Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 5 (31.1.1840)
- Date
- 1840-01-31
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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45 die Darstellung seiner Reise, wie er sie selbst beschrieben, und wie solche R. Samuel Sicolo aus des M. eigenen Handschrift übertragen hat (CTTnn'E ed. Ven. f. 66. 1.) „Am Abend des Sonntags, am 4ten des Monats Jjar, ging ich zur See, und Sabbakh, Ivte Jjar, des I. 25 (1165) hatten wir furchtbaren Sturm, die See war in Auftuhr, und wir liefen Gefahr unterzugehen. Da gelobte ich die zwei Tage als einen vollständigen gemeinsamen Fasttag zu feiern, für mich, meine Hausgenossen und alle die mit mir in Verbindung sind, und meinen Kindern zu befehlen, daß sie dasselbe thun, in ewigen Zeiten; auch sollen sie zugleich nach Kräften Almosen spenden. Für mich selbst gelobte ich außerdem, am Ivte Jjar stets allein zu bleiben, niemanden zu sprechen, um nur zu beten und für mich allein zu studiren, und so wie ich an jenem Tage auf dem Meere niemanden sah, als den Heiligen, gepriesen sei er, so will ich auch, Zwangsfälle ausgenommen, keinen Menschen sehen, und mit keinem verweilen." „Am Sonntag Abend, den 3ten Sivan, landete ich glücklich, kam nach Akko, und entging so der Verfolgung, indem wir im Lande Israel anlangten. Diesen Tag gelobte ich zum Freudenfeste, zu Lustbarkeit und Almosenspenden für mich und mein Haus dis ans Ende der Zeiten. — Am Dienstage, den 4ten Marcheschwan 26 (Herbst 1165) verließ ich Akko, um nach Jerusalem zu gehen, unter mancherlei Gefahren. Ich trat in das große und heilige Haus (Tempelstelle?) und betete da am Donnerstage, den 6. dess. M. Am Sonntage darauf, den 9ten, verließ ich Jerusalem und ging nach Hebron, um die Gräber der Erzväter in der Höhle zu küssen. An jenem Tage stand ich in der Hoble und betete; dem Allvater sei für alles Dank! Die zwei Tage, den 6ten und 9ien Marchefchwan, bestimmte ick. durch Gelübde zu feierlichen Gebet- und Festtagen, verbunden mit Tafelfreude. Gott stärke mich zu allem, stehe mir bei, meine Gelübde zu erfüllen, und so wie ich dort im Zustands der Zerstörung gebetet habe, so sei es mir und ganz Israel vergönnt, bald das Land in seiner Tröstung zu sehen! Amen." ' Aus diesem Berichte, dessen Inhalt sich selbst bewährt, ersehen wir, daß er in einem Monate nach Akko kam, (woraus auch zu schließen, daß er nicht von seiner Heimath aus unmittelbar sich einschiffte, weil dies weiter ist, und von dort aus die Reise nicht in einem Monate zu machen war,) und sich hier 6 Monate aufhielt. Dort lernte er den Rabbinen und Richter, R. Jephet bar R. Elia hu kennen, welcher ihn nach Jerusalem begleitete, wie aus dem Briefe, den er an denselben schrieb, hervorgeht. In diesem heißt es, nachdem er ihm seinen Gram über den Tod des geliebten Schülers, welcher mit ihm ins Morgenland gekommen war, geschildert, also: „Dessenungeachtet beklage ich mich über keinen Gelehrten oder Schüler ober Freund und Bekannten, (nämlich über Mangel an Theilnahme während der Krankheit seines Lieblings) obwohl ich über dich am meisten Ursache zur Klage hätte; denn du, und er, und mein Vater und ich, wir vier gingen gemeinschaftlich ins Gotteshaus mit Andacht, und doch fragtest du nicht und kümmerst dich nickt um ihn." — Dieser R. Jephet b. Eliahu ist R. Jephet von Akko, welcher in Benjamin's Reise ed. Coast. f. 18. erwähnt ist; und ohne Zweifel kannte M. auch die andern, dort erwähnten Lebrer, R. Zadok, R. Jona. — In Jerusalem blieb M. nur 2 Tage; denn die heilige Stadt war zur Zeit in der Gewalt der Christen, welche keine Israeliten dort gerne sahen, und gleich bei der Eroberuug sie vertrieben und deren Synagogen verbrannt hatten (S. meine Bem. zu Pelhachja's v. Regensburg Reise), so daß ankommende Israeliten während der christlichen Obermacht stets in Gefahr waren, wie das auch im Bericht oben angedeutet ist. — Nach seinem Besuche der Gräber zu Hebron, am 3ten Tage, begab er sich mit seinem Vater, feinem Schüler und seiner Familie nach Aegypten; R. Jephet aber ging nach Akko zurück. Auch dies geht aus besagtem Briefe hervor, dessen Eingang also lautet: „Deinen mir theuern Brief habe erhalten. Ich wundere mich über den Inhalt» daß du nämlich klagst, ich hatte dir seit dem Tage unsrer Trennung im gelobten Lande nicht geschrieben, und mich nach deinem Befinden erkundigt; wahrlich dies muß ich zurückgeben; du bist es der abgebrochen hat, nicht Andere." Diese Thatsachen widerlegen übrigens alle Darstellungen, nach welchen M. direct von Spanien nach Aegypten geflohen sein soll. Sogar aus seinem Comm. zur Mischna. (Parah hi. 10) scheint hervor zu leuchten, daß er vor seiner Ankunft in Aegypten, im gelobten Lande gewesen war. — Von hier ging er nach Alexandrien, wahrscheinlich am Bord eines der zwischen beiden Ländern damals gewöhnlich fahrenden Schiffe, dergleichen er >zu Chelim xv. 1. Erwähnung thut. (Wird fortgesetzt.) Nachrichten und Correspondenzen. Bericht eines gelehrten russischen Israeliten aus Lithauen, über den Bildungszuftand der Israeliten in seinem Vaterlande rc. (Fortsetzung.) Dieser Abhaltung der Frömmelei von den Gemeinden meines Heimathlandes verdanken wir nächst der Vorsehung einzig und allem dem ausgezeichneten Rabbinen El iah von Wilna, welcher, wie einst der Prophet, dessen Namen er trug, sich für die Sache Gottes ereiferte, und sich der Verbreitung der Secte mit Glück wibersetzte. Es war das Werk seiner allbekannten Frömmigkeit, welche ihm einen unbegränzten Einfluß auf seme Zeitgenossen verschaffte; es war das Werk eines reinen Eifers für Wahrheit, durch keinen Eigennutzund keine Selbstsucht getrübt, und darum drangen seine Worte in alle Herzen ein, und die gute Saat trug heilsame Früchte. Seme Schüler blieben ihm getreu und hielten seine Grundsätze aufrecht. — Aber auch seine anderweitige Thätigkeit verdient lobende Anerkennung; denn seine literarischen Leistungen haben die theologische Wissenschaft bedeutend gefördert. Hierher gehört zunächst sein trefflicher Commentar zu drei Theilen des welcher ein dis dahin nie gekanntes Lickt in das Material gebracht hat. Vor ihm beurtheilten die Volkslehrer jeden fraglichen Fall lediglich nach bem Tert dieser Gesetzsammlung und anderer, ohne irgend eine klare Erwägung der Unterschiebe vieler Anordnungen nach Ursprung und Zweck (worüber schon viele Thalmudisten und namentlich der Verf. des 'HD in der Vorrede zu ri'^) Klage führt; ihnen galt mosaisches und ewiges Gesetz, und Radbinisches ober von Schristgelehrten für augenblickliche Bedürfnisse und Zwecke Angeordnetes, ohne Rücksicht auf die Umstände, welche solches hervorriefen, und mir deren Erlöschen es wieder aufhört, gleich wichtig und heilig, und sie sahen nickt auf das Wort, nicht auf den Geist. Dadurch haben denn alle allmählich nachgetragenen Zusätze gleiche Gesetzeskraft erhalten, und es ist die Masse der Lebenserschwerungen bis in's Unerträgliche angewachsen, ist dies Werk, welches schon ein detaillirtes Gesetz enthält, nickt bloß durch Zusätze ungemein vergrößert, sondern lheilweise entstellt worden. *) Dieses Fehlers machte sich unser *)'Jn dem alten Texte, den R. Joseph Karo selbst edirte (alle IV Therle in einem Bande) habe ich selbst noch die Worte rvnCD TtfrYW an:0 P gelesen, woraus jeder sieht, daß der ungemein strenge Karo, der gewiß jeden herkömmlichen Gebrauch in Ehren hielt, den hiev berührten für thöricht hält, wie er ihn auEin seinem großen Werke in mit Stillschweigen übergeht; sein Erklärer M. Jsserles dagegen, ein sonst sehr einsichtsvoller Gelehrter (wie man aus seinem Streite mit Sal. Luria noch besonders zu urtheilen berechtigt ist) tilgte das Wort und that noch manches hinzu, um jenen sinnlosen Gebrauch zu einem religiösen zu stempeln! Diele ähnliche Veränderungen und Zusätze hat die Gesetzsammlung E erlitten; man lese Deila Torre’s Bemerkungen im K. Ch. II. Eben so hat ein Casuist über