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Israelitische Annalen · 1839-12-06 · Heft 49 (6.12.1839) · p. Seite 393

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 49 (6.12.1839)
Date
1839-12-06
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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393 hend aus sämmrlichen weltlichen Mitgliedern des Oberrathes und 3 Rabbinen. Das betreffende Gesetz zählt in 10 Rubriken die verschiedenen Gegenstände rein religiösen Charakters, als in den Geschäftsumfang dieser Conferenz gehörig, auf. No. 1 erklärt die Religionsconferenz sogar für die authentischen Interpreten in Religionsangelegenheiten. No. 10 überweist ihr die Prüfung der Rabbinats- und Schulkandidaten im Religionsfache (wobei natürlich vorausgesetzt wird, daß eben diese Behörde zuerst einen Studienplan für das Religionsfach entwerfe, welcher den Theologen und Schulkandidaten zum Regulativ dienen könne; dies aber ist niemals geschehen!). No. 11 des erwähnten Gesetzes spricht dem landesherrlichen Commissär das Entscheidungsrecht in der Rel. Conf. ab, und erkennt den weltlichen Mitgliedern dabei nur eine berathende Stimme zu. Der Schluß des §. lautet: Diese Religionsbehörde versammelt sich jährlich zweimal." Man sieht aus den angeführten Bestimmungen des Gesetzes, wie bedeutsam und erfolgreich es für unsere Kirche werden konnte. Zugleich aber ist daraus ersichtlich, wie viel davon abhängen mußte, zu welchen religiösen Ansichten sich die drei Conferenz-Rabbinen, hier ausschließlich die geistliche Behörde bildend, bekennen. Es mußte viel darauf ankommen, welche Studien diese Rabbinen gemacht, ob sie mit Talmud und Kasuistik auch gründlich Bibelkenntniß vereinigt, ob sie, neben andern Wissenschaften, sich auch mit der Geschichte des jüdischen Volkes, seiner Literatur- und Dogmengeschichte vertraut gemacht und überhaupt die jüdische Theologie als Wissenschaft erfaßt haben. Solchergestalt vorbereitete Theologen hatte aber Baden zu der Zeit keine, und da man Ausländer nicht berufen wollte, wurden Männer zu Conferenz-Rabbinen bestellt, die weder befähigt noch gewillt waren, das jüd. Kirchenwesen nach Gebühr zu reformiren. (Fortsetzung folgt.) Ungarn, 18. Nov. — Es ist schon öfters in diesen Blättern von den gegenwärtigen religiösen Zuständen der Israeliten dieses Landes die Rede gewesen; eine kleine Skizze der jüngsten Thätigkeiten und einige Nachrichten über die bürgerlichen Verhältnisse, so weit sie aus den Verhandlungen des Landtages erkannt worden, möchten um so weniger überflüssig erscheinen, als in Deutschland darüber noch große Unkunde herrscht. So viel darf man geradezu behaupten, daß die ungarischen Israeliten im Allgemeinen viele Absonderungs-Observanzen gänzlich meiden, und demnach die lebenshemmenden, bloß im Verlaufe der Zeit eingedrängten, ganz ungegründeten Gebräuche, welche in andern Gegenden noch bestritten werden, hier das Leben nicht beengen. Dahin gehören zum Beispiel die Trauer während der Sepliira, die sogenannten drei Wochen, die Bedenklichkeiten wegen Milch oder Wein ic., von welchen letzteren fast jede Spur erloschen ist. Selbst strengeres Ceremonial wird von einer sehr bedeutenden Zahl gänzlich antiquirt. Von gegenseitiger Verfolgung wirb selbst in kleineren Gemeinden und auf dem Lande nichts vernommen. Es herrscht eine allgemeine Verträglichkeit. Ob diese nun gerade als beneidenswerth hervorzuheben sei, ist eine andere Frage, die eher verneint werben müßte. Wir möchten die in Deutschland sich regenden Kämpfe, in welchen auf der einen Seite religiöse Wärme, auf der andern Begeisterung für richtige Erkenntniß die belebenden Principe bilden, ungeachtet der Unbequemlichkeiten, die dem Einzelnen daraus erwachsen, bei weitem vorziehen. Aus dem Leben kommt wieder Leben, während die gleichgültige Kälte nichts erstrebt und alles verfallen läßt. In der Thal fehlt es darum hier zu Lande an Männern, welche mir warmer Theilnahme und höherer Erkenntniß den Zuständen eine wohlthuende Richtung zu geben bemüht wären. Inzwischen ist doch nicht aller Geist erstorben, vielmehr regt sich bereits, während die religiöse Seite ihre Annehmer vermindert sieht, eine sehr lebhafte Theilnahme für die wissenschaftliche und sittliche Erziehung und Ausbildung der Jugend, welche dann nicht verfehlt, auf den Gottesdienst und auf Religion überhaupt zurück zu wirken. Wir geben jetzt vorläufig ein Beispiel, über weitere Kreise zu berichten uns vorbehaltend. In Nagy-Canisa (Groß- Kanischa) ist durch die rühmliche Thätigkeit des Herrn Moritz Löwenstcin bedeutend viel geleistet worden, und es verdient dies besonders eine öffentliche Erwähnung, da sein Beispiel bereits in kleinen Gemeinden jenseits der Donau Würdigung und Nachahmung gefunden hat. 1) Die Synagoge oder der Tempel ist ein schönes Gebäude, und würde selbst deutschen Städten zur Zierde und deutschen Gemeinden zur Ehre gereichen. Der Gottesdienst ist dem Wienerischen nachgebildet, wie solcher von dem, als Prediger hier Landes noch lange nickt genug erkannten, Mannheimer, eingerichtet worben. Der Gottesdienst erhebt die Gemüther durch feierliche Stille, und allgemeine Andacht herrscht in der stets zahlreichen Versammlung. Wenn annoch Gesänge und Gebete lediglich in hebräischer Sprache üblich sind, so findet das hier seine Rechtfertigung darin, daß weder die deutsche allgemein bekannt ist, noch die ungarische sich zur Gebetsprache für alle Gemeinden eignen dürfte. 2) Die Schule, ein noch junges Institut, daß zunächst von den Schulgeldern erhalten wird, zu welchem aber auch noch von der Gemeindecasse ein bedeutender Zuschuß gegeben wirb, erfreut sich ganz besonders der allseitigen Theilnahme. Es wurde nichts unversucht gelassen, um zum Theil aus weiter Ferne Lehrer herbei zu schaffen, welche ausgerüstet mit den nöthigen Kenntnissen, auch Liebe zum Erziehungsfache damit verbinden und deren Zusammenwirken im Stande sei, die Schule auf diejenige Stufe zu erheben, daß sie allen andern öffentlichen Schulen dieses Landes würdig zur Seite stehen könne. Man muß der Gemeinde nachrühmen, daß sie die Leistungen der Lehrer anerkennt, ihnen mit der gebührenden Achtung begegnet, und dem Direktor sowohl als dem Einfluß des oben erwähnten Hrn. L. gereicht es gleichzeitig zum Lobe, daß sie mit unermüdlicher Energie alle Hindernisse, welche dem Aufblühen dieser trefflichen Anstalt fick in den Weg stellten, hinwegzuräumen sich bemüheten. Noch ist der eine Umstand, daß die Lehrer nicht permanent angestellt*) sind, allerdings mißlich, doch ist von dem Geiste dieser Männer zu erwarten, daß sie Mittel finden werden, auch diese Schwierigkeit zu beseitigen. Die Schule ist das Zeugniß für die Bildungsstufe, welche die Gemeinde einnimmt, und sie darf um so weniger den Schwankungen des Zufalls und häufigen Wechsel überlassen werden. (Fortsetzung folgt.) Aus dem badischen Oberlande. (Anfrage). — Indem wir mit dem Verfasser des Artikels in den israelitischen Annalen Nr. 45 — 47 über die Errichtung von Schullehrer-Conventen, die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit derselben anerkennen, erlauben wir uns die Frage: Wer soll die Verhandlungen der israelitischen Schullehrer-Convente leiten? Da nach badischem Schulgesetze, der christliche Geistliche allein alle Schulen, auch die israelitischen, zu inspiziren und zu dirigiren hat; so müßte konsequenter Weise der christliche Geistliche auch hier wieder die Leitung übernehmen. Ist dem aber so, sehen wir nicht ein, warum gerade auf besondere israelitische Schullehrer-Convente gedrungen wird, und nicht vielmehr darauf, daß die israelitischen Lehrer an den christlichen Conventen Theil nehmen sollten. Mehrere israelitische Lehrer. *) Die Erfahrung lehrt in der Thal, daß die permanente Anstellung der Lehrer an Gemeindeschulen überall die Consolidirung der Schulen und ihre innere Verbesserung zur Folge gehabt hat; während diejenigen Anstalten, welche in dieser Beziehung nichts Sicheres anordneten, tausendfachen Wechselfällen erlagen. Die feste Anstellung der Lehrer sichert sowohl den lebendigen Eifer derselben für eine Anstalt, welcher sie für immer angehören, als auch die bleibende Aufmerksamheit der Gemeindeglieder, welche in der Schule die geistige Vertretung der Gesammtheit sehen. Eine Gegenseitigkeit solcher Art giebt der Anstalt dauernde Energie. Diese Andeutung möge genügen! I. M. Jost. 49 **

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