Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 5 (31.1.1840)
- Date
- 1840-01-31
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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hinderungsfalle persönlichen Erscheinens durch Bevollmächtigung ihre Stimmen abzugeben, ist gesetzlich nicht beschränkt; — (Dollingers Veordn. Sam. Band VI. S. 189) daher besonders in sehr ausgedehnten Distrikten das Erforderliche bei Anordnung der Wahl sogleich zur Nachachtung der Betheiligten zu bemerken ist. g) Zur Wahlhandlung sind drei Beisitzer aus den Stimmberechtigten beizuziehen, die Stimmen sind nach Formular VI. und VII. zur Gemeinde- Wahlordnung zu regiftrircn, über die ganze Handlung ist ein Protokoll zu führen und dieses so wie die Verzeichnisse von den Beisitzern unterzeichnen zu lassen. h) Das Resultat ist mit dem Jnsinuat aus Nachweisen zu den Ladungen vorzulegen. 9) Mit den Wahlakten ist zugleich die Erklärung des Gewählten über die Annahme der Wahl einzusenden, und 10) zugleich anzuzeigen, was zum Vollzüge des Abschnittes VI. geschehen ist. 11) Von vorstehender Entschließung sind die berheiligten jüdi/chen Cultusgemeinden ungesäumt in Kennrniß zu setzen. Königliche Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg. Kammer des Innern. Gr. Lerchenfeld, Präsident. voll. Hübner. Pragmatischer Blick in die Verhältnisse der deutschen Israeliten unsrer Zeit. Einleitung. Würtemderg. Der vorjährige Bericht des Ausschusses des Vereins zur Versorgung armer israelitischer Waisen und verwahrloseter Kinder, erstattet am 27. Sept. und 5. Oct. 1839 in öffentlicher Versammlung im Saale des obern Museums zu Stuttgart (gcdr. bei I. B. Müller), giebt weitere Resultate des segenreichen Wirkens, welches der treffliche Verein sich zur Aufgade gemacht hat. — Herr vr. Dreifus setzt in einem gehaltvollen Vortrage den schönen Zweck und die befriedigenden Leistungen der Menschenliebe ins Licht, welche durch manche betrübende Erfahrung sich nicht hat erschüttern lassen, im Gcgentheil in den Hindernissen nur desto anregendere Aufforderung findet, auf der betretenen Bahn fortzuschreiten, und je mehr die Noth und die Hülflosigkeit vieler Familien zunimmt, um so mehr dafür Sorge zu tragen, daß deren verlassene Kinder nicht durch Mangel verkümmern, und durch Elend dem Laster verfallen. Die Kinder werden bekanntlich bei Privaten, meist bei Lehrern der kleinern Gemeinden untergebracht. — Man hat auch die Frage angeregt, ob es nicht besser wäre, alle gemein» schastlich *) zu erziehen? Der Redner entwickelt mit überzeugender Klarheit, nach Abwägung des Für und Wider, die überwiegenden Gründe für vorläufiges Verbleiben auf der betretenen Bahn, auf welcher der Verein so vielseitige Aufmunterung findet. Wie nöthig dessen Wirken sei, schildert Hr. vr. Dreiftts unter andern mit folgenden Worten: „Schon mein Beruf führt mich oft in die Hütten des Elends, und durch meine Stellung bei diesem Vereine kenne ich Nicht nur das Schicksal der heute Aufgenommenen, denen Sie eine stille Thräne des Mitleids nicht versagen werben, sondern überhaupt das meiner unglücklichen Glaubensgenossen, besser als Viele. Die einzige Thatsache jedoch, daß von der kleinen jüdischen Bevölkerung Würtembergs Hunderte in diesem Jahre den theuern Heerd der Heimath verlassen haben, um jenseit des Meeres ihr Leben zu fristen, spricht kräftiger für ihre traurige Lage, als ich es zu schildern vermag. Wundert es Sie bann, wenn ich ein Fürsprecher der Verlassenen und Verwaisten meines Glaubens geworden, wenn ich dem Wohlwollenden Sinne so laut das Wort spreche und ihm gemäß auch ferner gehandelt sehen möchte!" Allgemeiner und mit einem lehrreichen Blick auf die historischen Grundlagen der Zustände der Israeliten gegenwärtiger Zeit, schildert HerrColl^^Assessor vr. Carl Weil in der beigegebenen Rede vom ÄenDctober die obwaltenden Verhältnisse. Wir nehmen keinen Anstand den Hauptinhckt dieser Rede durch unsere Annalen einem weitern Kreise zugänglich zu machen. Mehr als anderthalb Jahrtausende sind es nun, seit die jüdische Nation Alles verloren, was ein Volk sonst eint und bindet: Selbstständigkeit und Freiheit, besondere Sprache, selbst den Mörtel und Kitt aller Nationalität wie jedes Patriotismus, den Boden eines gemeinsamen Vaterlandes. Doch alle diese Verluste waren nur die Hälfte vom Untergänge jüdischer Nationalität. Die Selbstständigkeit . *) Dieselbe Aufgabe hat Herr Baruch Auerbach in Berlin auf eine treffliche Weife durch Errichtung eines Waisenhauses in wenigen Jahren so glücklich gelöst, daß die Frage aufhört eine Frage zu fein, Md die Nachahmung seines Vorganges nur empfohlen werden kann. Zwar hat der Würtemverger Verein eher verwahrlosete Kinder als Waisen im Auge, und sind die angeführten Gründe für das zeitherige System allerdings ansprechend; allein da die aufzunehmenden Kinder alle noch im zarten Alter sich befinde», in welchem von sittlicher Verderbtheit kaum die Rede sein kann, so dürfte immer noch die Errichtung einer Gesammtanstalt, wohin die Beiträge und Vermächtnisse viel leichter und reichlicher stießen würden, vorzuzrehen sein. Der Herausgeber. 5«