Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 2 (10.1.1840)
- Date
- 1840-01-10
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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15 vom Inquisitor unterstützt. Sonst aber sind bereits viele über die ihnen lästigen Gesetze hinaus, und beobachten diese nicht, minder aus Erkenntniß, als vielmehr aus Bequemlichkeit. — Der Ghetto zu Ancona ist von allen andern im Kirchenstaate am schlechtesten gehalten. — Der herrschende Charakter der Gesammtheit ist eine gewisse stumpfsinnige Oberflächlichkeit, verbunden mit Luxus und Prachtliebe und nicht ohne Hochmuth, welcher die Unwissenheit zu begleiten pflegt. Weit besser steht es in jeder Beziehung um die Gemeinde zu Sinigaglia, welche etwa 600 Köpfe zählt, eben so in Pesaro und Ferrara, worüber ein andermal ausführlicher. Das israelitische Schulwesen.'') Wenn es erfreulich ist unter unfern, wie aus einem lethargischen Zustande erwachenden Glaubensgenossen ein reges Streben nach populärer Aufklärung und einer kernhaften nicht bloß modernisirenden Bildung wahrzunehmen; wenn es nicht überall an Mitteln zur Beförderung und Verbreitung, gesunder Ansichten, humaner Gesinnungen und achter Religiosität mangelt, — die Synagoge einerseits dem erbaulichen Redner Gelegenheit verschafft, mit dem geläuterten Worte die andächtige Versammlung zu belehren, und anderntheils die Literatur sich dem geistreichen Forscher als ein geräumiger Hörsaal öffnet, um die im Gebiete der Wissenschaft gemachten Entdeckungen zu verbreiten: — so betrübt es den Menschenfreund nicht wenig, die Grundlage aller sittlichen Vervollkommnung, die eigentliche Bedingung des Lebensprinzips der gläubigen Menge, die Schule, noch oft in einem Chaos verworrener Elemente versunken, ohne Plan, Verfassung und *) Unter Schule wird hier ganz besonders der Unterricht in den Religionswissenschaften verstanden; doch dürfte der Begriff im weitesten Sinne des Wortes zu nehmen sein. Anm. Die Klagen, welche der folgende Aufsatz theils ausspricht, theils andeutet, treffen, wie uns scheint, mehr die nordwestliche Seite Deutschlands, emen Theil der Rheingegend, den Elsaß und verschiedene andere, wo von oben herab noch wenig gethan ist, um das Schulwesen vor Mißbrauch zu sichern. Die Sache verdient «ine öffentliche' Erörterung. D. H. Bedeutung , ja ohne alles Selbstgefühl dessen, was sie will und soll, in Verfall geraihen zu sehn. Dies mag manchen seltsam bedünten, der von einer wirklichen Existenz israelitischer Lehranstalten aus der Vorzeit kaum eine Spur zu entdecken wahnt, und weder den geistlosen Uebungen im Uebersetzen des Pentateuchs und deren Commentare den Namen einer Schule, noch den sinnentstellenden exegetischen Vorträgen, den einer theologischen Fakultät gewährend, wird er die auf den Trümmern zerfallener Sophismen sich erhebende Gegenwatt für die eigentliche Gründerin schulmäßiger Bildung erkennen. Aber das Werk nur kann den Meister loben, und bei einem unpartheiischen Rückblick auf die Leistungen unserer altväterischen Lehrer mit dem Zwitterwesen im neuesten Geschmack verglichen, muß der ernste Beobachter zu dem traurigen Geständniß sich verpflichtet fühlen, daß jener alte Sauerteig ein kräftiges Brod bereitete, das den an Altersschwäche leidenden Körper mit nährenden Kräften versorgend, doch in würdevoller Stellung erhielt, während die aufblähende Gähre unsrer Tage mit ihrem auf der Zunge zergehenden Biscuit, diesem saft- und kraftlosen Gebäcks von zwiefach verdorbener Natur, das stolze Haupt kaum vor einem schmählichen Falle sichert. Der Rationalismus ist es nicht sowohl als dessen Halbheit und das unsichere Laviren seiner Steuermänner, welche das Kirchenschiff der gefährlichsten aller Klippen aussetzen — sich in sich selbst zu annihiliren. — Die Abgestumpftheit für das Studium der heiligen Schriften und der darin begründete Jndifferentismus können als Belege einer nicht aus der Luft gegriffenen Behauptung gelten, wenn uns noch geschichtliche Ereignisse zu der unbedingten Annahme veranlassen, daß aus dem himmlischen Borne jener lautern Urkunden unsere Religion seit chrer wunderbaren Erscheinung und beispiellosen Wanderung auf Erden, die Kraft zu ihrer Unverwüstlichkeit schöpfte. Wie wünschenswerth daher auch die dringenden Bedürfnisse des gebieterisch fordernden Zeitgeistes eine Reform predigen, wie viel sogar, um im radicalen Tone z« sprechen, von den ceremoniellen Umzäunungen, unbeschadet des geheiligten Kernes, wegfallen darf und soll — es kann nicht fehlen, daß sich selbst vorurtheilsfreie Männer mir ängstlicher Scheu von einem Systeme entfernen, in dessen bedeutungsvoller Krisis 2«