Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 51 (20.12.1839)
- Date
- 1839-12-20
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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404 dem Elias wurden zweimal Engel Gottes zugesandt (1. Kön. 19, 5—7. S. Kön.1,3.) Sacharja aber, welcher sich selbst zu den später» zählte (Sach. 1, 4. 5) empfing die Erklärung seiner meisten Gesichte durch göttliche Abgesandte; denn jemehr Israels Theokratie ihren Glanz verlor, desto mehr entfernte sich die göttliche Herrlichkeit aus seiner Mitte (vergl. die Einleitung zu Echa Rabathi) mit ihrem Schwinden zogen die Engel hinweg, das prophetische Feuergefühl erlosch und die kalte Reflexion trat an dessen Stelle. Die heiligen Schriften der Israeliten, nicht aus einer logisch-philosophischen Speculation, sondern aus einem lebendig bildenden, poetisch-prophetischen Gefühle entsprungen, wollen nicht eine systematisch geordnete Theologie lehren, sondern mit dramatischer Beweglichkeit eine Theokratie darstellen, in welcher eine göttliche Vorsehung und Vergeltung einem jeden Zeitalter sich klar und deutlich offenbart. Unberücksichtigt bleibt deßhalb für jene Schriften eine jede Unterscheidung zwischeu Form und Wesen der Erscheinungen, eine jede Classification und Rangordnung derselben; denn sie sind theokratischen Inhaltes , wollen nur, mit Ausnahme der Schilderung von der vorabrahamitischen Zeit, das Verhältniß Gottes zu Israel darftellen und bleiben somit fern von allen theologischen Untersuchungen. Diese als Thätigkeiten des reflectirenden Verstandes tauchen erst dann auf aus dem Strome des israelitischen Religionslebens, als die Flamme der Theokratie erloschen und die Stimme der Prophetie verklungen war. Es war die Zeit während der Dauer des zweiten Jerusalem'schen Tempels, welche Israel einführte in die Hieroglyphenhallen chaldäischer Weisheit und persischer Theologumenen und es aufforderte, über die Objecte seines Glaubens nachzudenken, deren Wesen und Verhältnisse zu erforschen; ihm somit sein theokrarisches Leben schloß und sein theologisches öffnete. Nicht eine Staatsverfassung konnte seit diesem großen Wendepunkt des israelitischen Religionslebens einen Einfluß auf die Bildung seiner übersinnlichen Welt äußern, da seit diesem Punkte Israel keinen Staat, somit auch keine Verfassung eines solchen mehr besitzt; sondern die zeitlichen Theoreme derjenigen Völker, in deren Mitte seine Spekulationen niedergeschrieben und gelehrt wurden, wirkten auf die israelitisch-theologische Forschung jedesmal so sehr ein, daß dieselbe strebte, den in den heiligen Schriften niedergelegten Stoff zur übersinnlichen Welt für eine jede Zeit der Art zu verarbeiten und zu gestalten, daß er nach seiner bildlichen Darstellung den jedesmaligen herrschenden Ansichten entsprach. (Forts, folgt.) Brief über einen literarischen Angriff. Don S. D. L. an 2> S. R. (Schluß.) Während die jüdische Religion nach außen hin mehr als je in Achtung steht, erleidet sie im Innern eine bedauerliche Herabwürdigung. Alles ist jetzt bei uns nur niedere Nachahmung, achtbar nur das Fremde, das Nicht-Jüdische. Ob dies der Beobachtung der väterlichen Religion schädlich, ja verderblich ist, brauche ich nicht zu sagen; man darf heut darüber nicht einmal klagen. Allein über den Verfall der Sitten müßte man klagen dürfen, auch dieß wird jedoch nicht gestattet; man fordert, daß das Factum selbst geleugnet und das Gegentheil behauptet werde. *) Das ist der kategorische Jmperatif der Zeit. — Me ist dem abzuhelfen? i Man muß bas Judenthum gehörig beleuchten. Manche glau-! den ihren Gemeinsinn zu beweisen, wenn sie einige berühmte Israeliten, einen Aden Esra, Maimonides, Spinoza, Mendelssohn auch gegen Nicht - Israeliten Hochpreisen. Es hat dieß vielleicht den scheinbaren Nutzen, zu zeigen, daß es auch Israeliten von äußerer Bildung und Gelehrsamkeit gegeben hat; aber das Judenthum selbst verliert dabei, denn deren Berühmtheit wird eben nicht auf das, was sie nach einheimischen Quellen lehrten, sondern auf ihre arabischen, griechischen und andere Studien bezogen. Das Judenthum kann sich nur heben durch seine eigene Vortrefflichkeit, nicht als Wissenschaft, sondern als practische Disciplin, durch seine moralischen Wirkungen, in Anregung der Naturgefühle und selbst des Egoismus, zur Erzielung des Heiles, bas die Sünde nicht hoffen kann; — durch den Beweis, daß keine Philosoi phie im Stande ist, eine eben so beständige und uneigen-! nützige Tugend zu begründen.! Der Urheber unsrer Religion, der Schöpfer des Menj schen, kennt das Herz besser als die Philosophen; und unsere i mit fremdem Geiste durchdrungenen Gelehrten haben, statt j die himmlische Einfalt derselben zu erkennen, geglaubt, ihr einen wichtigen Dienst zu leisten, indem sie.ihr ein fremdes Gewand umgaben, ihre Farbe änderten und selbst Fleisch und Bein in Einklang mit der Zeit formten. Sie sollte! triumphiren, aber dadurch warb nur dem Gegner ein Ein- J siuß eingeräumt, dem fremden Geiste, der geschwätzigen Phi- J losophie Atbens, — in welcher allerdings das Judenthum;j lächerlich erscheinen muß. :j Behüte mich Gott davor, dem trefflichen Geiste und j Herzen des Maimonides seinen Werth entziehen zu wollen, j eines Mannes, der von außerordentlichen Kräften und from- *) Die Sitten haben sich in der That nicht verschlimmert, vielmehr in lausend Hinsichten und theilweise in ihrem Prinzipe seit 30 Jahren bedeutend gebessert. Wir sehen die Dinge nickt so schwarz. Die bessere Erziehung hat die schönsten Früchte getragen. Allenfalls wäre die frühere Eingezogenheit zu vermissen; aber was durch Weltlichkeu und Lebenslust an der Einfalt verloren ist, wird durch regsame Industrie ersetzt. Die Sitten der jünger» Welt sind gewiß nicht schlechter als die der Vorzeit.