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Israelitische Annalen · 1840-01-03 · Heft 1 (3.1.1840) · p. Seite 5

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 1 (3.1.1840)
Date
1840-01-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Maimoiri-es und seine neuern Gegner. Von <H. K. in Thor.n. *) ^lläistur & altera pars. Wie? der Helle Morgenstern Israels verdunkelt? herabgcsunken aus dem hohen Himmelszelt? Kann wohl die Mücke mit ihrer Flügel Schatten das Sonnenlicht adhalten? Kann wohl die Ameise sprechen; ich will hinauf und neben des Adlers Horst meine Kammer bauen, ihn aber zur Erde hinabwerfen? Da würben die Erdenkinder seiner spotten: Hast du etwa hochtragende Schwingen? kennst du des Adlers Weg am Himmel? Schaust du seine Höhe und Größe! Kannst du auch nur zum Theil ihn erreichen? Dein Wirken ist hier im Staube, nicht recke dich empor**) und wag<es nicht, mit dreister Rede aufzutreten, gegen den Inbegriff aller Weisheit und tiefer Wissenschaft, den verehrtesten Lehrer in Israel, eben so scharfsinnig in Gesetzlehre, wie in Kunde des Thalmuds, groß in der Philosophie wie in Arzneikunde und in allen Kenntnissen, gegen unfern gepriesenen Mose b. Maimun, gesegneten Andenkens. „Dieser Mann Moseh" ist es, dessen Geist sich über das Erdenrund verbreitet hat; Israels und anderer. Völker Gelehrte preisen seinen Namen und schöpfen aus dem Born seiner Weisheit; wenn sein Licht glänzt, wird es um sie Helle; wenn ihre Lampe erlischt, zünden sie an seinem Feuer sie an! Drum ihr, die ihr im Dunkeln wandelt, erkennt in ihm die Sonne Israels, danket ihm für seinen weisen Unterricht, für die Leitung zur Erkenntniß und Sittlichkeit, die er gewährt, durch edles und wohlgefälliges Wort, das seinen Lippen entströmt! Du, unser Lehrer, Mose, bist der Trefflichste der Menschenkinder! Dir sind der Weisheit Tiefen offenbart, dir das Verborgenste unverschlossen! „Wo ist der Ort der Einsicht," den du nicht beleuchtest? Was viele und wackere Männer nicht einzeln erlangten, das faßtest du zusammen! Du drängest ein in die entlegensten Kammern der Wissenschaft. Zn den Wogen des Thalmud-Meeres führet deine Hand mich besser, als alle Söhne des Morgens; „steige ich zum Himmel" zur Erkundung der Sterne, „auch da bist du;" „gehe ich hinab in der Erden Gründe," so bist du da; du erforschest die Natur, und „redest über Bäume und Steine und Kräuter;" will ich des Menschen Wesen erkennen, „so faßt mich deine Rechte;" die Welt des *) Nach dem Inhalte eines in überaus schönem hebräischen Style verfaßten Aufsatzes in seinem eigenen Colorit frei bearbeitet vom Herausgeber. **) Als Bildersprache mag dies gelten. Allein alle Bescheidenheit schließt eine ruhige Kritik nicht aus; und wir möchten dem Grundsatz nicht huldigen, daß jeder Krilitiker auf der ganzen Höbe seines Meisters stehen müsse, um dessen einzelne Mißgriffe zu erkennen. Uebrigens haben ja schon die anerkanntesten Männer, und zu diesen gehören auch die Neuern, an des M. Lehre manches auszusetzen gefunden, früberhin sie sogar feindlich bekämpft. Auch die ausgezeichnetsten Werke dürfen sich der Kritik nicht entziehen. I. Gedankens ist dein; in der Logik strahlt mir dein Licht, der Arithmetik und Geometrie sind deine Werke voll, und in Metaphysik und Erkenntniß des Höchsten sind wunderbar seine Werke! Man erstaunt, wie ein kurzes Crdenleben so viel erreichen konnte? Nur ein göttlicher Geist und eine unerschöpfliche Gottesfurcht und Frömmigkeit vermochten dich zu solcher Höhe zu erheben, und dir die Sprache zu leihen, um die Irrenden auf den rechten Weg zu führen. Ist es wohl billig, einem Mann von solchen Verdiensten alle seine Wohlthaten mit Undank zu vergelten? Seine edeln Absichten zu verkennen? seine Worte zu entstellen? Wenn die große Eiche, in deren Schatten so viele ruhen, gefällt wird, was wirb aus dem Dornstrauch im Walde? Schon sehe ich, wie einige Anklagen der neuern Gelehrten, von andern mit Begierde aufgefaßt werden, welche den Heiligen Israels übereilt einen Ketzer nennen! Ist dem aber auch so? Sind die Beschuldigungen auch wohl wahr und gerecht? Kommt herbei, ihr Wahrheitsfreunde und vernehmt des Maimonides eigene Worte, sie mögen sein Recht verkünden! Inden Grunblehren (mmn HID1)1^13drückt er sich also aus: „Ich sage, daß der nur würdig ist im P aradiese (d. h. bekanntlich in der höhern Philosophie) zu wandeln, welcher sich zuvor mir Brod und Fleisch gesättigt hat, d. h. wer vorher die Gesetzkunde sich angeeignet hat; denn die Gesetze machen erst den Geist für das Höhere empfänglich. Zudem sind die Gesetze das von Gott gegebene Mittel zum künftigen Leben zu gelangen, und sie sind jedem Mann oder jeder Frau, Fähigen und Minderfähigen zugänglich re." Im Abschnitt Buße (rDlBTI *^n) H 5. heißt es: Da bekanntlich der Lohn für die Gesetzgebung und für die. Beobachtung der göttlichen Wege, das zu erwartende Glück, das künftige Leben ist rc." Hier sagt er also mit klaren Worten, daß das künftige Leben als Belohnung der Tugend und der Gesetzübung jedem Einzelnen, selbst Frauen und Schwachköpfen zu Theil werde; — so kann sich doch nicht ein Philosoph ausdrücken, welcher alle individuelle Eristenz leugnete und der Meinung zugethan wäre, baß der denkende Geist völlig in die allgemeine Denkkraft aufgehen werde! Denn hiermit wäre ja Belohnung und Verdienst der Sittlichkeit jedes Einzelnen ganz unvereinbar! Zwar-heißt es daselbst: „Und wer alles thut, was darin geschrieben ist, und sich dessen recht vollständig bewußt ist, erwirbt sich ewige Seligkeit." Allein daraus kann nicht folgen, daß nur die mit der ganzen Vollkommenheit des Gedankens verbundene Pflichtübung der Seligkeit theilhaftig werbe; sondern nur daß das klare Bewußtsein und die möglichst vollkommene Gotteserkenntniß das Verdienst noch vermehre; denn das Streben nach Erkenntniß ist selbst eine der höhern Pflichten, wie denn auch David seinen Sohn ermahnt, Gott zu erkennen und ihm treu zu dienen. Was den Begriff der Seligkeit anbelangt, so entfernt MaimonideS alles Sinnliche ausdrücklich aus demselben, indem er sagt, es fei hier von keinem körperlichen Ge-

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