Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 6 (7.2.1840)
- Date
- 1840-02-07
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Februar. 6. 1840, Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M» Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1V2 Bogen; Preis des Jahrganges S Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Die Amtstrackl des Vorbeters. — Nachrichten und Korrespondenzen: Bi eklen bürg - Strelitz (Schluß); Frankfurt am Main; Gallizisch - Russische Gränze; Lemberg; Frankreich (Forts.); Missionsberichte über Palästina (Schluß.) — Literatur. Die Amtstracht des Vorbeters. Ein Gutachten. (Mit besonderer Bezugnahme auf die deßfallstgen Verhand, lungen in Berlin.) Der Cultus der Synagoge hat in unserm Jahrhundert die Aufmerksamkeit vieler Denker und Forscher beschäftigt; die Erster» fanden ihn mit den Zeitverhältnissen so sehr im Widerspruch, daß sie daraus die Verlassenheit der Gotteshäuser herschrieben und die Fragen aufwarfen: Kann eine Aenderung im Ritus, ohne die Religion im Innersten zu bcnachtheiligen, Statt finden? Wie ist sie zu bewerkstelligen? Wer hat die Befugniß, sie zu sancrioniren? Die Andern fanden ihn ganz und gar aus der Bahn gewichen, welche ursprünglich der Synagoge gezeichnet worden, alle Gebrauche aus den Angeln gehoben, zu einer bloßen Werkheiligkeit ohne Weihe herabgesunken, theilweise auf unrichtige Grundlagen gestellt, Wesentliches und Unwesentliches vertauscht, und somit alles in einem Zustande, welcher selbst die getreuen Besucher nicht befriedigt, woraus dann sich die Fragen ergaben: Welches ist die wahre Bedeutung der Gebräuche? Wie ist sie dem Volke nahe zu legen? Wie kann der Ritus seiner ursprünglichen Beschaffenheit und Wirkung angenähert werden? Große Schwierigkeiten stellen sich der Lösung solcher Fragen entgegen, sobald man mit Ernst und Würde daran geht, sich von jeder Willkühr frei halten, und einerseits die Autorität der größten Lehrer der Religion, andrerseits das Zartgefühl des an bestimmte Formen gewöhnten Volkes, also gleichzeitig die Autorität der Geschichte, schonen will, wie dies in gottesdienstlichen Angelegenheiten wohl die Pflicht gebietet. Und es läßt sich kein Gottesdienst extemporiren, ohne in Sectirerei umzuschlagen. Inzwischen hat die Zeit mit dringender Gewalt bestimmte Einrichtungen gefordert. Ueber verschiedene höchst wesentliche Punkte hat man sich so weit verständigt, daß eine Menge Fragen, wie sehr auch von Unwissenden noch bestritten, doch als erledigt anzusehen sind, wie z. B. die Abschaffung aller den Gottesdienst entwürdigenden Mißbräuche, die Abhaltung geistlicher Vorträge in der Landessprache, die Einführung eines geregelten Gesanges, wohl noch Widerstand finden, aber nicht als Vernichtung der gottesdienstlichen Zwecke angefochten werden. Der Widerstand hat nur seinen Grund in Unlust, öfters in ökonomischen, oder auch in persönlichen Rücksichten. Seit fast drei Jahrzehnten vermindern sich diese Rücksichten immer mehr, und der Gottesdienst gewinnt dadurch, besonders in den kleinern Gemeinden, wo man früher die Widerstrebenden beschwichtigt oder überzeugt, an Feierlichkeit und Wirkung. In größer» Gemeinden zersplittern sich die Ansichten nach der Zahl der Stimmführer, und eine Ver-