Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 6 (7.2.1840)
- Date
- 1840-02-07
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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geleistet, wie dies besonders aus folgender Stelle eines zur öffentlichen Kunde gekommenen Schreibens des damaligen Schulrathes und Gymnasiumsbirektors, jetzigen Superintendenten, Herrn Kampffer, hervorgeht (d. d. 5. Juni 183V); „So wie diese Anstalt (beißt es) ihr Dasein einer ehrenwerthen Anstrengung der jüdischen Gemeinde verdankt, so leistet sie auch in der Tbat über Erwartung Tüchtiges, und überrascht besonders dadurch, daß sie mannigfaltiger Hindernisse ungeachtet, großentheils schon das Ziel, welches sie sich gesetzt hat, erreicht. Sie will nämlich ihre Schüler theils in den für eigentliche Gewerbe überhaupt erforderlichen Kenntnissen unterrichten, theils sie vorbereiten, um in eine gewisse Klasse eines wohl eingerichteten Gymnasiums eintreten zu können. Daß sie letzteres leiste, liegt (durch mehrfache Beispiele) auf der Hand .... Diese Tbatsache spricht mehr für die Güte der Anstalt und ihrer Leistungen, als öffentliche Prüfungen und Programme. . ." Später jedoch und besonders, seit der jetzige Oberlehrer, Herr i)r. B. Ginsberg*) die Anstalt leitet, kam man von dem Gedanken ab, die Schule gleichsam als Progymnasium zu betrachten, da nur sehr wenige Schüler zum Studium übergingen, auch der Thalmudunterricht pausirle, und die Schule ward, was sie noch ist, eine höhere Bürgerschule. „Es stellt sich dieselbe (heißt es im Osterprogramme vom Jahr 1838 von Herrn vr. Einsberg) zunächst als Gemeindeschule dar und cs kann nur dem Zwecke einer solchen Anstalt gemäß sein, daß sie auf die jedesmalige Generation in Masse wirke, und daß sich ihre Tbatigkeit in möglichst gleichmäßiger Weise auf Alle und Jeden erstrecke. Die besonderen Bildungszwecke ober die hervorragenden Fähigkeiten Einzelner, mögen allerdings beachtet und mit Uneigennützigkeit auf Privatwegen von den Lehrern begünstigt und gefördert werden; ober es gehört dies nicht in den Plan einer Anstalt, die ihren Mitteln nach eine bescheidene Bürgerschule, vor Allem darnach zu trachten hat, daß sie ihre Zöglinge zu sittlich guten Menschen und zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft heranbilde. — Was den Unterricht selbst betrifft, so wird derselbe, dem bezeichneten Standpunkte der Schule gemäß, nicht als eine Einleitung zu einer höheren Bildung, sondern als eine Vorbereitung zum praktischen Leben betrachtet, und es wird demnach hauptsächlich darauf gesehen, daß er so viel als möglich eine encyclopäbische Abrundung erhalte und ein in sich geschlossenes Ganzes bilde" — Und diesen Anforderungen entspricht die Schule auf das Volkommenste. Es ist wahrhaft erfreuliH, zu sehen, wie Kinder von noch nicht vollen 7 Jahren (mit dem 5. Jahre beginnt hier zu Lande die Schulpflichtigkeit und endet mit zurückgelegtem 14. Jahre), nicht nur richtig und gut lesen, schreiben und ziemlich fertig rechnen, sondern hauptsächlich durch zweckmäßigen Unterricht auch zum logischen Denken angeleitet werden, so daß die richtigen und oft schwierig zu entwickelnden Definitionen, die solche Kinder zu geben vermögen, wahrhaft überraschend erscheinen. Die Schule besteht aus 3 Knaben- und 2 Mädchenklassen, unter 3 Lehrern und 2 Lehrerinnen. Der durchaus pädagogische Gang des Unterrichts macht es den Lehrern leicht, sich auf eine erfreuliche Weise gegenseitig in die Hand zu arbeiten. Die Unlerrichtsgegenftände sind: Religion, Hebräisch (hauptsächlich Bibelkunde in der Ursprache), Lateinisch (nur an einige Schüler, mehr privatim, jedoch unentgeltlich). Französisch, Englisch, Deutsch, Geschichte, Geographie, Rechnen und zwar bis zur Geometrie und Stereometrie, Kalligraphie. Die Mädchen erhalten den angemessenen Schulunterricht, zum Theil auch im Französischen, und Unterricht in allen weiblichen, grödern und feinern Handarbeiten. — Was aber dieser Anstalt einen ganz eigenthümlichen Vorzug gibt, ist, daß trotzdem hier auch eine Stadtschule für die christlichen Kinder besteht, dennoch eine Anzahl christlicher Eltern , von der Vorlrefflichkeit der jüdischen Anstalt hinläng- *) Derselbe erhielt im Jahre 1833 von der philosophischen Fakultät in Berlin den Preis für die Lösung der Frage „über den Unterschied der Aristotelischen und Kantischen Kategorien;" später promovirte er in Halle. lich überzeugt, schon seit mehreren Jahren ihre Kinder in die jüdische Schule sckickt; ein gewiß bemerkenswerthcr Umstand, da er vielleicht als einzig in Deutschland dastehen dürfte. Da natürlich die ungestörteste Harmonie unter den Schülern herrscht, so daß noch nie ein unangenehmer Vorfall dieselbe störte und Eltern und Schüler einsehen, wie sehr die Lehrer bemüht sind, allen Schülern gleiche Liede zu zeigen, so finden sie sich stets mehr zur Schule hingezogen und scheuen keine Kosten, wenn man ihnen den Mitgenuß der Schule gestattet. Es ging dieß in den ersten Jahren nicht ohne allen Kampf ab. den aber die Regierung zu Gunsten der jüdischen Schule entschied. Neuerdings hat die Schule einen weitern Fortschritt zum Guten gethan, indem die Lehrer sich entschlossen, bei dem Mangel einer angemessenen Erbauung und Erhebung des Geistes beim Synagogengottesdienste, zunächst für bi>- Kinder jeden Sabbath nach dem Schlüsse der Synagoge einen religiösen Vortrag über den Wochenabschnitt zu halten; und es läßt diese Einrichtung, die erst seil Sabbath Chanuka begonnen, dennoch schon ein dem frommen Zwecke, der die Lehrer einzig leitete, entsprechendes Gedeihen voraussehen, da sich allmälig auch Erwachsene gerne dabei einfinden und erbaut werben. — So fällt kein Korn des Guten erfolglos auf den Boden. — Durch die Gnade des Fürsten wird der Schule auch alljährlich ein Geschenk von 30 Friedrichsb'or zu Theil und dies erleichtert emestheils die großen Opfer, die die Gemeinde der Schule bringt. Außerdem schicken auch Eltern aus andern Orten Kinder hieher, da die Schule einen sehr guten Ruf genießt. — Was nun einzig zu bedauern bleibt, ist, daß Schulfonds und Beiträge nicht ausreichen, um die Lehrer für immer definitiv anzustellen, wodurch die Schule bisher nicht im Stande war, mehr befähigte Lehrer auf immer an sich zu fesseln.*) Würde diesem Uebelstande abgeholfen werden, wozu einzig die Aussicht nur in einer Uebernahme der Schule in die Stadtanstalten liegt, dann wäre gewiß für ihr immerwährendes Gedeihen gesorgt. Noch ist dies aber, wie die Aufnahme der Juden in den Bürgerverband, ein pium desiderium. Nachträglich habe ich noch eines Opfers zu erwähnen, das die israelitische Gemeinde hier der Wohlthätigkeit bringt. Der hier praktizirenbe jüdische Arzt erhält von derselben eine jährliche Remuneration von Ivv Rthlr. als Armenarzt. Was die übrigen nur sehr wenigen israelitischen Gemeinden des Landes betrifft, so sind ihre bürgerlichen Verhältnisse sich wie die hiesigen gleich, nur baß sie die Erziehung ihrer Jugend Privatlehrern überlassen müssen. Auch dürfen nicht in allen mit städtischen Rechten versehenen Städten Israeliten wohnen, wohl aber in den eigentlich großherzoglichen Städten; jedoch bedürfen alle eigener Konzessionen. Frankfurt a. M. — Der 14. Bericht über den Bestand und Fortgang des Vereins in Frankfurt«. M. zur Beförderung der Handwerker unter den israelitischen Glaubensgenossen (1838 — 30), welcher so eben erschienen ist, gibt wieder erfreuliche Resultate von den Fortschritten dieser wahrhaft humanen Gesellschaft. Wir lassen hier das Wesentlichste aus dem Berichte folgen: „Die Gesammtzahl aller Unterstützten stieg in diesem Zeitabschnitte auf 468, von welchen 218 dem Großherzoglhum und 82 dem Kurfürstenthum Hessen, 66 dem Herzogtum Nassau, 35 der Lanbgrafschaft Hessen Homburg, 1? dem Königreich Baiern und 5!) der freien Stadt Frankfurt angehören. 29 Lehrlinge wurden ln dem Laufe des verflossenen Jahres neu ausgenommen und wählten in gleichmäßigem Verhältnis die verschiedenartigsten Handwerke. Sie liegen, gleich den übrigen noch bei ihren Meistern befindlichen Lehrlingen, ihrem gewählten Berufe mit Fleiß und gutem Erfolge ob. 28 derselben erhielten Unterricht in den ihren Handwerken entsprechenden wissenschaftlichen Fächern, 4? wurden mit Kleidungsstücken, 23 mit Werkzeug unterstützt, und 12 ver- *) Ein Uebelstand, auf den Sie selbst in Nro. 49 Ihrer „Annalen^, sehr richtig aufmerksam machen.