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Israelitische Annalen · 1839-12-13 · Heft 50 (13.12.1839) · p. Seite 396

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 50 (13.12.1839)
Date
1839-12-13
Page
Seite 396 (sequence 4)
Language
German
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gestanden wird, so wird sich die Zahl der Conkurrcnren verringern, und der Bauer nicht so gut seinen Grund verkaufen können, als es sonst sein konnte. — Takats (Raab.) Wenn dem Israeliten im Allgemeinen erlaubt sein wird, Urbarialgründe zu kaufen, wer wird das Feld des Pfarrers und des Schulmeisters bebauen? Paloczy (Borsod) Ich glaube nicht, daß der geistliche Stand so engherzig und die Habsucht der Pfarrer so unersättlich sei, daß er wegen der Verringerung seiner Lektikale dieser Bewilligung entgegen wäre. Da übrigens der Sabbath nach den mosaischen Gesetzen ein Feiertag ist, so könnte man den Israeliten gestatten, am Sonntage zu arbeiten. Bernath (Ungvar.) Für den Antrag des Borsoder Oblegaten sprechen auch die Grundsätze des Ackergesetzcs. Es ist auch Pflicht der Gesetzgebung, einem jeden Glauben die freie Ausübung zu versichern. — Somsich (Schymegh) der Antrag des Borsoder wäre nicht in Thesi annehmbar, allein die Ausführung wäre mit vielen Hindernissen verbunden, die keiner Erörterung bedürfen. Gegen das Nunzium der Magnaten sprechen noch Maglarh (Baranya) und Benitzky (Sohl); und fo will die namhafte Majorität von dem früher» Nunzium der Stände, Betreff der Israeliten, nicht abstehen. Brief über einen literarischen Angriff. Von S. D. L. an I. S. R. Padua, 2. September 1839. Sie beklagen sich, und nicht mit Unrecht, über unsere öftere Abweichung von dem Hauptgegenstande des Streites; und in Beantwortung des Ihrigen mache ich heute eine weit stärkere Abschweifung. Mein Verfahren ist freilich nicht sehr regelmäßig, aber mehr das des Freundes gegen einen Freund. Sie haben das Büchlein gelesen, welches Herr Sal. Rvsenlhal in Pesth, ein alter Fanatiker, aber aufrichtig und ehrlich, gegen Dr. Creizenacb, Sie und mich herausgcgeben hat. Ich war schon einige Zeit mit Herrn Rosenthal in freundlichen Beziehungen, und als ich den Divan des Jakob Franzes, ein Autograph, erkaufte, und darin zwei noch ungedruckte poetische Stücke fand, (die übrigen sind bei niTin yy beigedruckt), welche gegen die Kabbala gerichtet sind, die auch er nicht liebt, so machte ich mich — in der Meinung, ihn zu erfreuen — sogleich daran, ihm eine Abschrift davon zu senden. Don dem oben berührten Buche wußte ich noch nichts; doch war mir bereits aus Gallizien gemeldet worden, daß die Briefe einiger bekannten junge» Männer gegen mich unter seinen Auspicien erscheinen würden. Ich schrieb lhm daher, daß während ich gegen die Angriffe der Scheinheiligen durchaus gleichgültig sei, es mich schmerzte, zu sehen, daß die gute Sache, die Sache der Religion, auf welche ich alle meine Kräfte verwende, auch von rechtlichen und der Religion aufrichtig zugethanen Männern, gleichsam zum Scherz angegriffen werde, und daß ich ihn beklage, wie einen, der, indem er gegen seinen bittersten Feind zuschlagen will, aus Versehen seinen einzigen Bruder tödtet. Darauf erhielt ich von Herrn Rosenthal eine Antwort, welche mir Anlaß gab, ihm folgenden Brief zu schreiben. Lesen Sie uild urtheilen Sie. Geehrtester Herr! Nachdem Sie mich vor den Augen der Welt in Ihrem Büchlein höchst unfteundlich behandelt haben, betheuern Sie mir in Ihrem Privatschreiben vom I9ten v. M. die herzlichste Freundschaft und größte Achtung, bitten mich um Verzeihung und versichern mich, nie die Absicht gehabt zu haben, mir Verdruß zu machen, sondern daß Sie jene Blätter nur herauszugeben veranlaßt wurden, weil Sie über die geringe Achtung, mit welcher ich es wagte, den großen Maimonides zu tadeln, gerechten Unwillen empfanden; und ersuchen mich daher, öffentlich zu widerrufen, dem großen Manne die verdiente Ehre zu geben, und meinen Fehler einer Uebereilung und Unbedachtsamkeit zuzuschreiben. Dieser Brief ist mir ein neuer Beweis von der Biederkeit Ihres Herzens und der Aufrichtigkeit Ihrer Gesinnung, welckie ich niemals bezweifelt habe. Dies that ich Ihnen in meinem vorigen Schreiben dar, und wiederhole es jetzt nach Lesung Ihres Büchleins. Bei meiner Verehrung der Tugend und Aufrichtigkeit in Jedermann, und bei der Duldsamkeit für andere Meinungen, welche ich nicht bloß von Maimonides, sondern auch von den Thalmudisten gelernt habe, verehre und liebe ich die ehrlichen Männer, wessen Glaubens sie auch seien, und verehre und liebe selbst die, so mich verfolgen, so bald ich weiß, daß ihr Eifer aufrichtig ist und ohne Scheinheiligkeit. Ein Act des reinen Religivnseifers ist ein Act der Tugend, und zwar einer in unsrer Zeit seltenen Tugend. Ein solcher ist mir also immer angenehm und ehrenwerth, selbst wenn er gegen mich gerichtet ist, und der Reisende, welcher von Ihnen beauftragt ward, Ihr Büchlein nach Italien mitzunehmen, kann bezeugen, mit welcher Ruhe ich es las, und wie sehr ich mich demübete, die übrigen Eremplare unter meine Freunde zu verrheilen. Sie brauchen demnach nicht zu fürchten, mir Verdruß gemacht zu haben, und dürfen vielmehr versichert sein, daß meine Freundschaft und Achtung für Sie unverändert dieselben geblieben sind. Cs thut mir nur leid, Ihren wohlmeinenden Rath nicht annehmen zu können. Was den Punkt anbelangt, dem Maimonides die seinem Namen gebührende Ehre zu erweisen (in der That habe ich diese nie geschmälert, und zwei oder drei Sachen an einem großen Autor tadeln, heißt wohl nicht, ihn herabwürdigen).

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