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Israelitische Annalen · 1840-01-31 · Heft 5 (31.1.1840) · p. Seite 47

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 5 (31.1.1840)
Date
1840-01-31
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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ward das Bedürfniß, dis endlich ein Haus gekauft, zur Schule eingerichtet, und, nachdem ein Schulplan entworfen und höchsten Ortes bestätigt war (d. 6. 28. August 1826), die Lehrer berufen und nnt dem 10. Mai 182? die Schule eingeweiht wurde. Großentheils wirkte hiebei auch der dereitige Landesrabbiner, Hr. Valentin SchepxrEliaso h n, ein Mann, der bei tiefer thalmudischer Kenntniß auch nicht ganz hinter-der Zeit zurückgeblieben ist, kräftig mit, und er stimmte auch bei, daß die hier bestehende Thalmud- Tvra-Stiftung nebst noch einigen Legaten zu einem Schulfonds, der sich auf 3000 Rthlr. preuß. Cour, beläuft, umgestaltet wurde.*) Von Seiten der Regierung aber ward der Schule die gewichtigste Unterstützung durch die besondere Theilnahme des nun verewigten Staatsmmisters Herrn von Oerzen. Dieser Edle, der stets beseelt für bas Beßte aller Bürger, auch insbesondere sein Augenmerk auf die Lage der Israeliten und deren zu bewirkende Verbesserung wendete, gab sich mit ganzer Seele dem Gedeihen des neuen Institutes hin und suchte alle etwaigen Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Der Name dieses trefflichen Staatsmannes lebt in dem Herzen Aller, die ihn kannten, in der Geschichte der hiesigen Schule wird er unvergeßlich bleiben. — Aber nicht minder großen Eifer und ausdauernde Beharrlichkeit in Wegräumung vielseitiger Hemmnisse und Beseitigung so mancher Opposition zeigte gleich Anfangs der durch die Regierung bestätigte Schulvorstand, der noch jetzt eiftigst für das fortwährende Gedeihen des Institutes sorgt. (Schluß folgt.) Frankreich. — Der Redakteur des vourrier de Ir» Moselle, oder vielmehr der mehrerwähnten Oorrespoudence Israelite, schreibt unter'm Iliten Decemder aus Metz eine offene Antwort auf die als Broschüre erschienenen Einwendungen des Herrn S. Cahen (des Bibelübersetzers) gegen die Horrespollkieucs (s. Nr. 50 des Jahrganges 1839.) Das Sendschreiben hat offenbar einen ausgezeichneten Stylisten zum Verfasser und charakterisier die Partei aufs Entschiedenste. Wir heben hier das Wichtigste heraus, nur einige Bemerkungen beifügend. Nach einer kurzen Einleitung drückt ex sich folgendermaßen aus: „Ich wünschte, daß meine Ansicht von meinem Wirkungskreise mir gestattete, Ihren Brief (nämlich den Coup d’oeil etc.) hier mitzutheilen; ich wünschte es, weil er schon geschrieben ist, weil er von einem Ende zum andern ein Muster von Urbanität in der Polemik darbietet, und weil er den Namen eines Mannes tragt, welcher seinem Vaterlande durch ein in vielen Hinsichten merkwürdiges Werk Ehre macht. Warum muß ich ihn gerade deßhalb verwerfen, weil er, was mir gut und heilsam erscheint, bestreitet? Da ich aber einmal zur Verbreitung des Guten mich bestimmt habe, fo mag ich nicht zur Ausjäat des Uebels beitragen, da wo es nur allzusehr schon wurzelt. Ich glaube, Herr Tsarphati hat Recht; ich halte seine Briefe für vortrefflich, sowohl in Sache als Form; diese Ansicht ist der Beweggrund, weßhalb ich sie aufnehme, sie veröffentliche, und ich will nicht durch An - oder Aufnahme (was bei mir eins ist) des Tadels über dasjenige, was ich rühme, die Welt und mich selbst belügen." „Meine Absicht ist nicht, Herrn Ts. zu verlheidigen, er ist so schwach angegriffen, daß er der Vertheidigung nicht bedarf. Auch steht er für seine Sache und braucht keines Beistandes, besonders in vorliegendem Streite re." „Was will Herr Tsarphati? Was wollen die israelitischen Verfasser der Corresponbenz? 1) Was die Besckveidung betrifft, so fordern sie erwiesene Geschicktheit der Peritomisten und Abschaffung des barbarischen Gebrauchs des Nagels und der widrigen Aussau- *) Was an manchen Orten zu langen Discussionen und verdrießlichen Schwierigkeiten führte, die Frage nämlich, ob die früheren Thalmud-Tora-Stiftungen zu dergleichen Zwecken, wie Schulfonds, umgewandelt werben dürsten, da dieß etwa nicht im Sinne des Stifters gelegen, der fteilich zuweilen von zeitgemäßen Elementarschulen keine Ahnung hatte, ist hier ruhig und einstimmig zum Wohle Der Ietzüebeudeu entfthieden worden. gung. Sind Sie nicht gleicher Meinmrz? und glauben Sie, daß irgend ein Israelit, der wahres Vatergefühl und Menschenverstand hat, anders denkt? Das mich betrifft, ich glaube es nicht, und halte jeden, der bei aller Anhänglichkeit für's Alte, eine andere Meinung hat, für einen Thoren oder einen gefährlichen Fanatiker." (Dies erscheint uns doch etwas zu einseitig.) 2) Ein anderer wesentlicher Punkt, sagen Sie, ist der Sabbat. Die Corresp. verlangen, daß diese asiatische Feier des Sabbats französirt und auf den Sonntag verlegt «erde. Sie fordern französische Predigten und Gebete, statt der hebräischen Vorträge, Gesänge und Gebete, welche die Israeliten im Allgemeinen nicht das Glück haben, so gut wie Sie zu verstehen. Jedenfalls würde die Moralisation (!) der Jsraeliten, ihre Verschmelzung mit der großen französischen Familie durch solche, so einfach sie sind, doch höchst philosophische Reformen, nur gewinnen. Sie sagen, den Sabbat verlegen heiße die Religionen ändern! — Da bin ich fteilich inkompetent, obwohl ich nicht begreife, wie so die Religion dadurch leiden werbe, wenn man Gottes Lob in der allen verständlichen stanzösischen Sprache und am Nationalruhetage singt, statt durch deren Absingung in unverständlicher Sprache und am Sabbat, einen Arbeitstag einzubüßen." „Fleiß, Erkenntniß, Würde des Menschen würden dabei gewinnen; meine Vernunft begreift nicht, wie eine göttliche Religion dabei verlieren kann. Vor solchen Glaubenssätzen schweige ich demüthig; denn die Corr. Isr. will nicht die Religion reformiren, sondern nur den Gottesdienst modificiren, und das ist etwas anderes." (Hierbei wohl nicht!) Don der staatsvkonomischen Seite angesehen, behauptet der Verfasser, daß da in Metz unter 2200 Israeliten über 1000 Almosen empfangen, ein Verhältniß, das sich fast überall herausstellt, diese Armuth Folge der vielen Feiertage sei. (Dies ist ein altes Vorurtheil. Die Armuth hat ihren Grund in der Gleichheit des Gewerbes, im Zusammenwohnen und andern Umständen, die hier nicht erörtert werben können). Dann kommt er auf die Excentricität zurück, und stimmt denen bei, welche in allem National-Absonderung sehen, und wo diese aufhört, nur Ausnahmen erkennen. Solch ein Zustand sei ex centrisch. *) (Schluß f.) Lemberg, 3. Jan. — Bekanntlich steht der Jugendunterricht bei uns noch auf einer sehr niedern Stufe, wie dieß schon in den Annalen ausführlich geschildert worden. Es ist dies nicht Mangel an Geist, denn der Geist der Jugend wird vielmehr mit Gegenständen unterhalten, welche weit über seine Fassungskraft hinausgehen, während man den einfachen Elementarunterricht verachtet. Es ist Mangel an richtiger Erkenntniß dessen, was Noth thut. In allen Städten Galliziens sind Thalmudschulen, in denen ein kärglich besoldeter Lehrer seine und seiner Familie Noth bei Gesehdiscussionen vergißt, die er seinen Schülern vorträgt, gleichviel, ob sie dieselben durchbringen oder nicht; und die Kinder werden ihm überwiesen, weil die unwissenden Eltern die dort zu erlangende Wissenschaft für das einzige Mittel zur Seligkeit halten. Sprache und Begriffe sind da im höchsten Grade verworren, alles Streben nach wahrer bürgerlicher Gemeinnützigkeit wird schon in der ftühesten Jugend, die sich stets auf fremdem Gebiete herum zu tummeln gewöhnt wird, erstickt. Endlich ist man hier zu der Einsicht gekommen, daß dieß nicht der rechte Weg fei, und daß es an der Zeit sei, dem Uebelstande abzuhelfen. Im vorigen Monate hielten die hiesigen Gemeinde-Vorsteher eine Berathung darüber und beschlossen einstimmig, eine geregelte Schule einzurichten, worin die hebräische und deutsch 4 Sprache nach gramatikalischen Grundsätzen gelehrt, und überhaupt der Unter- *) Der Vf. deS Schreibens sagt hier: Mai«, enfin il faufc dire ce qui est vrai; und nachher: ce sollt la des traits irrecusables d’exeentricite etc. — Merkwürdig ist, daß ein entgegengesetzter Eiferer, welcher diese Herren Äs die ärgsten Ketzer bezeichnet, .wiederum alS Motto hÄ: j’agelte uu cüafc uo cbat! D. H.

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