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Israelitische Annalen · 1840-01-24 · Heft 4 (24.1.1840) · p. Seite 32

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 4 (24.1.1840)
Date
1840-01-24
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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32 bestehen lassen und von den Widersachern den Vorwurf verdienen, daß sie nicht kräftig Mitwirken, dem Volke wahre Vaterlandsliebe einzuflößen, und ihren Sinn von Palästina ab und auf den Boden, dem sie angehören, hinzulenken? Leider haben ja noch immer die Bessern für die Mängel der nieder» Klassen zu büßen und jede Verirrung Einzelner wird der Gesammtheit zur Last gelegt. Wir wollen dies hier nicht weiter erörtern, zumal wohl in unfern Tagen nicht die Greuelscenen des Mittelalters zu befürchten sind, aber darum ist eine Belehrung der Menge nicht minder wichtig; denn es muß schon als ein Unglück angesehen werden, wenn die Masse in so verkehrten Lebensansichten sich bewegt, stets mit irrigen und unklaren Begriffen erfüllt ist, und darum für keine geregelte Thätigkeit und Sittlichkeit gewonnen werden kann. Bei solchen Leuten wurzelt die Religion gar nicht, sondern knüpft sich an eine ganz unwesentliche Idee, und gehr mit dieser zu Grunde, wie wir denn wirklich als «verlässig vernehmen, daß eine ganze Gemeinde in Rußland entschlossen ist, dafern sie mit Ablauf gegenwärtigen Jahres wiederum ihre Erwartung ge- . uscht findet, die väterliche Religion zu verlassen. Auf welchen schwachen Füßen steht da die Religion, wo sie von dergleichen Wahn abhängig ist! Dies beweist am Klarsten, daß die Art und Weise, wie bisher das Volk über das Heiligste belehrt wird, durchaus nicht dahin geführt hat, eine wahre innige Religion des Herzens und des Gemüthes zu begründen. Traurige Folgen des verwahrloseten Jugendunterrichts. Die Rabbinen und Volkslehrer haben dies recht ernstlich zu beherzigen, und insbesondere darauf zu achten, daß die Art, wie der messianische Begriff von Maimon. als Glaubensartikel aufgestellt worden, wogegen sich der A l b o mit Recht auf's Gründlichste erklärt hat, nicht so sehr die Oberhand gewinne, daß daraus neue Irrungen entstehen, zumal er in den heiligen Quellen keinesweges als Glaubensdogma gegeben ist. Es liegt ihnen ob, das Volk in der heiligen Schrift mit Zuziehung einer gediegenen, klaren und für das Bedürfniß des Volkes berechneten Auslegung zu unterrichten, demselben ächte Religiosität in's Herz zu pflanzen, und von jedem Irrwahn ablenkend, es für alles Edle und Gute empfänglich zu machen! — Maimonides nnd seine Zeitgenossen. Von vr. Carmoly. (Vergleiche Jahrgang 1839. Nr. 39 bis 41.) Vierter Abschnitt. Maimonides in der Verfolgungszeit. In der Einleitung zu der Abhandlung: Von der Heiligung des göttlichen Namens (DE'n tfinp), oder richtiger: Von der unerschrockenen Darlegung des Bekenntnisses zur Zeit der Versuchung, theilt er dieselbe in 5 Arten: 1) die Gesetzscheidung in Zwangszeiten, 2) Gränze der Religionsentweihung, 3) Stufen der Märtyrer und der Unterdrückten in Verfolgungszeiten, 4) was in Religionszwang zu thun sei, 5) Verwahrung gegen den Zwang. Nach seiner Aussage forderte man zur Zeit nur ein Bekenntniß, ohne sich darum zu kümmern, ob man sonst dabei die jüdischen Gesetze ausübe. „In diesem Sinne ist also niemand gezwungen, die Gesetze zu übertreten, sondern nur um dem Tode zu entgehen, und dem königlichen Willen Genüge zu leisten, einzuräumen, daß der Prophet ein guter und redlicher Mann war; und verlangt man bei Androhung des Todes ein volles Bekenntniß, so gebe der Gezwungene es ab, bleibe aber nicht im Lande eines solchen Königs, sondern warte ab, bis es ihm möglich ist, auszuwandern, und wenn er zu seinem Unterhalte arbeiten muß, so arbeite er im Stillen, bis er auswandern kann. „Man hat nie von einem so seltsamen Religionszwang gehört, wie der gegenwärtige, wo man nur ein Zugeständniß erzwingt." Wir wissen nicht, ob der Eifrer (dessen Namen wir nicht kennen) die Antwort M's erhalten hat ober nicht. Aber das wissen wir zuverlässig, daß die übrigen Rabbinen seiner Zeit dem M. beipflichteten und Niemand seine Stimme gegen die andern Verfolgten erhob. Selbst zur Zeit des wiederholten Streites über seine Schriften, kam es keinem Gegner in den Sinn, ihn deswegen anzuklagen, denn jeder wußte, daß dieselben Vorwürfe nicht bloß den M. treffen würben, sondern die meisten Gemeinden, welche mit ihm in gleichem Falle waren. Wir finden auch nachmals in den vielen Verfolgungen, welche von Zeit zu Zeit in Spanien und Portugal eintraten, von wo sich die Gezwungenen nach allen Welttheilen zerstreuten, daß auch nicht Einer von den Weisen der verschiedenen Zeiten seine Stimme gegen diese Ansichten erhob. Eine Ausnahme macht allerdings Jakob Berab in seinem bekannten Streit mit Levl b. Habib, einem der Spanischen Neu-Christen, welcher einen andern Namen angenommen hatte, und welchem jener daher, um ihn zu ärgern, die Worte schrieb: „Gott lob, ich habe niemals meinen Namen verändert, und wie man mich ehemals Rabbi nannte, so nennt man mich noch und immer!" Worauf der Andere aber zornig und derb antwortete, und dabei sagt, erhübe ihn um einer unschuldigen Sache willen angegriffen. (S. Levi b. Habib. RGA. Angeleg. des Semicha.)*) *) Dergl. Jost Geschichte der Israel, vm. 57. ff.

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