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Israelitische Annalen · 1840-01-10 · Heft 2 (10.1.1840) · p. Seite 16

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 2 (10.1.1840)
Date
1840-01-10
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 die Heranwachsende Generation der besseren und besten Schulen jedes Anhaltpunktes ermangelnd, das Heilige bald mit schnödem Blick verächtlich bei Seite setzt, bald mit verwegenem Leichtsinn zu Boden tritt. Wollen wir nun gleich nicht dem dürftigen Unterricht des unmethodischen alten Schlendrian das Wort reden, der den bedeutenden Vortheil für sich hatte, daß ihm ein gläubiges Zeitalter harmlos entgegen kam; fällt es uns auch nicht in den Sinn, die alte Schule um die tiefern und vielleicht bessern Eindrücke zu beneiden, als dre sind, so die feine Analyse des neugebildeten Lehrers zu Tage fördert: so wünschen wir doch mit allen Wohlgesinnten, angeregt durch die gefährdeten Interessen unserer heiligen Sache, eine feste Basis in der Lehre der Jugendbildner, in deren Händen die Erhaltung des Cultus liegt. In der Umgegend des Ref. z. B. wimmelt es von polnischen Ueberläufern, die nachdem sie jedem andern Erwerbszweige entflohen, sich als letzte Ressource aus der dreifachen Tiare der Sänger-, Lehrer- und Schlächter-Weihe eine Krone flechten, von welchen Würden ihnen vielleicht nur die Letzte, als die einzige, deren Prüfung sie bestanden, mit Recht gebührt. In einer der größten Gemeinden des Rheinkreises erfreuen sich die beiden Winkellehrer sogar, wenn sie noch auf dieses Prädikat Anspruch haben, eines Tüchtigkeitszeugnisses von Seiten eines quasi israelitischen Consistoriums, ohne daß dieses sie jemals einem Examen unterwarf, es sei denn auf Glauben und Treue irgend eines ihm bekannten Subjektes solches auf die schamloseste Weise veranstaltet und für genügend befunden worden. So schwindet denn hier jede Hoffnung auf eine bessere Wendung der Dinge, wenn von der einen Seite die rationalistische Bewegung das Judenthum nach und nach (die Schaale sammt dem Kerne) abftreift, und auf der andern eine unfähige, heuchlerische , jeder früher» Tugend ermangelnde Partei in müßiger Ruhe dem Ende des Dramas zusieht, und sich höchstens nur zur Rettung der Ehre einer rhalmudischen Argumentation, an die Niemand mehr denkt, von dem gemächlichen Sitze erhebt. Gegen so tief eingewurzelte Uebel können die freundlichen Berichte von abgehaltenen Confirmationen rc. aus Orten, die sich einer tröstlicheren Lösung der schweren Aufgabe erfreuen, kein Gegengewicht bilden. Eine offene Darlegung des wirklichen Thatbeftandes vermag allein die Erkennrmß gründlicher Heilmittel herbeizuführen — denn fürwahr, das Uebel wird nicht verbessert, indem man es wegleugnct. — Doch wie, fragt sich's, sollen wir dem geschilderten Unwesen begegnen, das der Kurzsichtige vielleicht nur für ein Gespenst zu halten gesonnen ist. Die Aufgabe ist schwer, der tiefsten Betrachtung der Kenner würdig. Um indeß nicht bloß bei der Anregung einer so gewichtigen Frage stehen zu bleiben , ist es unmaßgebliche Meinung des Ref., daß uns vor allem höhere Bildungsanstalten, für Lehrer sowohl als Rabbinen, die sich allein mit der jüdischen Theologie zu befassen hätten. Noch thun. Sie werden den Brennpunkt bilden, dessen wohlthätiges Strahlenfeuer sich bald nach allen Richtungen hin verbreitend, eine bemerkliche Zunahme der Wärme für die heilige Glaubenssache verspüren lassen wird. Wenn man bedenkt, daß die ungenügendsten Institute dieser Art, von den Schulen eines Samai und Hillel bis auf die Jeschiba der jüngst verflossenen Zeit der Religion eine Spannkraft verliehen, der wir sicher deren Erhaltung verdanken — so mag 'wohl Niemand die unerläßliche Forderung derselben mit neuen, dem Zeitgeiste angemessenen Formen, in Abrede stellen. Und liegt es uns nicht, selbst abgesehen von dem religiösen Standpunkte, ob, der ergiebigen Quelle unserer Literatur eine akademische Halle zu eröffnen? Zu welchen Erwartungen, zu welchen frommen Wünschen berechtigten uns nicht dergleichen Stiftungen in Betracht der bisher gemachten vergeblichen Versuche, eine Synode zu Stande zu bringen? Sollte diese Ansicht nicht schon alle Parteien zu versöhnen im Stande sein, von den irrgläubigen Verehrern spitzfindiger Commentare bis auf die, welche in neuester Zeit die kühne These aufzuftellen wagten: der Thalmud sei noch nicht geschlossen? Ist denn aller Sinn für die Würde des Judenthums erstorben, keine Hoffnung vorhanden, daß reichliche Spenden von der einen Seite, und der Andrang der Jünglinge Israels von der andern das dramatische Mysterium entwickelnd abrollen? Soll denn immerfort ein dichter Vorhang die wichtigsten Handlungen verhüllen und hinter den Coulissen die Jmrigue gespielt werden? — Wir deuten nur an, und hoffen von Sachkundigen verstanden zu werden. Die Hand auf's Herz — prüfet und urtheilet! Westphalen, Ende 1839. Rosenberg. '

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