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Israelitische Annalen · 1839-12-13 · Heft 50 (13.12.1839) · p. Seite 397

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 50 (13.12.1839)
Date
1839-12-13
Page
Seite 397 (sequence 5)
Language
German
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397 so habe ich dies in meinem letzten Briefe im nb Th. IV. schon gethan. Aber zurücknehmen und die Früchte langen Nachdenkens für Uebereilung und Unbedachtsamkeit erklären, das kann ich nicht. Mick halt keinesweges Eigenliebe zurück, ja nicht einmal Wahrheitsliebe allein, sondern Eifer für bie Religion, Liebe zu meinen Religionsgenossen und genauere Bekanntschaft mit den Forderungen unsrer Zeit. (Fortsetzung folgt.) Literarische rrnhistorische Analekterr. Von vr. Carmoly. 16. Zustände in Eonftannnopel im I6ten Jahrhundert. Caleb Abba: Joseph und Mose Hanum. Zur Charakteristik der Verhältnisse der Israeliten in der türkischen Hauptstadt vor und unter Suleiman dem Großen mögen folgende Züge dienen, welche gleichzeitig die Geschichte ergänzen. 1) 3n der Zeit des Elia des Morgenländers (Misachi), dessen ausgezeichnete . Verdienste und Gelehrsamkeit von allen Zeitgenossen gepriesen wurde, auch aus seinen vielen Werken hervorleuchten, blühete unter den Karaiten daselbst als Oberhaupt der Gesammtheit Caleb Abba. Afandopulo b. Eliahu (s. Jost Geschichte der Israel. B. ix. Register. Caleb.) Der Name Afandopulo ist halb griechisch, halb türkisch, und bedeutet: Effendi-Sohn; das Wort Essen bi rührt bekanntlich aus dem Griechischen her. Dieser Caleb schrieb sehr viele Werke und lehrte öffentlich verschiedene Wissenschaften, um sich und seine Familie davon zu ernähren. So oft sich ein Schüler bei ihm meldete, machte er mit ihm einen schriftlichen Vertrag, worin derselbe sich verpflichten mußte, niemals ohne seine Genehmigung etwas von dem, was er von ihm erlernt hatte, we iter zu lehren. In einer Handschrift der Pariser Bibliothek vrat. 165 enthaltend einen Auszug aus dem Almagest, von Abn Ahmed Giafar b. Afalah, Asvili, (aus Sevilla), abgeschrieben vom Chacham Abba, und fertig geworden am Donnerstag 12tett Sivan 5242 (1482) befindet sich am Ende folgende Verschreibung: „Am Montage, 9ten Isar 248 (1488). Ich Joseph b. Mordechai s. A. erkläre hiermit, daß ick mick eidlich verpflichtet habe, keinem Menschen in Constantinopel, er sei ein Karait oder Rabbanit, und welcher Secte sonst angehörig, irgend eine Exegese oder irgend ein Buch, weder der praktischen noch der theoretischen Arithmetik, noch der praktischen und theoretischen Geometrie und Astronomie, in so fern ich solche unter Anleitung meines Lehrers, dem Chacham R. Caleb Af. b. E. b. Juda hasaken, sowohl vor diesem Vertrage als von jetzt an und weiter studirt habe, so lange, er lebt, weiter zu lehren. Gott erhalte ihn und lasse ihn noch viele frohe Jahre erleben. — Gleichzeitig habe ich mich eidlich verpflichtet, dafern ich die Erlaudniß, einen andern darin zu unterrichten, von ihm empfange, solches wiederum nur gegen eine gleiche Verpflichtung desselben zu ihun. Zur Urkunde dessen dient meine eigene Unterschrift." Gleiche Erklärungen finden sich aus dem I. 1489 und 1565. — Höchst wahrscheinlich war dies Verfahren allgemein; denn bie Gelehrten lebten vom Unterricht. Und vielleicht war dieß die Ursache, daß damals viele Rabbaniten bei Karaiten Unterricht nahmen. (Schluß folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Paris, 25. November. — Unter diesem Datum ist ein Sendschreiben des Herrn S. Sahen erschienen, welches den Titel führt: Coup d’oeil sur les dernieres lettres Tsarpliatiques. Lettre au Redacteur du Courrier de la Moselle. (Der Ertrag ist für bas Comite Consistorial de Ja societe israelite de secours et d’encouragement bestimmt.) Dies Sendschreiben ist um so merkwürdiger, als es gegen mehrere Ansichten der ihm befreundeten Männer sich ausspricht, und das mit einer lobenswerthen offenen und redlichen Unbefangenheit. Folgende Stellen mögen den Jbeengang des Ganzen charakterisiren: „Alle gebildeter» Israeliten wünschen, daß ihr Cultus solche Formen annehme, welche mit dem Jahrhundert Harmonien, und daß Gebrauche, welche in den unglücksvollen Zeiten cingeführt worden, von solchen ersetzt werden, die den heutigen Sitten zusagen." „In Frankreich beschäftigen sich mit dieser Frage alle die, welche den traurigen Zwiespalt zwischen Synagoge und Leben beendigen möchten. Um ihr Aufmerksamkeit zu verschaffen.muß man sie ohne Leidenschaft behandeln, Sarcasmcn und Persönlichkeiten meiden." „Die Corresp. israelite int Courier athmet aber jene durchaus zu mißbilligende Partheilichkeit." „Ich maße mir keinesweges an, den Schriftsteller, welcher, nach meiner Ansicht, im Jrrthume ist, andern Sinnes zu machen; ich beklage es, daß er mit seinen Glaubensgenossen, welche seine hohe Geistesfahigkeit zu schätzen wissen, zerfallen ist, aber ich wünsche doch darzulegen, in wie weit seine Briefe nachtheilig eingewirkt haben."—Hätte ich z. B. über die Metzer Rabbinenschule geschrieben, so würde ich zunächst das Central-Consistorium, als ein unsrer Religion herzlich ergebener Israelit, ersuchen, öffentlich zu zeigen, was dort geschieht; ob die dortigen Studien diejenigen sind, welche sich für Rabbinen des XIX. Jahrhunderts eignen? — Ich würde ihm sagen, die edle Nation, welche zu unserm Cultus die Kosten zahlt, sei dabei betheiligt, baß unsre künftigen VolkSlehrer auf der Höhe der ZeUdildung stehen, u nd daß es eine Schmach ist, wenn die Schüler jener Anstalt unbekannt bleiben mit den wichtigen Arbeiten eines Zunz, eines Jost, eines Geiger, oder eines Michaelis, Jahn, Vater, Gesenius re.!" „In Ihrer Nr. vom 12. März c. nennt Herr Ts. 100,606 Individuen,

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