Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 51 (20.12.1839)
- Date
- 1839-12-20
- Page
- Seite 401 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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so. December. 1839, Nr° 51. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literntur und Gultnr der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Z o st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. S; man subftribirt dei allen l'öbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Italienische Gemeinden. — Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Angelo- und Dämonologie im Judenlbume, von vr. S. Formstecher. — Brief über einen literarischen Angriff (Schluß ) —Literarische und historische Analektcn , von vr. Carmuly (Schluß-s — Nachrichten und Korrespondenzen: Berlin; Leipzig; Wnrzburg; Orient. — Statistische Notizen. — Bemerkungen. — Beantwortung. Italienische Gemeinden. Geschildert von einheimischen Verfassern. 1. M a it t u a. Die hiesige Gemeinde bietet im Kleinen das Bild der Gesammtheit der Israeliten gegenwärtiger Zeit dar. Ein Theil ist so streng orthodox, daß ihm jede, auch die einfachste und zweckmäßigste Neuerung als ein Stein des Anstoßes erscheint, und es gehören dahin nicht allein der Rabbiner selbst, ungeachtet er aus dem Collegio Rabbinico zu Padua hervorgegangen ist, sondern auch alle Neben¬ oder Unterrabbiner, deren es hier mehrere giebt. Andrerseits findet man Gemäßigte, welche gerne mit der Welt Schritt hielten und sich freuen würden, unter Anleitung der Rabbinen manche Verbesserung in's Leben treten zu sehen, übrigens aber gewissenhaft am Herkommen halten. Zu diesen gehört, wie gewöhnlich, der zahlreiche Mittelstand und mehrere Schriftgelehrte, welche nicht eigentlich die Gelehrsamkeit zu ihrem Berufe machen. Es fehlt aber *) Wir vermissen zu unserm Leidwesen in diesem sehr interessanten Bericht die statistischen Angaben, sowohl Zahl der Gemeinde im Ganzen, als die der verschiedenen Einzelheiten; und bitten recht sehr um Nachtragung derselben. D. H. auch nicht an extremen Neuerern, welche alles Bestehende niederreißen und einen Neubau errichten möchten; welche mit ihrem Beispiel vorangehen, und nichts gut heißen, was nicht neu oder erneuert wäre. — Diese Klasse umfaßt die reichsten, gelehrtesten und angesehensten Israeliten. Im Allgemeinen muß man die Gesammtheit darin loben, daß alle diese Abtheilungen von einem Gemeingeiste durchdrungen sind, der sich fast zu einer Art Nationalftolz steigert, welchem Kraftgefühle sie die großen Fortschritte im bürgerlichen Leben verdanken. Sie haben zwar noch nicht volle Gleichheit vor dem Gesetze, denn kein Israelit darf gegen einen Christen als Zeuge auftretcn, aber die überaus humane österreichische Regierung hat ihnen doch alle bürgerlichen Rechte gestattet, und ihr äußeres Leben ist in keiner Beziehung beschränkt. Sie dürfen Häuser und Güter kaufen so viel sie wollen, Handwerke, Künste und Wissenschaften erlernen und ausüben, Logen im Theater besitzen, Equipagen halten rc. Handwerker giebt es für jetzt noch wenige, aber viele Aerzte, Advokaten, Ingenieure, Maler, Zeichner und Kalligraphen, und es leidet keinen Zweifel, daß der Gemeingeist, welcher mit Eifer alle innern Verbesserungen kräftig unterstützt, bald das Emporkommen des Handwerks aller Art befördern wird.