Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 51 (20.12.1839)
- Date
- 1839-12-20
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m der mit dem Prädicat unser Lehrer allgemein dort «er. ehrte Oberratbiner Jagia (pvp?). — Dieser Arzt war der Vater des Mose Hanum, welcher bei Sultan Suleiman 1520 angestellt warb. Nach Gebalja im Sch. liakk. 62. 1. waren auch Tam b. Jachaja und sein Sohn Joseph Aerzte an demselben Hofe. So scheint es sich auch zu verhalten, nach der Vorrede zu welcher zu Constantinopel zum zweiten Male 1525 herauskam, wo der Arzt Joseph seine Approbation giebt. Dieser Mose Hanum besoldete eine große Menge Gelehrte. Ganz besonders aber machte er sich verdient durch Beschützung seiner Glaubensbrüber gegen die gehässigen Anklagen der Christen. Es wurden damals viele Rabdinen von den Landesrichtern wegen der immer wiederholten Beschuldigung*), daß die Juden zum Osterfeste Christenblut trinken, ohne gehörige Prüfung verurtheilt und hingerichtet. Zn einer Stabt (ni^ND?) hieß es allgemein, ein Christ sei in's Haus eines Juden gegangen und verschwunden. Eine Menge Juden wurden darauf eingezogen und mit Schlägen und Foltern aller Art so lange gepeinigt, bis mehrere es nicht aushielten und eingestanden, ihn erschlagen zu haben; worauf alle sogleich aufgeknüpft wurden, dis aus den angesehepen Arzt, Jakob b. Joseph Abiub, welcher verbrannt ward. Nach einiger Zeit kehrte der vermißte Christ heiül, und warb allgemein als derjenige erkannt, um deßwillen so viele Unschuldige hingerichtet waren. Die Richter selbst überzeugten sich von der Wahrheit, und es zeigte sich, daß eine absichtliche Verabredung statt gefunden halte. Der Sultan ließ alsbald eine strenge Untersuchung anstellen und die Urheber bestrafen, befahl aber zugleich, daß ähnliche Anlagen von keinem andern Richter wieder angenommen, sondern vor den Divan selbst gebracht werden sollen. — (S. Joseph b. Virga zum Werke seines Vaters Scliedar Jehuda 54. 1.) — Der Leibarzt Mose wird auch seiner Gelehrsamkeit, insbesondere seiner Sprachkenntnisse wegen gerühmt, denn er verstand Hebräisch, Arabisch, Türkisch und Persisch gleich gut; er schrieb auch in persischer Sprache über den Pentateuch. Außer andern Zeitgenossen schreibt besonders über ihn der treffliche R. Salomo Athia aus Jerusalem in seiner Einleitung zu den Psalmen, wo er von seinen Reisen durch Constantinopel (1540) und die Türkei nach Italien, erzählt. Da das Werk sehr selten ist, so mögen hier seine Worte Platz finden: „In Constantinopel ist Mose sehr groß und hochgestellt bei Sultan Sulei man. Derselbe hat ungemeine Verdienste, würdig aufgezeichnet und in jeder Stadt und in jeder Familie zu allen Zeiten gelesen zu werden, daß er im ewigen Andenken bei der Nachwelt bleibe! Wollte ich seine großherzigen Handlungen einzeln aufzählen, so dürfte es ihm vielleicht mißfallen. Eine Menge Gelehrte hat er zusammen berufen, und eine Hochschule errichtet; das Haus dazu hat er erbauen lassen und große Summen auf die Anstalt verwendet. Dort wird beständig stubirt. Unerschöpflich ist dabei auch sonst seine Milbthätigkeit und seine Verwendung für seine Volksgenossen Tag für Tag, so daß er ihre Schutzmauer und Zuflucht ist jederzeit. — An der Spitze seiner Anstalt steht der sehr gelehrte R. Joseph Taitzak und der hochgeschätzte Thalmudist R. Samuel Hakhan." *) Sie ist leider auch unserm Jahrhundert noch nicht fremd. Einige interessante Artikel darüber gedenken wir durch die Annalen zu veröffentlichen. D. H. Nachrichten und Correspondenzen. Berlin, den 12. Dec. — Herr vr. Geiger hat das Preußische Staatsbürgerrecht erhalten, und wird nächste Woche nach Breslau abgehen, nachdem er die Zwischenzeit mit einer interessanten literarischen Arbeit ausgefüllt hat, die bald ans Licht treten wirb. Die Thatsache selbst, daß nämlich die unwürdigen Ränke und gehässigen Insinuationen, womit man den wackern Mann verfolgt, und bald von der religiösen Seite, bald gar in politischer Beziehung zu verdächtigen versucht hat, bei der erlauchten Preußischen Regierung keinen Eingang gefunden haben, ist nur ein neuer Beweis von dem hier herrschenden, oft genug verkannten Geiste der gerechten Würdigung persönlicher Verdienste und ächter Tauglichkeit zum Berufe. Die bisherige Zögerung hat eben so wenig ihren Grund gehabt in der Abneigung gegen alles innere Fortschreiten unsers Cultus, als die endliche Entschließung etwa den Beweis liefert, von besonderer Begünstigung einer bisher sehr zurückgedrängten Partei. Hier erkennt man darin nur den reinen Akt der Gerechtigkeit, und die Verfolgung des von jeher geltenden Verfahrens, Männern, die durch Fähigkeiten und Leistungen sich hervorthun, das Bürgerrecht gern zu ertheilen, — weil der Zuwachs an Intelligenz nur vortheilhaft sein kann. Daß eine Begünstigung der Intelligenz auch wirkliches Fortschreiten zur Folge habe, liegt in der Natur der Sache, und in so fern ist das an sich nur persönlich wichtige Ereigniß zugleich eine Manifestation des vorherrschenden Willens, Cultur und innere Besserung zu befördern. Mindestens wird dieser Erfolg dahin wirken, daß die böswillige Mißgunst oder die im Finstern schleichende Heuchelei und andere verächtliche Antriebe, nicht mehr hoffen dürfen, die erleuchteten diesseitigen Staatsmänner weder mit falschen Anklagen in öffentlichen Blättern, noch durch geheime und verdeckte Cabalen zu blenden. Ja es steht zu erwarten, daß die sogenannte Neologie, welche im Grunde nichts weiter bedeutet, als die Herbeiziehung neu gewonnener Wissenschaft zur nähern Kenntnis der so oft mißverstandenen ReligionSquellen, weit entfernt die betreffenden Männer anzuschwärzen, ihnen vielmehr überall zur Empfehlung gereichen werbe. Denn wie lange noch wird man behaupten wollen, daß ein blindes Umhertappen und Schleichen Erkenntniß sei, und daß die redlichen Bemühungen der Wissenschaft als eine Auflehnung verurtheilt werben müssen? Alle Beförderer ächter Erkenntnisse waren Neologen, oder mit andern Worten, sie lehrten etwas Neues, und machten die Unwissenden auf ihr wahres Heil aufmerksam. Die Erkenntniß allein bewirkt Sittlichkeit und zugleich bürgerliche Treue und Festigkeit des Charakters überhaupt. Die Fehler unsrer Zeit sind fast alle nur von starrsinnigem Fanatismus oder von jugendlicher Unerfahrenheit ausgegangen. Beide schwinden vor dem Lichte der Wissenschaft. Leipzig. — (Aus einer Mittheilung eines Freundes). „Da ich in den Annalen Nr. 44 nur kurz anqemerkt finde, daß unser gemeinschaftlicher Freund S. D. Luzzato zur Hochzeit seines Freundes in Brody, Herrn Osias Hirsch Schorr, ein Werkchen, betitelt: rnirp PQ p6)PQ/ in Druck giebt, so halte ich es für zweckmäßig Ihnen eine genauere Anzeige darüber mitzutheilen, und alle Alterthumsforscher auf diese werthvolle Erscheinung aufmerksam zu machen. — Das Werkchen enthält zuerst ein sehr schönes Hochzeitsgedicht vom Verfasser; hierauf folgt eine weitläufige Abhandlung voll tiefer Forschungen, und insbesondere der Inhalt des Divan von Juda hallevi, Verfasser des Cosari, eine alte Handschrift, welche er aus Tunis erkauft hatte. Dann folgen die Gesänge dieses großen Dichters; dieselben sind nicht einzelne Lieder, sondern bilden zwei Sammlungen, jede eine Gattung umfassend; die eine enthält 22 Hochzeit- Lieder und Gedichte, darunter eins auf die Hochzeit des berühmten Joseph b. Magas (Lehrer des Maimvnides), die zweite ist an sich kostbar und wichtig wegen der Neuheit, indem im ganzen Divan nichts ähnliches sich findet, nämlich 44 Lieder und 3 Episteln auf die Reise des Sängers