Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 51 (20.12.1839)
- Date
- 1839-12-20
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133818--0463-3134607- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
403 die jährliche Rechnungsablegung im Sitzungssaale ausgestellt. So freudig ich nun die Emzelnheiten dieser großartigen Anstalt, welcher bald noch eine Arbeitsanstalr für Mädchen beigefügr werden soll, beschrieben habe, so ungern berichte ich über manche andere Zustände und Verhältnisse der Gemeinde, welche leider zu den eben berührten Vollkommenheiten nicht recht stimmen. Man baut zwar jetzt eine neue, schöne, große Synagoge, welche nächstens eingeweihet werden sott; auch besitzt die Gemeinde eine nicht werthlose Bibliothek mit manchen seltenen Manuskripten, allein ohne eine bessere Ordnung des Gottesdienstes ist mit jener nicht viel gethan, und die Bibliothek wird nicht vermehrt und vervollständigt. Außerdem fehlt es hier ganz und gar an einem geregelten Religionsunterricht. Die von Seiten hoher Regierung gegebene Erlaubniß, die Jugend in die öffentlichen Schulen zu schicken, hat den Religionsunterricht nicht gerade verdrängt, aber doch dahin geführt, daß er minder eifrig gefordert wird. Es bestehen zwar israelitische Religionsschulen oder Thalmud-Thora, aber hier wird nur das mechanische Sa'ngeln des Wochenabschnittes oder derHaphtara, auch Pentateuch mit Raschi, und pp gelehrt; aber welch ein trauriger Religionsunterricht! Dieser bedarf also noch einer gänzlichen Reform.— Der herrschende Ritus ist der Italienische. Als Menschen aber verdienen die mantuanischen Israeliten das Lob der höchsten Achtbarkeit; sie sind äußerst gastfrei und wohlthätig gegen Fremde und Arme, und für sich ungemein thätig und induftriös. Ihr Ghetto, nur noch im Munde des Volkes so genannt, bei der Municipalität aber nur unter dem Namen des 9ten Circondar's bekannt, besteht aus mehreren Gassen, welche alle recht reinlich gehalten werden und wo die schönsten Gewölbe mit kurzer und langer Maare, Quincaillerie, en gros et eu detail, mit Eßwaaren u. s. w., auch Kaffeehäuser anzutreffen sind. So viel ergiebt sich aus vorstehendem Berichte, daß in Mantua eine Menge vortrefflicher Elemente beisammen sind, aus welchen sich sehr viele gute Erfolge entwickeln können, wenn sie gehörig belebt werden. Die väterliche Unterstützung und Anerkennung, welche dort alles Gute bei der Regierung findet, läßt hoffen, daß die Gemeinde zu Mantua noch mehrere schöne Beispiele innerer Verbesserung geben werde; ihr Einfluß wird auf die kleinern Gemeinden ebenfalls wohlthätig einwirken. Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Angelo- und Dämonologie im Judenthume. Von Dr. D. Formstecher. (Fortsetzung.) Israel als Königthum behauptet zwar noch immer seine Gestalt als Theokratie, Gott giebt die Gesetze und bestraft den Uebertreter derselben und nicht der König; dieser muß sogar vom Propheten Tadel und Vorwürfe im Namen Gottes annehmen und nach dessen Aufforderungen sich richten. Das Verhältniß Israels 'zu Gott hat sich somit bei seiner monarchischen Verfassung nicht verändert, aber verändert war sein Verhältniß zum Volksoberhaupt selbst. Dieses war nicht bloß Richter, welcher als solcher zwar nicht mehr in patriarchalischer Familientraulichkeit, sondern schon mehr Ehrfurcht gebietend neben seinen Zeitgenossen stand, aber dennoch bei seinem Richteramte nicht aufhörte, als schlichter Landmann sein Feld zu bestellen (Richter 3, 31), in welcher Eigenschaft sogar Saul sich anfangs zeigte (1. Sam. 11, 5), er war vielmehr gesalbter König, welcher umringt von einem glänzenden Hofstaate in einem prachtvollen Pallafte thronend seine Untergebenen beherrschte. Auch Gott in seinem Verhältnisse zu Israel war darum für diese monarchisch -theokraiische Zeit nicht nur als Richter, sondern auch als König gedacht, sitzend auf prachtvollem Himmelsthrone und umringt von einem glänzenden Hofstaate. Als solch einen orientalischen Regenten schaute ihn der Prophet Michajahu (1. Kön. 22, 19.) Jesajas (6, 1 — 4. 24, 21.) Jecheskeel (1 u. 10.) Daniel (7, 9) und als solcher ist er auch dargeftellt bei Jjob (1, 6. 2, 1.) Aus dieser glanzvollen Umgebung der Gottheit entfernen sich die Engel nur selten, auch sind sie als Vermittler zwischen ihr und Israel weniger nöthig, weil der Prophetenftand, der von Samuel, dem Gründer der theokratischen Monarchie, zur höchsten Bedeutsamkeit erhoben wurde, unmittelbar das Wort Gottes vernahm und dessen Rathschlüsse verkündete. Nur da, wo Israels König selbst erkenne« soll, daß er unter einem höher» Könige sich befindet, läßt Gott seinen Entschluß durch einen Engel vollbringen (2. Sam. 24, 16. 2. Könige 19, 35. vergl. Jes. 37, 36.) Mit den altern Propheten sprach Gott selbst, nur 51»