Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-12-20 · Heft 51 (20.12.1839) · p. Seite 402

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 51 (20.12.1839)
Date
1839-12-20
Page
Seite 402 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133818--0462-3134606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

402 Von dem lobenswerthen Streben der hiesigen Israeliten giebt das schönste Zeugniß die berühmte und wahrhaft blühendende Anstalt, welche nicht bloß in finanzieller Hinsicht wohlbegründet dafteht, sondern auch durch ihre innere Einrichtung bemerkenswerth ist; nämlich das israelitische Armen- und Industrie-Haus. In diesem Armenhause werden Individuen jedes Alters und Geschlechts, welche in solchem Zustande sich befinden, daß sie nicht gerade des Spitals bedürfen, aber doch unfähig sind, ihr Brot zu verdienen, als Altersschwache, Krüppel, Geisteskranke u. s. w. verpflegt. In das damit verbundene Jnduftrie-Haus werden Jünglinge aufgenommen, welche sich einem Handwerke widmen wollen, deren sechserlei hier gelehrt werden; es werden nämlich Weber, Tischler, Schneider, Schlosser, Kupferschmiede und Steinhauer ausgebidet. Zu jedem dieser Handwerke wird ein Meister angenommen, der außer einer monatlichen Besoldung von 30 österreichischen Lire (a 20 Kr. C. M.) und Benutzung des Lokals und der Werkzeuge, noch den Vortheil genießt, daß er die Arbeiten für eigene Rechnung anfertigt; eine Maßregel, die am besten dazu beiträgt, daß die Lehrlinge gewissenhaft unterrichtet werden, indem dem Meister daran liegen muß, daß die Arbeiten zur Befriedigung seiner Kunden ausfallen. Bisher waren christliche Meister angeftellt; nach und nach werden die als Meister ausgestellten Lehrlinge angenommen, wie dies bereits bei'm Weber- und Schmiede-Handwerk geschehen ist. Der Weber verfertigte als Meisterstück einen Teppich, der in der mailändischen Industrie-Ausstellung mit Lob erwähnt wurde, und der Schmied arbeitete das Modell einer sehr künstlichen und eleganten eisernen Bettstelle. Zur Aufmunterung der Zöglinge trägt das Trabotische Institut nicht wenig bei, dessen Hauptzweck ist Jünglinge zu unterstützen, welche sich einem Handwerke oder einer Kunst widmen. Aus dieser Stiftung werden bei der jährlichen Prüfung den sich am meisten auszeichnenden Lehrlingen des Industrie-Hauses Preise von 6, 8—1200 Lire gegeben; aus deren Fond wird jetzt ein junger Mensch zum Studium der Nautik, ein anderer zur Mathematik, u. s. f. unterstützt. Die innere Verwaltung des Jnduftriehauses steht unter einer Commission, welche einen Direktor ernennt. Dieser bezieht einen Gehalt von etwa 2000 Lire, und hat freie Wohnung in der Anstalt. Er hat die Rechnungen zu führen, die nöthigen Ausgaben zu machen oder der Commission vorzuschlagen, — auch das Betragen der Zöglinge zu beaufsichtigen. Unter ihm steht noch ein Inspektor, welcher über Reinlichkeit und Ruhe, über den Fleiß, die Gebete u. s. w. der Zöglinge, auch über Kleider und ökonomische Angelegenheiten die Aufsicht führt. Die Zöglinge haben täglich zwei Stunden Unterricht in Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen; dreimal täglich versammeln sie sich zum Gebet in der dem Institut zugehörigen Synagoge, welche nur klein, aber sehr ordentlich eingerichtet ist. Die heilige Lade (anpn jm) darin, ist das Geschenk eines Deutschen; sie wurde von den tridentinischen Israeliten zur Zeit ihrer Vertreibung aus Trient von daher mitgebracht. Die Lehrlinge sind in der Synagoge wechselsweise Vorbeter, was denselben den Vortheil verschafft, daß sie sich im Vorbeten üben. Einer ist aus dieser Anstalt in solcher Eigenschaft anderweitig angestellt worden. Alljährlich wird die Bilanz der Anstalt öffentlich bekannt gemacht, und im Sitzungssaale, schön kalligraphisch ausgeführt, unter Glas und Rahmen ausgestellt. Ich erwähne dieser kalligraphischen Arbeiten insbesondere, weil sie alle von Israeliten unentgeltlich angefcrtigr werden. Jeder macht sich ein Vergnügen und eine Ehre daraus, zu diesem herrlichen Denkmale des in Mantua herrschenden Gemeingeistes sein Scherflein beizutragen. Für jetzt gehört die Erhaltung des Instituts noch zum Budget der Gemeinde, bald aber wird es davon unabhängig sein. Schon jetzt hat es einen Fond von 100,000 Lire, die demselben durch freiwillige Geschenke und Vermächtnisse zugeflossen sind. Um diese Freigebigkeit lebendig zu erhalten, werden den Manen der Schenkenden oder Erblasser Denksteine errichtet , und zwar für Geschenke von 1000 bis 10,000 Lire ein einfacher Stein mit schwarzer Schrift, für 10 bis 20,000 Lire schwarzer Marmor mit goldenen Buchstaben-, für eine höhere Summe cararischer Marmor mit goldenen Buchstaben. Darin aber sind alle gleich, daß auf alle nur der Name des Wohlthäters, sein Sterbetag und Alter und die Ziffer der dem Institute überwiesenen Gabe ausgezeichnet wird. Auch die Namen derer, welche 100 bis 1000 Lire geben, werden aufbewahrt, und wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.