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Israelitische Annalen · 1840-01-24 · Heft 4 (24.1.1840) · p. Seite 37

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 4 (24.1.1840)
Date
1840-01-24
Page
Seite 37 (sequence 9)
Language
German
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V — 37 — immer weiter sich verbreitet. Von ihm ist auch das Werk Q'ßl DDN/ und gegenwärtig ist er mit Herausgabe seines neuen Werkes rHUT rYQ' einer Israelitischen Religionsgeschichte, beschäftigt. Männern von solchem Charakter, und solchen Leistungen möge wahr werden, was die Schrift sagt: „Die Verständigen werden glänzen mit Himmelsglanze, und die die Menge gerecht machen, gleich Sternen für ewige Zeit.". Bedeutend verschieden ist der Bildungsstand in L i t h a u e n, wo von jeher viel Geistesanlagen entwickelt und Kenntnisse geschätzt wurden, so daß von jeher die deutschen Gemeinden sich ihre Radbinen von da aus kommen ließen, unter denen viele einen großen Namen haben, wegen ihres thalmudischen Wissens. Von hier war Arje Leb, Radb. aus Minsk, nachmals i in Metz (S. Tsarphati's Beiträge, Annalen 1839, und; vr. Carmoly's Aufsatz über die Metzer Radbinen, in den I hiernächst folgenden Nummern). Aus diesem Lande ging hervor der berühmte, fleißige und umsichtige Geschichtsforscher i Jechiel Luria, Rad. v. Minsk, Vf. des nmin "HD eines Werkes, das bei aller Dunkelheit und Unordnung, und bei vielen unnützen Dingen — meist Fehlern, die man seiner Zeit und Umgebung zu gute halten muß — dennoch höchst nützlich und den Geschichtsforschern ganz unentbehrlich ist. Dies Land hat auch den Philosophen Satomon i Maimon geboren, und den nicht minder berühmten Salkind ' Hurwitz! Dieses Land ertrug vom Anfänge an nicht die! Chasidim-Sekte; hier fand diese keinen Eingang, weder mit ihren Religionsschwärmereien, noch mit ihrer Liede zum; Trünke. Auch der angränzende Kreis Samot hat sich in! diese Sectirerei und ihre Sitten nicht eingelassen. Dort werden vielmehr diese Sektirer mit dem Spottnamen Karlin er (vielleicht von der Stadt Karlin, wo sich zuerst einige zeigten, so wie dort die Aufgeklärten Berliner heißen, weil l die meisten aufklärenden Bücher vormals in Berlin gedruckt! wurden) bezeichnet, indem man sich darüber lustig macht, daß sie sich nach dem frommen Könige anmaßend -pon nennen. Es giebt daher nur sehr wenige von dieser Sekte dort, und auch diese von geringem Ansehen. Die meisten derselben gehören zu der Abtheilung, die nur die contemplative Seite des Chasidismus cultivirt, und sich daher -an nennt, njn riDDn; deren Grundzug darin besteht, daß sie den äußern Gottesdienst für ganz unwesentlich hält, und den wahren Gottesdienst im Nachdenken und im Streben nach Weisheit, Einsicht und Erkenntniß zu finden meint; in welcher Beziehung diese Schattirung der Sekte der Eultur offenbar näher steht, als alle übrigen. (Fortsetzung folgt.) C o p e n ha g e n, 6. Jan. — Die Emanzipationsfrage in Holstein, noch vor kurzem ein Gegenstand weitläufiger und sehr unerfreulicher Debatten, wird dem Vernehmen nach bei der gegenwärtigen Regierung ein günstigeres Licht gewinnen, und ohne Zweifel in ihren wesentlichsten Punkten sehr bald gelöst werden. Der Gemeinde zu Altona sind bereits von oben herab Eröffnungen gemacht worden, um sie zur Aufopferung ihrer in ganz Europa noch allein dastehenden Autonomie, den traurigen Rest einer veralteten Gesetzgebung, und zur Derzichrung auf die daran geknüpften Privilegien, gegen Uebernahme aller bürgerlichen Pflichten und Genuß aller bürgerlichen Rechte, gleich allen andern Israeliten in Dänemark, zu vermögen. — Ein solches Ansinnen kommt dem lebhaftesten Wunsche aller gebildeten und wohldenkenden Israeliten Altona's entgegen, und könnte höchstens in der mißverstandenen Selbstständigkeit des dortigen Rabbinates, dessen Vertretung in diesem Augenblick wohl befürchten läßt, daß man sich abgeneigt zeigen dürfte, auf Hindernisse stoßen. Inzwischen bringt die Stimme der Vernunft doch zuletzt durch, und der Staat wird die auffallende Disharmonie eines in seiner Mitte geduldeten kleinen für sich bestehenden, ganz besonbern Cioilgesetzen anheimgegebenen Staates, nicht lange mehr ertragen. Breslau, 12. Jan. Der hiesige Streit ist nunmehr als völlig abgethan anzusehen. Herr Dr. Oeiger, regelmäßig von hiesiger Gemeinde zum Geistlichen gewählt, und von der Regierung mit dem. Staatsbürgerrechte versehen, hat endlich feine Stelle angetreten, und in seiner Antrittsrede, (woraus wir einiges mittheilen werden) nicht bloß seine Freunde, sondern theilweise seine Widersacher erbaut und erfreut. Die Stimmung, zu welcher theils der Verdruß einzelner Feinde einer wissenschaftlichen Theologie überhaupt, theils die Scheelsucht derjenigen, die gerne andere Candidaten vorgeschoben hätten, theils die immer zum Streit geneigte Unwissenheit, ein ganzes Jahr und darüber viele sonst minder reizbare Mitglieder hiesiger Gemeinde, fanatisirt halten, ist mit dem Erscheinen des Herrn vr. G. eine ante.e geworden, die Besorgnisse sind verschwunden, und man überläßt sich der angenehmen Hoffnung, daß durch die rüstige Thätigkeit des wackern Lehrers, welcher sich nicht gescheut hat, seine Ansichten offen zu lehren, und fern von Mantelträgerei. seihst gegen Verkennung und Verleumdung, wozu man sich sogar der lautesten Organe bediente, der religiösen, sittlichen und bürgerlichen Verbesserung seiner Glaubensgenossen das Wort zu reden, — auch hier vieles eine erwünschtere Gestalt erlangen werde. — So viel ist gewiß, daß, wenn auch das Wort Neuerung noch immer die Losung zum Einschreiten gegen viele wesentliche Verbesserungen sein dürfte, von oben herab dennoch jeder innere Fortschritt, sobald er nicht bas Ansehen eines Gewissenszwanges hat, begünstigt wird, und die böswilligen Einwendungen zerfallen zuletzt in ihrer eigenen Unwahrheit. Rheinpreußen, 9. Januar 181v. — Eine an und für sich nicht erhebliche Handlung des sogenannten israelitischen Consistoriums zu Bonn in Angelegenheit der Gemeinde zu Simmern, erregt die Aufmerksamkeit um so mehr, als dieselbe ohnehin durch keine.sonst bedeutsame Thätigkeit jenes Consistoriums in Schatten gestellt wird. Diese Behörde hat nämlich eine richterliche Entscheidung erlassen, welche allerdings zu der Frage Anlaß giebt, ob dergleichen in ihren Befugnissen liege, oder ab sie dieselben überschritten habe? und welches wohl eigentlich der ihr als Behörde überwiesene Wirkungskreis sei? worüber sich die zu ihrem Ressort gehörigen Gemeinden, wie es scheint, rm Dunkel befinden. 4**

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