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Israelitische Annalen · 1840-01-24 · Heft 4 (24.1.1840) · p. Seite 34

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 4 (24.1.1840)
Date
1840-01-24
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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Schreiben an die Redaktion der Lsr. Annalen über fehlende Volks- und Schulbücher. Won Abr. Kohir, Rabbiner in Hohenems. (Fortsetzung.) 2) Vortrag für den Peßach-Abend (nicht übersetzt, sondern) neu bearbeitet. Nicht durch Priester sollte die israeltische Religion stch erhalten, nicht in Schul - und Gotteshäusern der Jugend eingeprägt werden, sondern jedes Haus in Israel ein Tempel des Herrn sein, und jeder Familienvater als Priester und Lehrer funktioniren, und den Seinigen Liebe zum einigen Gott und seiner heiligen Lehre einflößen. (Exod. 12. 26, 27; 13.8, 14; Deuter. 4. 9; 6. 7, 20—25; 11, 19 und anderswo). Der Glaube sollte dem Leben entquillen, mit den theuersten Iugendein drücken in's Herz dringen, des Gemülhes sich bemächtigen, damit er ein lebendiger werde, das Leben beherrsche. Und so lange nicht von dieser Seite wenigstens kräftig nachgeholfen wird, dürfen wir uns von unscrm Streben, den Synagogencultus anziehender zu machen, wenig versprechen. Und doch ist bisher der häuslichen Andacht fast nichts geboten, den Eltern zur Weckung und Belebung des religiösen Sinnes bei ihren Kindern keine Anleitung gegeben worden! — Die Peßach-Feier am Abend auf den 15. Nißan hatte insbesondere die Bestimmung, die Heranwachsende Generation in die Geschichte und Religion der Väter einzuweihen, ihr die Wunder der göttlichen Leitung, die Wohlthaten, für die Israel dem Herrn verbunden ist, auf eine ergreifende Weise vor die Seele zu führen, und ihr Bewunderung, innigen Dank und willigen Gehorsam gegen ihn abzugewinnen. Als Mittel dazu sollten dienen die angeordneten Zeremonien, symbolische Handlungen, um die Aufmerksamkeit der Jugend zu erregen und auf ihr Gemüth zu wirken, die lebhafte Erzählung und Vergegenwärtigung der wundervollen Befteiung aus Aegypten mit allen Nebenumstänben, und endlich die darauf angestimmten feierlichen Dankgebete. — Doch es ging auch da nicht besser als in andern Gebieten des religiösen Lebens, das Ganze erstarrte mit der Zeit zu einem todten Formendienst, und aus der freien lebendigen Erzählung wurde eine stehende, meistens dem Erzählenden wie den Zuhörern unverständliche Formel; konnte da noch der Akt auf Geist und Herz heilsam wirken? Daß er (so würdig und weihevoll auch die Feier von dem Erleuchteten und Höherstehenden begangen wurde) der Menge längst langweilig war, beweist am besten der alte empörendp Unfug, auf das Entwenden des jöipiDN einen Preis zu fttzen, um das Spiel unterhaltender zu machen. — Die deutschen Uebersetzungen können in unfern Tagen demUebelstand nicht abhelfen, und wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Zahl der Häuser, in denen diese Abendfeier noch stattfindet, immer mehr abnimmt. Die alten Deraschoth sagen unser« Geschmacke nicht mehr zu, und können im häuslichen Kreise um so weniger Anklang finden, nachdem sie bereits aus der Synagoge geschwunden. Eine Klassificirung der Kinder nach ihren Fragen, eine Untersuchung, od jede Plage, die der Herr über die Aegyptier verhängt, vier oder fünf verschiedene Plagen involvirte, vermag eben so wenig uns zu erbauen, als auf das jugendliche Gemüth einen starken wvhlthätigen Eindruck zu machen. Es muß mehr Freiheit in den Akt kommen, und der Vortrag wieder ein natürlicher, lebendiger werden, wenn er seinen Zweck nicht verfehlen soll. (Zu beweisen, daß man damit gegen den Thalmud nicht verstößt, ist hier nicht der Ort.) Aber eines Leitfadens, eines Formulars kann das Volk heutzutage eben so wenig entbehren, als vor Zeiten, und vergebens belehret Ihr es über die Bedeutung der Feier, und machet ihm begreiflich, daß das Recitiren, selbst Uebersetzen der Hagadah keinen Werth hat, wenn dadurch nicht zur Erzeugung und Belebung frommer Gefühle und Entschlüsse in den Herzen der Zuhörer beigetragen wird. Der Ungebildete wird sich nicht darin zu finden wissen, wenn er Euch auch ganz verstehet, und entweder bei seiner Hagadah stehen bleiben, oder — Alles bei Seite schieben. — .Ich würbe selbst diese Arbeit versucht haben, wenn ich nicht glaubte, daß nebst einer metrischen Uebersetzung des Halles auch einige Lieder dazu gehörten. Ich erlaube mir noch einige Andeutungen. Von dem bisher üblichen wären nur Kidusch, das Schlußgebet und Halle! beizubehalten, die hebräisch und deutsch gegeben werden könnten; ganz neu (d. h. nicht nach der Hagadah gearbeitet) müßte sein die eigentliche Erzählung in kindlicher, gemüthlicher Sprache, von der eine dreifache Bearbeitung, eine für die zarte Jugend, eine andere für die reifere und eine pragmatische vom höhern religiösen Standpunkte aus für Gebildetere eine Auswahl gestatten sollte. Neue passende Gebete uud Lieder würden die Gabe willkommen machen. 3) Ein hebräisch-deutsches Schulwörterbuch für die israelitische Jugend vermissen wir noch immer schmerzlich bei . der Menge jüdischer Schulbücher und der nicht geringen Anzahl hebräischer Sprachlehren, die vor kurzem erschienen. Warum ein vor mehrern Jahren von Hrn. E. Millstätter angekündigtes nicht edirt worden, wissen wir nicht. Die vorhandenen sind nicht auf unsere Jugend berechnet, setzen zum Theil Kenntniß der alten klassischen Sprachen voraus, sind zu weitläufig und vor allem — zu theuer, um in Unfern Schulen eingeführt werden zu können. Und doch kann es keinem Sachverständigen entgehen, wie sehr ein solches Hülfsbuch Bedürfniß ist, wenn der Unterricht im Hebräischen ein wahrhaft bildender, gründlicher werden, die Selbstthätigkeit genugsam in Anspruch nehmen, und dem Schüler so viel Interesse abgewinnen soll, daß er durch Privatfleiß weiter zu kommen trachte und auch später das Studium der Sprache fortsetze. Dazu braucht er aber wieder unumgänglich ein Wörterbuch. Es müßte möglichste Kürze mit möglichster Vollständigkeit vereinen, etwa nach Art des hebräisch-lateinischen Schullericons, Leipzig bei Tauchnitz 1832, wo wir jedoch die Anordnung nach Wurzeln nicht zweckmäßig finden. Es sollte aber die jüdische Tradi-

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