder repräsentirt durch Herrn A. Crehange, — beiläufig gesagt derselbe, welcher dein im Aufstand vom 12. Mai 1H39 gefallenen Jonas die bekannte Standrede hielt — welcher von neuem eine seutinelle Juive 2de livraison als Reponse au Coup d’dlh de M. S. Cahen herausgegkben hat. Leider folgt auch er dem Beispiele seiner Gegner, gefällt sich in traurigen Wort- und Witzspielen, und stattet manche gute Idee mit diesem entstellendem Flitter aus, so daß ein deutscher Leser nur mit Achselzucken diesem durchaus unwürdig geführten Kampfe zusieht. (Schluß folgt.) Missionsberichte. — (Schluß.) Jetzt zählt man in Safet 1900, aber sonst gewöhnlich 7000 (?). Es sind 4 Synagogen und mehrere Stubirhäuser da. — Unter ihnen fand sich auch ein Proselyt aus Rußland, welcher vor einigen Jahren zum Judenthum über gegangen ist. — Am Abhange liegt ein Dorf, Merona, und der Friedhof, wo die Gräber vieler heiligen Rabbinen; im Dorfe steht eine ähnliche Ruine einer alten Synagoge, wie die oben erwähnte. Eine Stunde weiter über einen von Myrthen umdusteten Pfad kam man nach Jermach, einem offenen Dörfchen (sonst sind überall Mauern herum), wo 10 dis 12 jüdische Familien wohnen. Drei Stunden davon liegt Beriah, ein Dorf, wo 20 Familien wohnen, die nur Ackerbau treiben. — Dann gings nach Tabarias, wo die einst herrliche Gegend ganz verödet ist. Die Stadt ist ebenfalls noch theilweise zertrümmert. Die Juden leben in traurigem Zustande; doch sind sie die besser aussehende Bevölkerung; ihre 5 Synagogen und ihre Studirbäuser (deren es früher 30 gab, jetzt meist in Trümmern) sind sauber, kühl und gut gehalten. Auch hier lebte man in steter Angst vor Ueberfall. Gottesdienst und Lebensweise wie zu Safet. — Abends am ruhigen See sitzend, hörte man das Geheul der Wölfe und. Schackale, und das Gebrüll der Löwen vom Gebirge her. — In Akre ist nur eine ganz kleine Synagoge. Während der Anwesenheit der Missionäre in dieser Gegend (bis Ende Juli) kamen viele Jüdische Flüchtlinge aus Safet nach Tyrus. Von der Rückreise ist zunächst zu bemerken, daß Mitreisende Juden wissen wollten, auf Skios sei das Grab des berühmten Verfassers der Turim (?). — In Smyrna sollen mindestens 9000 Juden sein; sie haben eine sehr große und 10 - 12 kleine Synagogen, alle gut eingerichtet und mit einem kühlen Porticus vorn, mit Weinstöcken und Feigenbäumen umgeben, worunter im Sommer die Betenden oft sitzen. Es giebt dort viele Anti-Thalmudisten; aber die Rabbinen haben große Macht. — Während in Palästina die jüdische Jugend in den Synagogen unterrichtet wirb, was auch in Constantinopel oft geschieht, hat man hier ern großes Schulgebäude mit zehn Zimmern, zu etwa je 40 Schülern, die unter einem Lehrer stehen. Es ist aber in Verfall, unordentlich gehalten, es fehlt an Büchern und die Lehrer sind unwissend und halten nur

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