Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 3 (17.1.1840)
- Date
- 1840-01-17
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Dinge, welche sich gänzlich von den Gränzen entfernt, die Sie sich selbst gezogen hatten, und welche auf nichts geringeres hinausläuft, als auf einen hedauerlichen Umsturz alles kirchlichen Ansehens, und somit auch des ganzen Cultus. Abgesehen von der Lückenhaftigkeit des Entwurfs, welcher mancher gerechten Bemerkung Raum gäbe, beschränke ich mich für jetzt darauf, Ihnen meine Ansicht über dgs Ganze zu eröffnen, und in dessen muthmaßliche Gründe eiyzugehen. - Der Zweck dieser neuen Organisation ist augenscheinlich, den Rabbinen die einzige Macht, die sie noch im Tempel und im Religionsunrerricht haben, zu entziehen, um solche weltlichen Personen zu übergeben, welche, so gut wie sie heut die im Artikel 24 angezeigten Aenderungen einzuführen sich erlauben, in der Folge alles, was ihre Phantasie ihnen eingiebt, thun werden, so daß man ohne Zuziehung der Rabbinen, welche die einzigen competenten Richter in religiösen Dingen sein sollten, sich das Recht anmaßen wird, über Reformation zu berathen, und, erlauben Sie mir den Ausdruck, somit die heiligen Lehren unsrer Religion zu profa- «isiren. Um dies zu bewirken, will man die Rabbinen mit einer Aufsicht umgeben, (Art. 16) will durch unnütze und demüthigende (45) Vorsichtsmaßregeln deren Amtsweihe in der Meinung ihrer Gemeinde vereiteln, will sie (54) zur Rolle von geringen Dorflehrern Herabdrücken, ihr Amt dem der Beredtsamkeit untcrordnen, oder vielmehr sie der Ueberwachung von Seiten der (68) predioatours aussetzen, die man aussenden will und die in ihrer Amrsverrichtung unbehindert sein und aus denen gewählt werden sollen, welche nicht auf ein Rabbinat hinstreben. Es fällt hierbei besonders auf, daß der Artikel, welcher von den Predigern handelt, weder von Rabbinen noch von Zöglingen der Rabbinenschule spricht. Man geht noch weiter (56. 57). Durch die Concurrenz raubt man den Rabbinen alle Mittel zum Vorrücken, mögen sie noch so eifrig und ergeben ihr Amt geführt, noch so viel kostbare praktische Erfahrung in dem, was die Zeit fordert, sich dadurch gesammelt haben, daß sie in steter Beziehung mit ihren Gemeinden, mit deren Wünschen, Bildungszuftand und Sittlichkeit vertraut geworden seien. Schwerlich hat je eine Kirche dergleichen Vortheile so leicht preisgegeben, und ich zweifle, daß sie durch Wissenschaft ersetzt oder überhaupt improvisirt werden können. Eine solche Verachtung wirklicher Verdienste kgnn seine Quelle nur in Mangel an Vertrauen der Verfasser des Entwurfes zu den Einsichten und Gesinnungen der Rabbinen haben: oder, was schlimmer wäre, in ihrer bestimmten Ueberzeugung, daß diese niemals zu dem, was man sich erlauben will, ihren Beifall geben werden. Gern lasse ich letztere Muthmaßung auf sich beruhen, aber erstaunen muß ich, und frage mich selbst, warum die Rabbinen, nach einer dreißigjährigen Erfahrung seit der ersten Organisation, und bei dem heilsamen Einfluß-, den Ihre neue Schule auf sie geübt hat, noch immer kein Vertrauen einflößen sollen? War das alles nicht genügend, und schreiten sie statt vorwärts in der That rückwärts, so seien wir wenigstens konsequent, offenherzig und sparsam zugleich; streichen wir in den Ausgaben zugleich die Gehalte der Rabbinen und alle ihre Pflanzschulen, denn jede weitere Concurrenz wird nur die Besorgnisse vermehren. Dies kann nun Ihre Absicht nicht sein, Ihre Gerechtigkeit und Einsicht bürgen mir, daß Sie den Nutzen des geistlichen Standes zu schätzen wissen und ihn weder seiner hauptsächlichsten Attribute noch der Weihe entkleiden wollen, welche ihn in den Augen der Welt hochstellen. Diese wenigen Betrachtungen könnten genügen, aber da Sie die Meinungen der einzelnen Consiftorien kennen wollten, bevor Sie einen Entschluß fassen, so ist es Pflicht eines Jeden, Ihnen offen und ohne Rückhalt über die wichtige Mission, welche Sie übernommen haben, seine Meinung darzulegen. (Schluß folgt.) Mefsiasberechnungeir. (Eingesandt aus Gallizien. Dec. 1839.) Wer mit ungetrübtem Blick in der heil. Schrift forscht, findet, daß die mesfianischen Hoffnungen erst in der Zeit der später» Propheten in Israel wurzelten, welche ^verschiedenen Formen den Messias darstellten, bald als Fürst der Völker, bald als Lehrer der Weisheit, für ein Volk oder viele. Ihr Hauptzweck war, die betrübten Gemüther zu trösten