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Israelitische Annalen · 1840-01-03 · Heft 1 (3.1.1840) · p. Seite 8

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 1 (3.1.1840)
Date
1840-01-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Dersorgongsanstalt für israelitische Waisen in ganz Bayern zur Erziehung und Heranbildung von nützlichen Bürgern an, indem er mit rührenden und überzeugenden Worten die Nothlvendigkeit und das' Bedürfniß einer solchen Anstalt schilderte, und darauf hinwies, daß der Fond des obenbesprochenen Wvhlthätigkeits- Vereins dazu verwendet werden könne. Das Wort, auf der Kanzel gesprochen, sollte nun zur Thal werden. — Es traten bald einige achtbare Männer aus der hiesigen Gemeinde zusammen, um sich über diese von ihrem Rabbiner jsn Anregung gebrachte Anstalt zu consultiren. Sie erkannten das Bedürfniß einer solchen, und billigten den angegebenen Vorschlag. Es wurde demnach aus ihrer Mitte eine Commission niedergesetzt, welche unter Leitung des Herrn Rabbiners die bisherigen Leistungen, so wie überhaupt das ganze Wesen dieses Vereins revidiren sollte. Das Resultat dieser Revision, zeigte, daß nicht nur eine Umbildung nöthig sei, sondern daß ein neues und frisches Leben in denselben gebracht werden müsse, wenn er das vorgesteckte Ziel nur einiger Maßen erreichen will. Ist aber der bisherige Zweck nicht erreicht worden, so fragt es sich, welche andere Tendenz ihm unterlegen? Soll dieses dreizehnjährige würdige Denkmal, das sich die hiesige israelitische Gemeinde bei der .Einweihung ihres prachtvollen Gotteshauses gesetzt, nach und nach vermodern oder gar in Trümmer zerfallen?! ' Und doch gibt es Stimmen, welche die frühere Tendenz dieses Vereins unverändert wissen wollen, nicht beamtend, daß das Gute dem Besseren weichen müsse, daß wir nun dreizehn Jahre alter, und daß die Liebe zu den Handwerken überhaupt unter uns stärker geworden, und eine Prämie von 50 oder 100 fl. Niemanden bestimmen werde, wenn er nicht ohnehin Neigung zu einer schwerer» Profession hat, die eines Mauerers, Grobschmieds u. dgl. statt einer leichtern zu wählen; während man Waisenkinder von ihrer frühesten Jugend an leichter dazu erziehen und daran gewöhnen könnte, daß sie zu jedem, auch zu dem bei Israeliten noch ungewöhnlichsten Gewerbe tauglich würden und Neigung dazu bekämen. Andere wollen zwar den Verein in eine Waisenanstalt nmgestalten, aber dieselbe nur auf die hiesige Gemeinde beschränken, ohne zu bedenken, daß die Anstalt, wenn sie sich über das ganze Vaterland erstreckt, um so mehr eines eigentlichen Wachsthumes, und Gedeihens sich erfreuen könne, je größer» Segen sie verbreitet, und daß der Wirkungskreis derselben um so größer werde, je allgemeiner sie ist. — Bei so getheilten Gesinnungen und Absichten steht zu befürchten, daß die Wenigen, deren ^Meinung dahin geht, daß das Alte dem Neuen, wenn es besser, heilsamer und segenbringender ist — was hier gewiß der Fall — den PUtz räumen müsse, und die ihre Glaubensgenossen des ganzen Vaterlandes mit in den schönen Bund aufnehmen wollen, mit ihrem uneigennützigen Plane nicht durchdringen. Cencordia res parvae crescunt, discordia maximae dilabuntur. — — Aus einer andern Mittheilung. — Die Angelegenheit des Handwerksvereines verdient einige. Aufmerksamkeitt. Die ausgezeichnet lobenswerthen Bestrebungen 'des Herrn Rabb. Aub, welchem es darum zu thun ist, bei aller Festigkeit in religiösem Leben, doch die bürgerliche Rüstigkeit und Rührigkeit der ärmern Classe auf alle Weise zu fördern, müssen nicht bloß zu seiner Anerkennung geschildert, sondern auch als ermunterndes Beispiel für seine Amtsgenossen ausgestellt, und noch mehr dem Eifer seiner Landsleute empfohlen werden, damit sie nicht durch unrichtige Ansichten einzelner Opponenten allzuviele Hindernisse finden mögen. Grvßherzogthum Baden: Schulwesen. — Die erste öffentliche israelitische Volksschule wurde im JahrOl82l zu Mannheim von Herrn Strasburger gegründet, an dessen Stelle bald darauf, im Jahr 1822, der gegenwärtige'Oberlehrer Hr. Dr. Wolfs die Leitung übernahm, welcher, kräftigst unterstützt von dem damaligen Kreisrathe, jetzigem Regierungsdirektor, Geh. R. Dahmen und dem israel. Schulvorstande, in Stand gesetzt ward, den Lehrplan zu erweitern, das Lehrpersonal nach und nach zu vermehren, und endlich eine Industrieschule damit in Verbindung zu bringen, so daß diese Anstalt, bis auf den heutigen Tag, nicht blos den ersten Rang unter den israel. Schulen Badens behauptet, sondern auch den besten christlichen Volksschulen gleichkommt. Es wirken gegenwärtig an dieser Anstalt zwei Hauptlehrer, fünf Nebenlchrer und zwei Industrielchrerinnen. Ein Jahr später (1823) erstand die össrntlichp zu Heidolborg unter L«itung des Oberlehrers und Predigers.Hrn. vr. Reh fuß, und bald nachher die Schule in Carlsruhe, welche fich beide eines guten Fortganges erfreuen. Viele andere Gemeinden hatten gewünscht, das Beispiel dieser genannten Städte nachzuahmen, aber es mangelte noch zur Zeit an tauglichen Subjekten, welchen man die Führung einer Schule hätte anvertrauen können. Als daher im I. 1825 das evangelische Schullehrer-Seminar in Carlsruhe errichtet und von vielen israelitischen Jünglingen besucht ward, hatte der Oberrath dafür gesorgt, daß die in diesem Institute gebildeten Schulkandidaten, bald nach ihrer Prüfung, in den bedeutendern isr. Gemeinden öffentliche Volksschulen organisirten. Solcher Gestalt wuchs mit jedem Jahre die Anzahl der isr. Schulen. Den größten Antheil an diesem erfreulichen Fortgang des isr. Schulwesens hatte aber unstreitig die in oben erwähnter Ministerial-Verfügung verordneten Bildung einer eigenen Conferenz für die Schulangelegenheiten. In dieser Conferenz — bestehend aus sämmtlichen Mitgliedern des Oberraths, den Ortsältesten der Stabt Carlsruhe und je dinem Mitgliede jeder der beiden Großh. Kirchensektionen — werden, nach §. 6 der angef. Verfügung, „die Angelegenheiten der von den Israeliten gebildeten weltlichen Volksschulen, die Prüfung der Lehrer in weltlichen Lehrgegenständen, die Aufnahme derselben in die Kandidatenliste, ihre Gesuche uni Anstellung, Pensionirung und alles, was dahin gehört, die Prüfung der Rabbinatskandidaten in weltlichen Lehrgegenständen, so wie alle jene Gegenstände erledigt, welche auf die Aufrechthaltung des Studienplanes für israe-

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