Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 1 (3.1.1840)
- Date
- 1840-01-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Wir haben mit der Aufnahme obiger Darstellung gleichzeitig unfern Lesern nicht bloß unsere Unpartheilichkeit darthun, sondern auch zugleich darauf Hinweisen wollen, daß die Anhänger der angegriffenen Meinungen gerade nicht aus Unwissenheit und Nachbeterei urtheilen, sondern ebenfalls ihre Gründe quellenmäßig zu entwickeln wissen. — Für den Zweck der Annalen glauben wir aber dieses Thema nunmehr genügend erschöpft zu haben, und wenn nicht ganz neue Thatsachen vorgeführt werden, wünschen wir den Streit in unfern Blättern nicht weiter zu verfolgen. Nachrichten und Correspontzenzen. Königsberg, 12. Decembcr. — SichermVernehmen nach wird binnen Kurzem ein nicht unverdienstvolles Werk in Wilna die Presse verlassen. Es ist das bereits vor Zähren zum Druck übergebene rnirP rV3* eine israelitische Religions- und Literaturgeschichte enthaltend, von dem bekannten Gelehrten Z. B. Lewinsohn in Kremnitz, dem Verfasser des T6»da beisrael (Wilna, 1828) und Efes damim (das. 1837.) Diese Schrift, aus der Feder eines Mannes geflossen, der den schönen, fließenden hebräischen Ausdruck mit Sachkcnntniß, Fleiß und wissenschaftlichem Streben vereinigt, dürste die Aufmerksamkeit aller Kenneraugen, besonders des größern Publikums der slavenländischen Israeliten auf sich ziehen. Für die letztem um so mehr, als der Verfasser daselbst über Zsraelitenthums Grundbogmen — wenn wir anders gut unterrichtet sind —sich offen, ohne Hehl und Scheu ausgesprochen. Möge dieses bald erscheinende Werk eine recht umfangsreiche Verbreitung finden und einigermaßen dazu beitragen, dem wackern, in ungünstigen Verhältnissen lebenden Verfasser, dem wie es scheint, das Schicksal hart auf die Ferse tritt, möglichsterweise eine sorgenfreiere Zukunft zu gründen! S. M. Wien, Deeember 183». — Die angeregte Berufung des berühmten Rapaport nach Prag, bildet noch immer in seiner Umgebung einen Gegenstand vielfacher Zntriguen, in denen sich das (S. 231 der Annalen von 183») bei Gelegenheit des Rosenthal'schen Machwerks genannte Triumvirat ganz besonders geschäftig zeigt. Es ist fast unglaublich, welcher dreisten Mittel sich diese Leute bedienen, um literarische Notabilitäten zu verdächtigen. Man muß sich oftmals fragen, welchen Standpunkt die Gelehrsamkeit wohl erreicht haben mag, da wo Pamphlete der Art, wie dieselben in die Welt zu senden versucht haben, Eingang finden können; Pamphlete, in denen die kläglichste Splitterrichterei zu lächerlichen Triumphen über Männer von hohen Verdiensten benutzt wird. Wie sehr? auch in Deutschland dergleichen elende Schreibereien verachtet werden, so ist man doch in Gallizien noch nicht wissenschaftlich vorbereitet genug, um dieselben nach Verdienst zu würdigen; und man schämt sich nicht, unter andern einen Reggio des Unglaubens (!) zu beschuldigen, weil er den Uebertritt des Aristoteles zum Judenthum für eine unbegründete Sage erklärt hat. Leider mischt sich viel Persönlichkeit in die wissenschaftlichen Streitigkeiten, und wir haben jetzt eine neue Broschüre gegen Rap. zu erwarten, welche vielleicht bei Unwissenden oder Fanatikern nicht eindruckslos vorüber geht. Das Oalumvlare audacter, semper aliquid haeret, gilt hier in seiner ganzen Wahrheit. — Uebrigens wird bei den mehrseitigen Beleuchtungen dieser Versuche durch öffentliche Blätter allmählich alles Schlechte doch entlarvt und auf jeden Fall unschädlich gemacht. — Prag, Deeember. — Das neue Bethaus, an welchem Herr Dr. M. Sachs, rühmlichst durch seine Psalmenübersetzung bekannt, als Prediger fungirt, und über dessen Stellung, Bedeutung und Wirksamkeit die Annalen nächstens ausführlicher berichten werden, blühet auf eine höchst erfreuliche Weise empor, gewinnt immer mehr an wahrhafter Theilnahme und zeigt sich durch wohlthuende Wirkung als ein thatsächliches Bedürfniß der hiesigen Gemeinde. München, 3. Deeember. — Folgende Thatsache dürfte sich wohl zur öffentlichen Besprechung eignen, wenn gleich sie nicht unmittelbar in allgemeine Interessen eingreift. Es ist allgemein anerkannt, und durch den Erfolg hinlänglich begründet, daß die jüdischen Institute und Vereine, welche gestiftet wurden, theils um die unbemittelten Knaben und Jünglinge den Künsten und Wissenschaften zuzuführen, theils um sie ein anständiges Gewerbe erlernen zu lassen, von höchst wichtiger Bedeutung für die bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten überhaupt, nnd für den Einzelnen eine wahre Wohlthat sind. Während in frühem Zeiten, ehe noch die Israeliten ein solcher Geist beseelte, der arme Knabe gleichsam sich selbst überlassen oder in die Welt hinausgestoßen wurde, und wenn ihn nicht eine milbthätige Hand aus dem Schlamme des Müßiggangs und der Unthätigkeit herauszog, den Bettelstab ergreifen oder den unseligen Schacherhandel betreiben mußte; so wird es jetzt eben durch diese Institute dem unbemittelten Familienvater möglich gemacht, anstatt dieser traurigen Alternative, seinen Sohn einem edlen, bürgerlichen Beruf zu bestimmen. Auch die hiesige israelitische Gemeinde hat unter andern schönen und nützlichen Vereinen, vor dreizehn Zähren einen Wohlthätigkeits-Verein gestiftet, dessen Zweck sein sollte: durch Unterstützung die israelitische Zugend zu schwerem Professionen und zum Ackerbau zu ermuntern. Ich sage sein sollte, weil der Verein, obgleich unter dem allergnädigsten Schutze Sr. Majestät stehend, schon in den ersten Zähren seines Wirkens den Erwartungen, die man von ihm hegte und zu Hegen berechtigt war, nicht genügend entsprach, und seit einigen Zähren zu wirken ganz aufgehört hat. Die Gründe dafür auseinander zu setzen, finde ich hier nicht geeignet; vielleicht komme ich später wieder darauf zurück. — Der Verein aber war seiner Auflösung nahe. Am verflossenen Pessachfeste nun regte der hiesige Herr Rabbiner Aub bei der hiesigen Gemeinde in einer eben so geistvollen als herzerhebcüden Predigt die Bildung einer