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Israelitische Annalen · 1840-01-17 · Heft 3 (17.1.1840) · p. Seite 23

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 3 (17.1.1840)
Date
1840-01-17
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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23 und in ihnen das heilige Feuer der'Religion und die Treue für den Einzigen zu erhalten. Jeder Gesetzgeber muß dem Gesammtvolke eine Einheit, einen Zielpunkt anweisen, der die zerftreuete Masse zu einem Streben vereinigt. Im Pentateuch ist dieser Zielpunkt die Eroberung des gelobten Landes, und dahin gehen alle Verheißungen, dahin sammeln sich olle Bestrebungen. Mit der Erreichung dieses Zieles erkaltete der Eifer, und mit ihm verlor sich die Treue gegen Gott, und als nach vielen Unruhen Könige auftraten, ward das Volk willkührlich beherrscht, und sank immer tiefer. In der Zeit der letzten Propheten, als die Religion fast gänzlich erschlaffte, und die heiligen Männer die Ausartung vor Augen sahen, ja der völlige Untergang der Nation und der Gotteslehre fast bevorftand, da erhoben sie, von Gott begeistert, ihre Stimme, und verkündeten eine kommende Erlösung, einen Sprößling aus Jsai's Stamme, einen Gesalbten Gottes, ein neues Glück und neuen Ruhm, eine Herrschaft der Gerechtigkeit und Wahrheit. Diese Hoffnung ward jetzt der Einigungspunkt, welcher der Nation neues Leben einhauchte, sie in Leiden und Unglück aufrecht hielt, und ihr späterhin in so vielen Unfällen Festigkeit verliehen hat. Im ganzen Pentateuch steht davon kein Wort. Das Schilo halten manche für eine Andeutung, jedoch ohne Grund. Was in den Psalmen über den Messias enthalten ist, rührt aus nach-salomonischer Zeit her. *) Die spätem Propheten deuten auch nur an, und erst der Verfasser des Daniel spricht ausführlicher und unumwunden. - Dies Letztere ist leicht daraus erklärlich, daß er zur Zeit der Makkabäer lebte, in welcher die mcssianischen Hoffnungen schon ganz und gar im Volke verbreitet waren, und man die Ankunft des Messias nahe glaubte; wie denn Simon nur bis zur „Ankunft des Messias" zum Hohenpriester ernannt ward (I. Makkabäer XIV. 41.) Sehr natürlich, unter dem entsetzlichen Drucke jenes Tyrannen Anti ochus konnte man nur auf übernatürlichem Wege Rettung erwarten. **) Diese *) Ps. lxxxix. ist auf die Befreiung Jojachins verfaßt, wie Philon bemerkt; vgl. Spinoza's theol. krit. Abh. X. auch Hitzig Pf. S. 145. **) Das deuten auch unsere Weisen an, 8ota Ende, Sanh. 98. Schir Rabba. Vergl. Sanh. 97 und Echa Bab. Ende. Anm. des Verf. Allgemeinheit messianischer Erwartungen (vergleiche Tanchuma f. 84. col. 3) leitete auch den großen R.Akibairre, so daß erden Bar Cochba für den Messias hielt. — Derselbe herrschende Glaube verschaffte der christlichen Religion bald so bedeutende Ausbreitung. — Endlich sahen die Gelehrten ein, welcher Nachtheil aus den Berechnungen der Messias-Ankunft entstehe, und verwünschten daher jede solche Berechnung, ja erklärten, daß Gott selbst durch einen Schwur jede vorherige Verkündigung des Ziels untersagt habe, und daß durch Nichtbeachtung desselben mehrere Zeitalter*) stark büßen mußten. Seitdem enthielt man sich aller Berechnungen, und es heißt sogar ausdrücklich, man solle keiner solchen speciellen Ankündigung Glauben beimessen; selbst die muthmaßlichen Bedingungen der Messianischen Zeit werden von ihnen so gestellt, daß sie nie erkannt werden; indem sie sagen, des Messias Zeitalter müsse entweder ein vollständig ausgearretes oder ein vollständig gottesfürchtiges sein. Dadurch ließ man dem Volke seinen Glauben, jedoch so, daß es nicht durch denselben in thörichte Erwartungen und damit verbundene Täuschungen geriethe. **) Und daran thaten sie gewiß sehr weise, besonders in jenen Zeiten der Bedrängnisse, da die Hoffnung der einzige Anker war, an welchem Israel sich 'halten konnte. Sie ließen sie in voller Kraft, beugten aber dem Mißbrauche derselben vor. Nicht so die nachfolgenden Gelehrten. Statt tief einzublicken in den wahren Zweck jener Aussprüche, ließen sie sich auf allerlei Rechnungen und Zahlenverbindungen und astrologische Spielereien ein, vcrdreheten den Sinn der heil. Schrift und der Propheten insbesondere, um ihre Ausgeburten zu stützen, und das Volk auf bestimmte Zeiten oder Jahre hinzuweiscn, so daß die nachmals getäuschte Erwartung jedesmal Verstimmung und Verzweiflung hervorbrachte. Es würde die Gränzen der Annalen *) Tauch, fol. 87. 4. und Schir 1. c. Vergl. Jalk. Ies. 367. Ein Zeitalter heißt rm darunter wird stets die Zeit Christi verstanden. **) In dem liturgischen Liede ieo ’unW wird deutlich gesagt mW py Wl, woraus beiläufig erhellt, daß dieß Stück nicht, wie Dukes (Ehrensäulen 29) meint, von S. d. Gabirol herrührt, dessen schöne Sprache auch darin vermißt wird, — denn dieser hat solche Berechnung gemacht (A. E. zu Daniel Ende.) Der Verfasser. 3*

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