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Israelitische Annalen · 1840-01-24 · Heft 4 (24.1.1840) · p. Seite 36

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 4 (24.1.1840)
Date
1840-01-24
Page
Seite 36 (sequence 8)
Language
German
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36 den Zeugnisse *) meiner Sachkenntntß und Wahrheitsliebe, und füge nur noch dies hinzu, daß die wärmste Theilnahme für mein Vaterland mich keineswegs über die noch herrschenden Mängel blendet und etwa verleiten soll die Sachen in ein vortheilhafteres Licht zu stellen, sondem daß ich streng der Wahrheit getreu zu berichten beabsichtige; denn nur durch klare Anschauung der Verhältnisse wird es möglich, so manchem Uebelstande abzuhelfen und manchen Stein des Anstoßes aus dem Wege zu räumen. Wie gering auch mein Beitrag zur guten Sache sein möge, vielleicht dient er dazu, gewandtere Geister und von edelm Eifer beseelte Männer zu wecken, daß sie zur Förderung der Civilisativn mit ans Werk gehen, und dasjenige besser und vollständiger auseinandersetzen, was ich nur schwach andeuten kann. Die Israeliten, welche in Wolhynien und den angränzenden Kreisen wohnen, sind bekanntlich sehr ungebildet und unwissend, weder Gesetzkunde, noch Wissenschaft, weder Lebensart noch Ordnung ist hier zu finden, dagegen Unsinn und Thorheiten überall, Frömmler und Branntweintrinker die Menge; der Trunk so vorherrschend, daß sogar Schul- und Bethäuser fast zu Trinkhäusern geworden sind. Dies mischt sich selbst in die Gebräuche der Pietät; z. B. am jährlichen Sterbetage des Vaters oder der Mutter, welchen jeder feiert, setzt der Leidtragende den mit ihm Betenden, als Seelenverbesserung, ein Maaß Branntwein vor; wessen Seele dadurch gewinnen soll, weiß ich nicht! Kurz aus sie paßt vollständig Arnos II. 8. — Jndeß ist meine Absicht hier nicht das Wesen der sogenannten frommen Sekte, ihre Grundsätze und ihr Leben zu beschreiben, ihre Abtheilungen und verschiedenen Arten, die untereinander sich anfeinden, zu schildern; es würde dies sehr viel Raum erfordern, und ganze Bücher füllen. Auch ist schon genug darüber geschrieben worden, und wem daran liegt, sie ganz zu kennen, der lese die bereits wiederholentlich in diesen Blättern erwähnten Werke des verstorbenen Joseph Perl **), welcher furchtlos gegen ihre Verkehrtheiten auftrat, und in seiner Schule wie in dem neuen Bethause zu Tarnopvl ein Muster aufstellte, und unermüdlich dahin arbeitete seine Glaubensgenossen aufzuklären, auch ihnen an seinem Orte einen durch Kritik und Gelehrsamkeit berühmten Rabbinen gab, den er zugleich durch seine Verwendung vor weitere Anfeindungen sicher stellte; — ferner das Werk oyns 'rQ"l des wackern Levinsohn in Kremnitz, von welchem außerdem ein noch handschriftliches satyrisches Werk pEJJi auf den Druck wartet; — die verschiedenen Schriften des hebräischen Lucian, *) Cs bedurfte dessen nicht. Der Inhalt zeugt für die Umsicht des Verfassers, .welchen wir hiermit freundlichst auffordern, unsre Blätter ferner mit thatsächlichen neuern Nachrichten bedenken zu wollen. **) Wenn auch Israel noch nicht verwaist ist, und vielmehr noch Männer vorhanden sind, welche sich des Allgemeinen annehmen, so werben wir doch noch lange diesen edeln Mann beweinen, der so großes geleistet hat, — möchte sich ein gewandter Schriftsteller finden, der seine Lebensbeschreibung in hebräischer und in deutscher Sprache bearbeitete! Anm. d. Df. des wackern Arztes und Dichters Isaak Erter in Brody, welche sich in der Sammlung rib und ynb zerstreut finden, und welche nur Auszüge sind aus seinem unvergleichlichen Werke biOtJ'TVab nDlSH (der Israelitische Zuschauer),—und andere Werke von frühem Gelehrten, welche mit treuer Wahrheitsliebe und ohne Rücksicht auf etwaige Vortheile, welche die Sectirer darboten, unumwunden gegen ihre Thorheiten sich vernehmen ließen; insbesondere der Verfasser des niirVC jm:, so auch Jakob Emden, und Joseph Steinhart (Vorrede zu RGA. ppv deren Andenken gepriesen sei, in jener Welt, wo nur Wahrheit herrscht! — Ich beklage nur, daß gerade jene Trinksucht ihnen alle Besinnung raubt, so daß sie für Unterricht und Kenntnisse ganz abgestumpft sind. Wie sehr dadurch auch die Moralität leidet, versteht sich von selbst, denn der ganze Sinn ist verworren und sie wissen das Bessere nicht. Dazu kommt, daß auch dort keiner von hohem Anlagen sich hervorthut, keiner auftritt und öffentlich mit eindringlichen Worten zu der Menge spricht, um sie auf den rechten Weg zu leiten, sie für edlere Gesinnungen empfänglich zu machen. Nicht Einer giebt klaren Unterricht über religiöse Begriffe; nicht Einer lehrt die Weisheit Gottes aus der Natur erkennen, nicht Einer macht sie aufmerksam auf die Allgüte des Weltenlenkers, welche allen Geschöpfen zu Theil wird, von dem gvttähnlichen Menschen, welcher mit seinen Geistesschwingen sich emporhebt, bis zum Erdenwurm, der im Staube weilet; — nicht Einer trägt derartige Gedanken vor, welche immer die Zuhörer fesseln, sie zur Bewunderung der göttlichen Allmacht anregen, und Vorsätze erzeugen, zur Besserung des Wandels und zu einem gottgefälligen Leben! Die Langeweile hat zur Folge, daß in Schulen und Gebethäusern ebenfalls nur unnützes Geschwätz getrieben wird, und dieses artet insbesondere in bösen Leumund aus gegen diejenigen, welche durch einen richtigem Trieb zu wissenschaftlichen Bestrebungen hingcführt werden, und oft von der Masse groben Beleidigungen und Anfeindungen ausgefttzt sind. Es fehlt der Sittlichkeit der nöthige Nahrungssaft und wie Pflanzen, die aller Pflege entbehren, wird sie vom Unkraut aller Art überwuchert. — Leugnen wollen wir keinesweges, daß in Wolhynien wahrhaft fromme, gediegene und wissenschaftliche Männer gefunden werden, von denen so mancher im Süllen die Zustände beseufzt, manche sogar, wenngleich nicht geradezu auftretend, doch zur Veredelung der Masse beitragen und gerne viel mehr Opfer brächten, wenn sich die Gelegenheit darböte. Ja es steht zu erwarten, daß die noch immer kleine Anzahl von tüchtigen Männern auch so noch heilsam einwirken werden. Von einem Lichte kann man hundert anzünden, und eine Sonne beleuchtet eine Schaar dunkeler Körper rund umher; also wird auch hier jeder seinen Kreis erhellen. Einer der ausgezeichneten Männer ist der bereits oben genannte Isaak Beer Levinsohn inKremnitz,dessen treffliches Werk DTlJJn gleichsam als die Morgenröthe der bessern Erkenntniß zu betrachten ist, welches der Menge über viele bisher mit dichtem Nebel umhüllte Gegenstände die Augen geöffnet hat, und in seiner Wirkung bereits

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