Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 51 (20.12.1839)
- Date
- 1839-12-20
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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405 mem Eifer bewogen, herkulische Arbeiten ausgeführt hat. Ader ich behaupte, daß er durch blinde Anhänglichkeit an Aristoteles, — besonders in Betreff der Ewigkeit der Welt, — durch gewaltsame Interpretation der Schrift und des Thalmuds, durch Erhebung der philosophischen Speculation zur religiösen Wichtigkeit, — während die Religion nur praktische Tugend ist und erblicher und empyrischer (?) Glaube, daher auch stets sich gleich und beständig; kcinesweges eine wandelbare und ungleiche Ueberzeugung — kurz durch Eintragung des fremden Geistes sich selbst getäuscht und irre geführt hat; sogar da, wo er das Iudenthum erläutern und reinigen und den wahren Geist darstellen will — wie man von solchem ausgezeichneten Genius wohl erwarten dürfte, sobald die arabischen Lehrer ihn nicht stören — hat er häufig ihn entstellt und unkennbar gemacht. Das hat denn auf der einen Seite Unglauben, und auf der andern—als nothwendige Reaction — Fanatismus erzeugt; und heute ist es die Aegide aller Freunde des Erotischen. Die heutigen Afterphilosophen machen es wie Maimonides zu seiner Zeit; sie tragen den Geist der Zeit in's Judenthum hinein, und wie viel dieses dabei gewonnen hat, wissen Sie sehr wohl. Maimonides ist das Idol und der Sckutzgott des Rationale sten, und so wird auch die Religion sich so weit erheben können, als hier Anbeter sich finden. So viel zur Rechtfertigung der Antriebe zur Erneuung des längst erloschenen Krieges gegen Maimonides. Ueber die gegen mich vorgebrachten Anklagen schweige ich, da nichts Triftiges von Ihnen oder Andern dargethan worden, um solche irgend zu begründen. Sie werden sagen, ich sei demnach ein Feind jedes Fortschrittes, ein sanatijcher Obscurant, welcher die Finsterniß der Dorurtheile und der Unwissenheit zu verewigen gedenke. — Keinesweges. Ich wünsche das Fortschreiten, aber von innen heraus, nicht von außen herein, was nur zerstört. Meine Hauplklage gegen Maimonides besteht gerade darin, daß, 'während alle altern Lehrer sowohl die Theorie als Praxis der Religion für guten Theils adänderbar nach Zeit und Umständen hielten und deßhalb eben, nichts aufschriebcn und das Aufschreiben untersagten, damit die Nachwelt die Freiheit behielte, die Lehren der Vorgänger zu modificiren, — „Iephta in seiner und Samuel in seiner Zeit!" — auch stets bei'm mündlichen Unterricht die Namen der Gegner und ihre Ansicht mit überlieferten, welches alles den Zweck hatte, spälern Lehrern große Freiheit zu gewähren; — er, mit einem mehr mahometanischen als jüdischen und thalmudischen Despotism, einen Codex bildete, damit alle Glaubenssätze und Uebungen bis in's Kleinste festgestellt und entschieden seien. Diese meine Klage beweist, daß ich nicht ein Feind des Fortschrcitcns und der Vervollkommnung der Religion bin. Zch verehre als Beförderer des Fortschritts Raschi und seinen Enkel Raschbam und alle die ohne fremden Einfluß, durch eigenes Studium gesunde Hermeneutik und Kritik einführten. Dies hätte zu größern Fortschritten geführt, hätte nicht die Afterphilosophie, welche nach Aden Esra und Maimonides alles Exotische begünstigte, die Anhänger des Einheimischen zu einer Reaction gebracht, aus welcher der kabbalistische Mysticismus hervorging, welcher fünf Jahrhunderte der Unwissenheit und des Aberglaubens zur Folge hatte. Wessely, einer der wenigen Anhänger des Einheimischen in neuerer Zeit und zugleich des Fortschreitens, hätte das Oberhaupt einer reformatorischen Schule werden können, welche vom wahren Geiste des Judenthums durchdrungen wäre. Aber die Umstände waren ihm nicht günstig und das Exotische siegte über den Mosaismus. Doch soll dieser wahre Judaismus uns nicht untergehen. Heil dem, welcher das Organ seiner Wiederbelebung wird. Viele und mächtige Gegner wird er finden, aber desto rühmlicher wird sein Kampf sein. Sie sagen vielleicht durch Verwerfung des Fremdartigen, willst du undankbar die Gemüther deiner Brüder von den Christen entfernen, welche so menschenfteundlich sie beschützen — nein! der christliche evangelische Geist ist nicht das, was ich exotisch nenne; denn das Christenthum, als Abzweigung vom Judenthume, ist diesem nicht ftemd und gegnerisch, und kann es nicht sein, besonders in seinem wesentlichen Theile, der Moral. Beiden fremd und entgegen ist die Athcn'sche Philosophie, welche nur eine eigennützige und prahlerische Moral athmet, eine geschwätzige und sophistische Philosophie, welche nur das Schöne, das Große, den Schein verehrt, nicht aber das Gute, das Wahre, die Wahrheit. Unsre Civilisation besteht aus diesen beiden Elementen, daher der große Contrast, welcher in unsrer Zeit überall herrscht. Wollte ich dieß ganz entwickeln, so würde es zu. viel Raum erfordern. Ich schließe, indem ich nur noch hinzufüge, daß die wahren Fortschritte in der Wissenschaft und die großen Entdeckungen von religiös gesinnten Männern. — also von solchen, die denselben Geist athmen, wie ihn das Judenthum will—ausgingen, einem Copernikus, Pascal, Baco, Locke, Newton, Franklin rc., und daß wenn Socrates ein Athener war, die Athener auch wirklich ihm den Giftbecher reichten. — Mit Achtung rc. S. D. L. Padua, 13. August 1839. Literarische und historische Analekten. Von vr. Car moly. 16. Zustände in Conftaminopel im I6ren Jahrhundert. Caleb Abba.— Joseph und Mose Hanum. (Schluß.) 2) Im Jahre 1512 dlühete Joseph Hanum, Leibarzt Selim's I., ein Mann von hohen Verdiensten um seine Glaubensbrüder aller Secten; besonders erfreucten sich seiner Gunst das Karaitenhaupt, Mose Beschitzi und die Gelehrten Abraham b. Jaisch, Schem Tob b. Zeruja und