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Israelitische Annalen · 1839-12-20 · Heft 51 (20.12.1839) · p. Seite 407

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 51 (20.12.1839)
Date
1839-12-20
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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407 nach Palästina. Der Herausgeber begleitet das Ganze mit gelehrten Anmerkungen und Erläuterungen. Endlich noch ein Wort des Herausgebers über das (n^iv. S. 5u. 274) mit Unrecht dem Aden Esra zugeschriebene Werk dessen Vers, der Vorrede zufolge nach Maimvmdes gelebt hat, dessen Werke er benutzt hat. Zuletzt noch ein sehr schönes Gedicht. — Das ganze Werk, etwa 1V Bogen stark, wird lateinisch den Titel führen: Virgo filia Jehudae Excerpta ex inedito celeberrimi Jehudae Levitae Divano praefatione & notis illustrata Samuele Davide Luzzato iu collegio Kabbinico Patavino professore. Würzburg, den 1. December. 1839. — Vor einigen Wochen zirkulirte im Landgerichts - Bezirke Neustadt ein rentamlliches Schreiben, welches die Ortsvorsteher aufforberte, ein Verzeichniß der jüdischen Oekonomen und Handwerker einzureichen. Zn Betreff des herannahenden Landtages zweifelte man nickt, daß etwaige Verbesserungen der jüdischen Verhältnisse beabsichtigt würben. Allein es war ein euler Wahn und die Hoffnung hat sich in Befürchtung verwandelt. Der Zweck jener Aufforderung ist, wie sich nun hcrausgestellt hat. folgender: Durck eine allerhöchste Verordnung vom 30. Jan. 1824 sind alle jüdischen Oekonomen und Handwerker vom Receptionö- und Schutzgelde befreit, in Folge welcher auch bis jetzt jene Oekonomen und Handwerker, die nicht mittelbare Unterthanen sind, von allen Ausnahmsgelbern befreit und in Ansehung aller ihrer Abgaben den Christen gleichgestellt waren. Vermöge eines Dekrets der königlichen Regierung von Unterfranken und Aschaffcnburg, Kammer der Finanzen, Oktober 1839. soll nun aber bestimmt worben sein, baß nach jener Verordnung Oekonomen und Handwerker nur von Receptions- und Sckutzgeld befreit wären, ober die außer den letztgenannten Abgaben bestehenden (?) Neujahrsgelber, Actuarials- und Botengebuhren von ihnen entrichtet werden müßten. Welcher Rückschritt dieses ist, braucht nickt begreiflich gemacht zu werden und wir könnten uns nickt beruhigen, dürften wir nicht hoffen, daß unter vielgeliebter König solche Bestrebungen, ten jüdischen Oekonomen und Handwerkern neue Lasten aufzubürben. nimmermehr gut heißen werbe, um so weniger als diese Neujahrsgelder gar keinen rechtlichen Ursprung haben. Sie wurden nämlich zu einer Zeit verabreicht, als der jüdische Unterthan keine Steuern bezahlte und der Bezirksbeamte die Sporteln für sich bezog, zu jener Zeit halte diesem der Jude eine jährliche Abgabe zu leisten. Kann dieses aber auch jetzt noch Anwendung finden? Sonderbarer noch ist die Forderung der Bo ten gebühren. Früher ging nämlich ein Amtsbote umher, die Abgaben einzufordern und erhielt für seine Bemühung ein Neujahrgelb. Jetzt muß und soll der Jude wie jede auch diese neue Abgabe selbst bringen, soll selbst der Bote sein, aber dock das Botengeld bezahlen. Nein, das kann unser gerechter und weiser König, unsere gerechte und weise Slaatöregierung niemals billigen. — Es wirb wahrscheinlich dieser Gegenstand auf gesetzlichem Wege verhandelt werden und ich werde Ihnen das Nähere seiner Zeit mittheilen. — Orient. — Von den Verhältnissen der Israeliten zu Alexandrien erzählen glaubwürdige Reisende Folgendes. In früherer Zeit war die Zahl der unter Mehemed Äli's Regierung in Alexandrien wohnhaften türkischen Israeliten, welche, wenn auch zum Theil von europäischer Abkunft, doch gänzlich orientalische Tracht und Sitten angenommen hätten, bedeutend größer als jetzt. Die Verminderung war zunächst eine Folge der Pest. Ader auch andere-Umstände haben bas Verhältniß umgestaltet. Um sich der Tyrannei Mehemed's zu entziehen haken alle, die nur irgend aufweisen konnten daß sie von Europäern abstammten, welche einem christlichen Staate unterthan waren, davon Gebrauch gemacht, um sich unter den betreffenden europäischen Consul zu stellen, und manche haben durch Gelb und Einfluß sich ein solches Dokument verschafft, um ebenfalls den Schutz der Consuln ansprechen zu können. Die meisten Consuln nahmen sich der Bedrückten mit Humanität an, und retteten sie von der gewaltigen Habsucht des Pascha. Dieser verlor dadurch viele wohlhabende und unternehmende Untertbanen. Endlich merkte er, daß er nicht der Pest allein die Verluste zuzuschreiben habe, und die Türken behandelten diese Neu- Europäer auf alte Weise, luden sie vor ihre Gerichte u. s. f., so daß die Consuln beständig Reclamationen zu machen hatten. Dies bewog Mehemed zu befehlen, daß alle europäische Unterthanen ihre orientalische Tracht ablegen sollten, damit man sie äußerlich erkenne, und nur alten Leuten ward gestattet, doch mit europäischer Mütze, ihre Kleidung zu behalten. Die meisten sind dadurch europäisirt, und ihre Kinder erhalten Unterricht in Schrift und Sprache der Länder, denen sie gesetzlich angehören. Statistische Notizen. (Die Juden in Unterfranken und Aschaffenburg betreffend.) Unser Kreis, früher Untermainkreis genannt, hat bei der neuen Eintbeilung des Königreichs nur einen neuen Namen erhalten, ist aber in seinen frühern Verhältnissen unverändert geblieben. Es wohnen in demselben ohngefähr 17.590 Juden, die in vielen kleinen Gemeinden vertheilt sind, und nur wenige Orte, in welchen die Judcnfamilien die Zahl 49 übersteigen. Ich theile Ihnen übersichtlich einstweilen mehre Ortschaften mit. in welchen Juden wohnen, mit Angabe der Familien- und Seelenzahl, sowie auch der besondern Abgaben und Ausgaben, nebst Andeutuna. wie viel auf Lanbwirlhsckaft und Handwerk ansäßig sind. Rücksichtlick der letzteren darf nicht unbemerkt bleiben, daß in unserem Kreise erst seit 1817 die Erlernung eines Handwerks und der Ankauf von Feldgütern gesetzlich gestattet ist, weßwegen auch nur diejenigen darauf ansäßig sein können, welche seit jener Zeit ihre Ansäßigmachung erlangt haben. Ich glaube nicht, mich an eine bestimmte Reihenfolge halten zu müssen und bemerke nur noch, daß die gesammelten Notizen bereits ein Jahr alt sind, innerhalb welcher Zeit inbeß wenig sich verändert hat. was hier in Betracht zu ziehen wäre, mit Ausnahme der Extragelber, welche gefordert werden, größtentheils auch schon entrichtet werden, gegen welche jedoch die Juden den Recurs ergriffen haben. In folgenden Ortschaften unsers Kreises wohnen Juden: Arnstein mit 17 Familien ober etwa 79 Seelen. Die Gemeinde hat einen Reügionslehrer. der zugleich Vorsänger ist, und nebst freier Wohnung und Holz 159fl. Gehalt bat.*) Vor etwa 29 Jahren erbaute sie eine neue Synagoge und ein eignes SchulhauS auf ihre Kosten, was sie zur Aufnahme eines Kapitals veranlaßte, das zum Theil noch nicht abgetragen ist' und verzinst werden muß. Ferner ist, weil bei uns schon fast nirgends mehr ein Lebrer zugleich Schächter ist, ein solcher zu bezahlen und der Kultus fordert jährlich gleichfalls eine Bestreitungssumme von mehr als499fl. Vier sind als Handwerker, drei als ordentliche Kaufleute ansäßig. Auster den ersteren müssen sie sämmtlich Schutzgeld und zwar manche jährlich 15 fl. zahlen. Ferner bat die Gemeinde jährlich 27 fl. Neujahrgeld an bas Rentamt und 4 fl. 48 Kr. an das Pfarramt zu entrichten. *) Ick bemerke hier, was auch für alle folgenden Angaben gilt, daß wo keine Elementarschule besteht, die jüdischen Kinder die christliche Volksschule besuchen und die christlichen Lehrer dafür honoriren müssen. Daß übrigens die meisten Religionslehrer das Schullehrer-Seminar besucht und die Prüfung der Elementarlehrer bestanden haben, fast sämmtlich aber als Religionslehrer geprüft sind.

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