Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 49 (6.12.1839)
- Date
- 1839-12-06
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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387 welche mt demnach hier offen darzulegen und zu beantworten nicht verfehlen. Gewichtige Stimmen haben sich gegen die allzuscharfe Abgränzung des Materials der Annalen vernehmen lassen, ja darin einen Grund gesehen, manche wohl mittheilenswerthe Arbeiten zurückzuhalten. Namentlich fanden mehrere gelehrte Theologen die Ausschließung theologisch er Disputationen und Theorien, so wie casuiftischer Gesetzerörterungen, nicht ganz der Tendenz gemäß, indem diese Gegenstände offenbar zur Culturgeschichte gehören! Sehr wahr. Aber wir haben auch keinesweges das Gesammtgebiet der Theologie ausgeschlossen, vielmehr beweisen die vorliegenden Blätter, daß wir über bereits ausgesprochene Theorien in den Annalen berichten, auch von anerkannten Männern des Faches Abhandlungen, welche das allgemeinere Interesse ansprechen, und zwar von den verschiedensten Standpunkten aus verfaßt, gern aufnehmen, damit auch Nichtstudirte die obwaltende Verschiedenheit der Ansichten kennen lernen, und über einen so wichtigen Gegenstand aufgeklärt werden. Dagegen ist es unthunlich, daß die Annalen sich mit Disputationen befassen, welche einzig und allein in die Schule gehören, und nur durch Fachgelehrte auszumachen sind, meist auch nur für diese Bedeutung haben, während sie auf dem Forum der Oeffentlichkeit nur dahin führen, die Leser entweder in ihrem Glauben irre zu machen, oder in ihrem Jndifferentismus noch mehr zu bestärken. Zudem gäbe cs hierin gar keine Gränze. Aus diesem Grund beschränken wir uns auch ferner auf die historische Seite der theologischen Wissenschaft, und behalten uns nur vor, ohne allzu ängstlich bei dem Ausdruck zu beharren, in vorkommenden Fällen, unfern Grundsatz zu modificiren. Die Ausschließung belletristischer Versuche ist von Andern gemißbilligt worden. „Das Volk, heißt es, liebt es, interessante Schilderungen und Darstellungen in schöner Prosa oder in Versen zu lesen; auch giebt es Geister, welche ihre trefflichen Gedanken nur eben im dichterischen Gewände in die Welt senden können." Wir geben beides zu. Jedoch scheint uns jede ächte Dichtung als solche, selbst wenn ihren Stoff das religiöse Moment bildet, nicht mehr der Religionspartei, sondern der Menschheit anzugehören, und folglich würden unsere Annalen mit Unrecht solche Lebensmomente den Israeliten vindiciren; und andrerseits würden Dichtungen, welche einzig und allein das israelitische Leben angehen, schwerlich oder roch selten den Namen der Dichtung verdienen, und folglich als werthlos ausgeschlossen bleiben. — Dagegen nehmen wir keinen Anstand — abgesehen von denjenigen poetischen Versuchen, welche den israelitischen Jdeenschwung früherer Zeiten darftellen, und welche wir als historische Thatsachen aufnehmen, — über solche Leistungen, aus denen die israelitische Cultur sich kund giebt, zu berichten, und allenfalls sie durch kleine Proben zu erläutern. — Eine israelitische Belletristik kann es nicht geben, außer etwa in den neu-hebräischen Gedichten und Aufsätzen, welche indeß nur selten den alten orientalischen Geist vorführen. Doch beachten wir in den Annalen alle derartige Erscheinungen. Gewünscht wurde von vielen unsrer Interessenten etwas mehr Popularität in Stoff und Darstellung. Diesem Wunsche werden wir, wie das in der zweiten Jahreshälfte bereits geschehen ist, so weit als möglich, ohne in Flachheit zu versinken, sehr gern genügen. Der Wissenschaft soll darum nicht Eintrag gethan werden. Für rein literarische , nur die Gelehrten und Kenner angehende Notizen wird uns, zumal bei der Erweiterung des Raumes, immer noch ein Plätzchen übrig bleiben. Gewünscht wßrde ferner die Zulassung literarischer Fehden, Antikritiken und Repliken. Diesem Wunsche kommen wir ebenfalls entgegen, jedoch müssen wir Kürze, Würde und allgemeines Interesse des Gegenstandes bedingen. Endlich ist auch der Wunsch geäußert worden, daß die Annalen von Zeit zu Zeit, eine hebräische Beilage liefern möchten. Bei dem Interesse, welches die zunehmende Kunde der hebräischen Sprache in vielen Gegenden darbietet, und bei der Nützlichkeit derselben als Gelehrtensprache zur Behandlung religiös-moralischen Angelegenheiten für Kenner der Quellen, erscheint uns dieses Verlangen sehr beachrenswerth. Da wir jedoch die Kosten unsrer Annalen nicht erhöhen, auch die resp. Leser, welche der hebräischen Sprache nicht kundig oder nicht zugethan sind, nicht mit solchen Beilagen belästigen wollen, so wäre die Sache nur ausführbar, wenn 49*