Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 52 (27.12.1839)
- Date
- 1839-12-27
- Page
- Seite 410 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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410 möge Decrets Josephs I. eine Synagoge eröffnet. 1747 wurden die ersten Gemeinde-Statuten entworfen und von der Kaiserl. Regierung bestätigt. Sobald die Israeliten sich des höchsten Schutzes erfreueten und als Trieft zum Freihafen erklärt ward, zeigte sich auch hier, wie an andern Orten, ihre Thätigkeit in ihrer ganzen Ausdehnung. Im Jahr 1756 errichtete ein Luzzato eine Lederfabrik, 1759 Raffael Marsilio eine Papierfabrik; 1760 ward Marco Levi, wegen feiner treuen Dienste und großen Einsichten zum Hofagent Ihrer Majestät Maria Theresia ernannt; 1771 gab diese Kaiserin den Israeliten viele Privilegien, als Zeugniß — wie das Kaiserl. Decret besagt, ihrer Zufriedenheit über ihre Mitwirkung zum Emporkommen der aufblühenden Stadt. Sie ernannte in der Folge zum Hoffactor Joachim Hirschel, Großvater des jetzt lebenden Mose Hirsch el, welcher für den reichsten und wohlthätigsten Mann in der ganzen Stadt gehalten wird. — Mit Joseph II. ging ihnen 1780 eine neue Sonne auf; israelitische Normalschulen wurden eröffnet; es ward ihnen vom Kaiser, was bisher nicht statt fand, erlaubt, die Hochschule zu besuchen, sie wurden für fähig erklärt, als Börsendeputirte zu fungiren, und das Ghetto ward aufgehoben, selbst dessen Name abgeschaffr. So klein auch die Anzahl der Israeliten damals noch in dieser Stadt war, so waren sie doch die Ersten, welche den weisen und verständigen Vorschlägen des Hartwig Wessely zur Besserung des Erziehungswesens Gehör gaben, indem sie 1782 eine Thalmudschule nach den Grundsätzen dieses würdigen Mitarbeiters (?) Mendelssohns errichteten. Gleichzeitig bereicherten die Israeliten, welche man mit Unrecht beschuldigt, nur für den Kleinhandel Sinn zu haben, die Stadt mit vielen Fabriken. Isaak Curiel errichtete 1787 eine, in einer Hafenstadt so nöthige Pechfabrik, 1808 errichtete Anselmo Finzi eine Seifenfabrik, welche jetzt so sehr sich ausgedehnt hat, daß sie den Titel Nationalfabrik mit vielen Privilegien erhalten; 1816 entstand die Fabrik von Cremor Tartari unter der Firma Coen e Finzi. In den letzten dreißig Jahren hat sich die israelitische Bevölkerung ungemein vermehrt und an Wohlhabenheit und schönen Anstalten ebenfalls zugenommen, so wie auch einen bedeutenden commerziellen Einfluß gewonnen. Die Gemeinde, welche in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus etwa 20 Familien bestand, zählt jetzt über 2600 Seelen. Schon seit 1821 besitzt sie eine Normal-Hauptschule für Knaben, welche das Prädicar Kaiserl. Königl. Hauptschule führt, und eine Volksschule für Mädchen. In beiden Anstalten unterrichten geprüfte Lehrer und Lehrerinnen. Beide werden von der Gemeinde erhalten und kosten jährlich 4200 fl. Die Zahl der Kinder beläuft sich auf 150. Es wor in demselben Jahre 1821, als der verewigte Kaiser Franz I. verordnete, daß den Israeliten seiner Staaten, wie bisher, gestattet sein solle, thre Gebete in der alten hebräischen Sprache abzuhalten, weise hinzufügend, daß die Gebete gleichzeitig in die jedesmalige Landessprache übersetzt werden sollten. Damals war es ein Triester Israelit und zwar kein anderer als der jetzt so berühmt gewordene Samuel David Luzzato, welcher zur Zeit kaum das 4tc Luftrum seines Alters zurückgelegt hatte, — er war es, welcher durch die Uebersetzung der Gebete in's Italienische dem Allerhöchsten Decrete auf ehrenvolle Weise entsprach. Die Gemeinde von Trieft darf darauf stolz sein, ihren Landsleuten einen solchen Mann gegeben zu haben, der durch philosophische Untersuchungen, vortreffliche Verse und ausgezeichneten Unterricht in der Rabbinenschule zu Padua die hebräische Literatur in Italien so sehr gehoben har, und es nicht zuließ, daß die nicht - israelitischen Gelehrten sich rühmten, für unsere Literatur mehr zu leisten als wir selbst. Verschieden von dieser Schule ist die Anstalt für Religionsstudien, welche der Ritter Abraham Cologna, Rabbiner hieselbft 1827 bis 1832, erneuerte und vortrefflich ausftattere; eine Schule, wo Bibel und Traditionswerke nach philosophischer und rationaler Methode gelehrt werden. Sie kostet 3000 fl. jährlich. Es ist zu hoffen, daß aus dieser Schule die jungen Leute besser als bisher in der väterlichen Religion unterrichtet und vielleicht auch einige Gelehrte besser hervorgehen werden; leider sind wir jetzt so arm in der hebräischen Gelehrsamkeit, daß kaum noch eine kleine row sich hält, und das mehr zur Erbauung weniger Frommen, als zum öffentlichen Nutzen. Besser versehen sind die Wohlthä'tigkeitsanftalten, und die Freigebigkeit in dieser Hinsicht erregt Erstaunen. Außer einem Hospital, welches schon 15,000 fl. Capital hat, außer einer wohlgeordneten