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Israelitische Annalen · 1840-02-07 · Heft 6 (7.2.1840) · p. Seite 50

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 6 (7.2.1840)
Date
1840-02-07
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 ä'nderung wird schwieriger, wofern nicht eine Gesammtauioritä't einwirken kann. Dennoch leidet es keinen Zweifel, daß das Bedürfniß immer mehr die Stimmen zu mehreren allgemeinen Grundideen vereinigen werde. Man wird die altern Einrichtungen mit dem Geiste der jünger» Welt durchdringen, und so werden sich die obigen Fragen, auf friedlichem und urkundlichem Wege lösen lassen. Wo dieses einen allzulangen Umweg nimmt, hat man versucht, außerhalb der Synagogen, an den Fest- und Feierragen Zusammenkünfte zu veranstalten, in denen die dort vermißte Erbauung durch die allgemeinen Mittel, Gesang und verständliche Belehrung, als Ergänzung des bestehenden Gottesdienstes und Vorschule eines künftig nothwendig werdenden erbaulichem Cultus, vorzüglich für die Jugend und das der Synagoge immer mehr entfremdete Volk, gefördert wird. Dies Verfahren beugt jeder Sectirerei vor, giebt einer gesunden Kritik Raum und verschafft den Bedürfnissen der Gegenwart allmählich die Anerkennung der Zeit, bis zuletzt der Gesammtgeift sich zu allgemein ansprechenden Verbesserungen bereit findet. Wir senden diese Bemerkungen voraus, um damit anzudeuten, daß wir diesen Gegenstand keineswegs als geringfügig ansehen, und die Schwierigkeiten jeder Reform nicht gerade in dem hartnäckigen Eigensinn blinder Eifrer wahrnehmen, vielmehr das Zartgefühl derer, welche mit den stehenden Formen befriedigt, jede Antastung derselben als eine der Religion bcigebrachte Wunde schmerzlich empfinden, gern in Ehren halten, wenn sie nur gerecht genug sind, der Form, wie sie jetzt ist, einige Aufmerksamkeit zu widmen, und nicht in jedem wohlbegründercn Wunsche eine Auflehnung gegen heilige Gesetze erblicken, und somit eine ruhige Discussion auf ihrem eigenen Gebiete zulassen; denn cs wird sich häufig ergeben, daß das bestehende Verfahren nur als Formel erscheint, aber gar keine wesentliche Form in der Wirklichkeit ist. — Hiernach wird man das folgende, uns von streng conservativer Seite übersandte Gutachten über einen Streitpunkt zu würdigen wissen.- ' . In der Berliner Gemeinde ist die, anderswo .ohnealle Weitläufigkeit getroffene Einrichtung, dem Vorderer in der Synagoge ein angemessenes Ornat zu geben, eine solche Streitfrage geworden, indem diejenigen, welchen diese Anordnung , an die sie nicht gewöhnt sind, anstößig erscheint, das allgemeine Gesetz, welches jede Neuerung in gottesdienstlichen Sachen verbietet, ansprechen, und selbige als eine willkührliche Neuerung wieder abgeftellt wissen wollen. Hier treten also die Fragen nach Belegen und nach Competenz hervor. Billigerweise wäre die Zustimmung der dortigen Rabbinatsverweser den Gewissenhaften eine hinlängliche Bürgschaft der Gesetzmäßigkeit; da sie indeß auch dabei sich nicht beruhigen, sondern immer noch einen Eingriff in's Herkömmliche zu sehen wähnen, uud da auch an andern Orten ein solcher Jrrthum wohl der zweckmäßiger» Einrichtung im Wege stehen dürfte, so mögen hier die für dieselbe sprechenden Gründe entwickelt werden. Man wird aus denselben ersehen, daß sie nicht bloß einen äußern Mißbrauch abftellt, sondern eine durch diesen fast verlöschte Grund-Idee wieder in's Leben ruft, welche in den Religionsgrundsätzen wurzelt. Die Synagoge ist bekanntlich an die Stelle des Tempels eingesetzt worden, sie sollte in den zerstreuten Gemeinden den Tempeldrenft vergegenwärtigen , und die Formen derselben dienen dazu, ihn möglicherweise stets der Erinnerung vorzuführen. Dieser Begriff muß zuerst feftgehalten werden, damit man nicht die Synagoge für ein bloßes Bet- und Andachlshaus halte, wie es in neuerer Zeit irrthümlich geschehen ist. Wäre letzteres der Fall, so könnten fast alle Gebräuche der Synagoge, als solchen Zwecken nicht mehr dienend, wegfallen; da aber die Synagoge den alten Dienst symbolisirt, und der Tempeldienft die Einheit Israels ursprünglich darftellt, so gewinnt dadurch mancher Gebrauch eine Weihe, die ihm nicht durch fremde Bildung entzogen werden kann. Der Tempel war da zum Gebet und zur Ausführung geregelter Sühn- Handlungen. Zu letzter» gehörten alle damit verbundenen Aeußerlichkeiten, Opfer, Priefterklei düng (nämlich die während des Dienstes anzulegende), Segensprüche, Räucherungenrc. Vergl. hierüber 8vbir haschirim Rabba f. 16 und die Quellen, woraus die dortigen Aussprüche fließen. Daß übrigens die Alten nicht bloße Werkheiligkeit priesen, sondern vielmehr alle Handlungen für unwirksam erklären, wenn sie nicht mit wahrer Herzensandacht und zum Zwecke einer inner« sittlichen Heiligung und Besserung des Lebenswandels geschehen, lieft man ebenda-

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