Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 2 (10.1.1840)
- Date
- 1840-01-10
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber die angeblichen Plagiate Abralurnel's und Moseato's. (Jahrgang 1839. p. 101.) Don S. D. L. in Padua. *) Die 41 Nummern der Annalen, welche Sie, geehrter Herr und Freund, mir zu senden die Güte hatten, sind mir vorige Woche zugekommen. Mit der Offenherzigkeit, welche Sie an mir kennen, darf ich Sie des sehr günstigen Eindrucks versichern, den dies Werk auf mich machte. Möge dies Unternehmen recht viele Jahre unter der Leitung eines Mannes, wie Sie, fortbestehen! Ja, dieses Werk flößt mir schöne Hoffnungen für die Zukunft ein. Die Mäßigung, das justemilieu, welches darin herrscht, gewährt mir die Erwartung, daß dasselbe ein Organ der Aussöhnung der entgegenstehenden Partheien, der Keim der Wahrheit und des Friedens werden kann. — In literarischer Beziehung finde ich in den Annalen einen Schatz von kostbaren Notizen, die Frucht der unermüdlichen Mühen so vieler ausgezeichneten Geister. Unter diesen bewunderte ich vvrnämlich den Herrn Dr. Carmoly in Brüssel, dessen Arbeiten so reich sind an ungemein werthvollen Entdeckungen, welche mir um so angenehmer waren, als sie aus einer Gegend Herkommen, die ich in der jüdischen Literatur für ganz unfruchtbar hielt. Indessen fand ich unter den verschiedenen Entdeckungen des Herrn vr. Carmoly eine, welche mein Gefühl sehr verletzt hat. (La quäle anziche dolce, amafa oltremodo mi riesci.) Diese ist, wie Sie leicht errathen, die Aufdeckung eines Plagiats des Abrabanel. Dieser große Mann hat zwar schon in Paris einen Dertheidiger gefunden (p. 181), aber ein Sachwalter, welcher seinen Namen verhehlt, genügt nicht in einer so heiligen Sache, wie die ist, wo es. sich um die Ehre eines der höchstgeachteten Dertheidiger des Judenthums handelt. Schon vor 8 Jahren schrieb ich in meinen Vorlesungen der dogmatischen Theologie: „Einerder letzten Schriftsteller unter den spanischen und portugiesischen Juden und zugleich einer der berühmtesten, gelehrtesten, beredtesten, frömmsten, und der Nation und der Religion Nützlichsten, war Abrabanel. Dieser große und fromme Geist befreiete unsere Theologie endlich ganz und gar vom Joche der Aristotelischen Philosophie. — Es ist sicherlich eine besondere Fügung und ein Beweis der göttlichen Vorsehung, welche niemals die Israeliten verlassen hat, daß ein solcher Mann in jenen Zeiten auftrat. Die Juden, sehr zahlreich, wohlhabend und mächtig in Spanien, wurden plötzlich vertrieben. Viele sich so nennende Erleuchtete und Philosophen entschlugen sich aller Beschwerden durch Religionswechsel (s. Qvinn *Y)K vom payV). Abrabanel war in der Philosophie und in den i . .*) Wir sehen unS genöthigt, ungeachtet wir sonst die dem Herausgeber ausgedrückten Artigkeiten unterdrücken, den italienischen Brief vollständig wiederzugeben, und ihn nicht zu verstümmeln. I. humanistischen Wissenschaften wohl unterrichtet; er war sehr reich, und nachdem er einer der Granden am portugiesischen Hofe gewesen war, genoß er bereits seit acht Jahren gleichen Ansehens am spanischen Hofe. Abrabanel zieht der Ruhe und den Ehren, die er durch Abfall sich erhalten konnte, das traurige Wanderleben seiner unglücklichen Brüder vor. Nicht das allein, er widmet den ganzen Rest seiner in Irrfahrten und Unruhe zuzubringenden Tage, der Beleuchtung der angestammten Religion, der Dertheidigung derselben mit unermüdlicher Anspannung seines Scharfsinnes und mit seiner bewundernswürdigen Beredsamkeit, gegen die Angriffe der Philosophie auf der einen, und anderer Religionen auf der andern Seite." Ein solcher Heros darf fordern, daß sein Proceß genauer geprüft werde, und ich, der ich an dem Orte lebe, wo seine Gebeine ruhen, zu denen alljährlich die Frommen hinwallen, um ihre Verehrung darzubringen, glaube einige Abendstunden wohl anzuwenden, wenn ich sie der Durchsicht der Akten dieser wichtigen Anklage widme. Ich behaupte erstlich, daß Abrabanel das Werk des Bibago allerdings gelesen hat. Er hat nämlich im Commentar zum Pentateuch (Num. XX) über die Sünde des Moses sprechend, die Meinung eines Gelehrten seiner Zeit Cinn ’ODHD '}*) angeführt, welcher den Mose von jedem Versehen freispricht, eine These, welche Bibago sehr breit, wie immer, aufstellt und auf 8 Folioblättern CnjIQX "p“ 60—67) durchführt. Abrabanel stellt sie ins Licht und widerlegt sie kurz, ohne den Verfasser zu nennen; ein neuer Beweis seiner Redlichkeit und Seelengröße, welche über kleinliche Eitelkeit erhaben ist, die nur in Herabwürdigung der Ehre Anderer Berühmtheit zu erlangen sucht. Ich sage zweitens, daß Bibago's Werk und Abr's rOEN itfjn zwei völlig verschiedenartige Werke sind, und das letzte weit entfernt ist eine Nachahmung des Erster» zu sein. Der Geist des Bibago ist ganz maimonidisch, und der des Abrabanel ganz antiniaimonidisch. Bibago gibt auf 102 großen Folioblättern nichts als gezwungene Anwendung der Schrift und der Rabbinen auf Dogmen der aristotelischarabischen Philosophie. Das Ganze enthält nur zwei Ideen von einiger Erheblichkeit, von denen eine das obenerwähnte Paradoron ist. Bibago hat in Betreff der Sünde Mosis einen andern bessern Gedanken gefunden (abermals gefunden und angenommen von Mendelssohn; und wiederum erdacht und gut ausgedrückt vom unbekannten Verfasser des nwi welches man fälschlich dem Gersonides zuschreibt; — ähnlich der Erklärung des Albo IV. 22). Er stellt diesen Gedanken dahin, als würdig von den Anhängern einer wörtlichen Auslegung angenommen zu werden; doch er selbst mißbilligt diese Idee, und hält nur die seinige, welche dem Mose ave Sünde abspricht, für die ächte. Und warum? Weil es seiner Philosophie nicht zusagt, daß der erste Prophet eine Sünde begehen könne. (Schluß folgt.)