Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-12-06 · Heft 49 (6.12.1839) · p. Seite 395

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 49 (6.12.1839)
Date
1839-12-06
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133816--0449-3134591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literatur. Pharisäische Volks sitten und Ritualien in ihrer Entstehung und geschichtlichen Entwickelung. Dargeftellt von M. Brück. Frankfurt am Main. Joh. Ehr. Herrmann'sche Buchhandl. (F. E. Suchsland) 1840. 162 S. in gr. 8. Der Verf. des in Breslau 1837 erschienenen „Rabbinische Ceremonialgebräuche" liefert in gegenwärtiger Sckrift eine Fortsetzung, oder vielmehr eine von jener unabhängige ähnliche Sammlung, bloß mit anderm Titel. Der Geist und die Behandlungsweise sind ganz dieselben geblieben. Es leidet keinen Zweifel, daß dies Unternehmen, Sitten und Gebräuche historisch herzuleiten, an und für sich löblich, und eben so unterhaltend als lehrreich sein muß, zumal bei der großen Belesenheit des Verfassers. Wir müssen um dieses Verdienstes willen, besonders da es nur selten einer wagt, die historische Entstehung solcher oft in der Volksmeinung mit Unrecht zu hoch veranschlagten Gewohnheiten aufzudecken, manche Mängel der Form und vielleicht auch manchen Mißgriff mit Nachsicht betrachten, und erkennen vielmehr gern den Fleiß des Herrn Verfassers an, welcher auf jeden Fall durch diese inhaltreiche Schrift zu weitern Forschungen anregt. Besprochen werden hier nach einer Skizze der Geschichte jüdischer Gesetze (als Fortsetzung), die Ceremonicn bei Familiengelegenheiten, die Feier verschiedener Fasten, die Namenänderungen, und 24 Ritualien. Eine Recension über diese in gedrängter Kürze über unzählig viele rabbinische Ideen sich verbreitende Schrift zu geben, würde die Gränzen unsrer Blätter überschreiten. Die Rubriken sind wörtlich folgende: Einleitung. Skizze einer Geschichte der jüdischen Gesetze. — Beschneidungs-Ceremonien. — Die Trauung. — Der Hochzeitstag als Versöhnungs- und Fasttag. — Der kleine Versöhnungstag. — Die vier Fasttage überhaupt. — Der Fasttag am 0. Ab. — Der Ester-Fasttag. — Die Frühlings- und Herbst-Fasttage. — Die Fasten im Schaltjahre. — Der jährliche Fasttag. am Sterbetage der Eltern. — Die Namens-Veränderung der Kranken. — Synagogengebräuche, als: 1) Das Talith. — 2) Die Hahn- Berachah. — 3) Das Schema. — 4) Das Bruch Schema. 5) Das Achtzehngebet. — 6) Die Keduschah. — 7) Das Kabisch. — 8) Das Vorrecht der Eohanim. — 9) Das Kidusch. — 10) Die Habdalah. — 11) Das grüne. Wochenfest. — 12) Der Vorrags-Gottesdienst. — 13) Das Vaterunser. — 14) Das Schofar-Blasen. — 15) Das Malkoth-Schlagen. — 16) Die Seelenlichter in der Synagoge. — 1?) Dle Leichentracht am Versöhnungstage. — 18) Das Cvl-nibreh. — 10) Die Scelengedächtniß-Feier. — 20) Das Lulab-Schütteln. — 21) Das Weiden - Klopfen. — 22) Die Synagogenfeier am Thorah-Feste. — 23) Die vier guten Sabbate. — 24) Die Synagogenfeier am Purim. Offenes Sendschreiben an Herrn Elzaphan. Die Legitimität nach dem alren Testament (,) aus mehreren hebräischen Werken M. B. Friedenthal's im Auszuge übersetzt. 1) Das Eigenthumsrecht; 2> das Erstgeburtsrecht; 3) das Geheimniß der Erwählung; 4) Beilage zum Eigenthumsrecht; 5) die Dankbarkeit; 6) Gedichte und Gebete. Breslau, gedr. bei L. Freund. 1839. 150 S. 8. Der Herr Verfasser der Urschrift, welcher auch diese Sammlung mit einer Vorrede und einigen Piecen begleitet, ist seit mehr denn zwanzig Jahren durch größere und kleinere Werke, meist in hebräischer Sprache, deren er sehr mächtig ist, bekannt. Sekten hat wohk ein Dilettant so viel äußere Opfer gebracht, um die Kinder seiner Muße wohl ausgestattet in die Welt zu senden, und es ist schon dies ein sprechender Beweis von lebhaftem Interesse an wissenschaftlichen Bestrebungen. Was wir hier erhalten, ist eine Quintessenz seiner philosophischen und theologischen Studien, welche theilweise schon früher, doch nicht so gut übertragen, veröffentlicht worden. Ein Bericht über die Fehde des Verfassers mit Dr. Grattenauer, welche im vorigen Jahre in schlesischen Blättern zu lesen war, geht voran. Mehrere Stücke sind außerdem vom Vf. selbst beigegeben. Das Meiste hat der gelehrte Herr R. Fürstenthal übersetzt. — Das Buch bildet eine vielhaltige Sammlung, dessen Inhalts-Anzeige den Umfang unsrer Blätter zu stark in Anspruch nehmen würde; wir können daher noch viel weniger uns ein Urtheil erlauben, und begnügen uns, auf das Merkchen aufmerksam zu machen. Kleinere Notizen. Einer unsrer gelehrten Eorrespondenten in Gallizien macht zu dem Aufsatz des Herrn I. Kahn (Nr. 33) folgende Anmerkungen: Herr K. ist der Ansicht, daß die Buchstabenvertauschung nach den verschiedenen Schematen höchst wabrscheinlich schon den spätem Propheten bekannt waren, und daß sie daher, wie Hengstenberg behauptet, allerdings als eregetisches Hülfsmittel anwendbar seien, um manche schwierige Stelle zu erklären. Er hat dabei nicht bedacht, zu welchen Mißdeutungen eine solche Wort- und Sylbenspielerei führen kann und bekanntlich schon geführt hat. Wer die Propheten mit offenen Augen und besonnenem Studium liest, muß die Ueberzeugung gewinnen, daß ihre Worte rein und verständlich sind, und daß sie aus der Tiefe des göttlichen Geistes sprechen, und kcinesweges Räthsel und cLylbenspiele lieben, welche, wie Gesenius und andere mit Recht sagen, erst eine Ausgeburt der alexandrinischen Philosophie und der Kabbalistik sind, wozu Philo Beweise liefert. Alle Buchstaben-Zahlen finden sich im Buche Jezirah, und ich weiß nicht, ob sie aus diesem in den Thalmud gekommen sind, oder umgekehrt; doch glaube ich, daß alle Buchstaben-Eregesen im Thalmud nachgetragene Zusätze bilden, was sich schon daraus ergiebt, daß nur im Derusch*) davon Gebrauch gemacht worden. Wie so übrigens aus der angeführten Stelle Schal). 104 zu folgen sei, daß das nx BQ das älteste Schema sei, kann ich nicht begreifen, denn dort sind ja die andern Schemate ebenfalls angeführt. — Mir scheint; die Thanaim haben diese Mittel zu allerlei Kennzeichen angewendet, um gewisse Lehren besser zu behalten, vielleicht auch um manche gute Lehre an Bibelverse zu knüpfen; wie z. B. Tanchuma und Rabba zu Korach; ersterer zu Balak; Thalm. Succa 52 und öfters, meist zur Erläuterung von Eigennamen, wie -jB'ty; ’üp 2?; inn (Samuel 1. 1.) — Ppx. Niemals werden diese Mittel angewendet, um Gesetze daraus zu ziehen, was gewiß der Fall wäre, wenn die Propheten dies Verfahren schon geübt hätten. Auch ist ein starker Beweis für meine Muthmaßung der Umstand, daß z. B. Succa 52 ausdrücklich das n2 dem R. Chaja zugeschrieben wird, ohne Zweifel als seine Erfindung; vielleicht werden auch die übrigen Schemate von verschiedenen Lehrern hergeleitet, ich habe es bisher nicht ermitteln können. Auf jeden Fall sind diese Vertauschungen eine spätere Erfindung, und die Propheten kannten dergleichen nicht. Die betreffenden Stellen bedürfen auch keinesweges einer so gesuchten Egefe. Lassen wir auch gelten, daß von -jüCD abzuleiten, wie ^22 von b2b>2 (vergl. Jalkut zum Pent. 62.); so ist *) Thos. Schabb. 104 findet Ber. Rabb. (I. 7) mit dem Thalmud, in Betreff des Berichtes über die Schulknaben, welche die Buchstaben zu geistreichen Bemerkungen benutzten, einen Widerspruch, wahrscheinlich wegen des iW?\Vn; allein es scheint hier kein Widerstreit obzuwalten, denn jene Stelle in B, R. betrifft nur die Buchstaben und der Inhalt ist auch ganz verschieden. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.