Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 49 (6.12.1839)
- Date
- 1839-12-06
- Page
- Seite 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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380 durch das Licht der Wahrheit zerstreuen, Anmaßung und dreiste Eingriffe oder gar beabsichtigte Täuschungen, in würdiger wissenschaftlicher Haltung bekämpfen und entlarven. Ihr Zweck ist durchaus kein einseitiger, keine eigentliche Vertretung einer Parthei oder Farbe, sondern ein rein wissenschaftlicher, nämlich die Vermittelung einer möglichst vollständigen und umsichtigen Kenntniß, wie sie bei der großen Mangelhaftigkeit, womit noch so häufig über israelitische Angelegenheiten abgeurtheilt wird, gewiß Noth thut, und von höher gebildeten Israeliten eben so sehr wie von Staatsmännern und Theologen, Juristen undPub lieisten aller Bekenntnisse gewünscht wird. Daß sich an diesen Zweck der praktische Erfolg, Erweckung der Aufmerksamkeit, Aufmunterung der Energie zu mannichfachen Verbesserungen, Anregung zu neuer lobenswerther Thätigkeit und überhaupt Grundlegung zu einer gedeihlichen Zukunft, daran anknüpft, liegt in der Natur jedes wissenschaftlichen Strebens, welches sich freut, den gewonnenen Gedanken auch in's Leben eintreten zu sehen. Unsere Tendenz hat alsbald nach allen Gegenden hin Anklang gefunden, und aus allen europäischen Ländern haben sich anerkannte Rabbinen und Schulmänner, Schriftsteller und Gelehrte, so wie manche durch wissenschaftliche Leistungen bekannte Privaten unserm Unternehmen angeschlossen und durch Mittheilungen beehrt, wie die bereits erschienenen Blätter bezeugen, und die folgenden in noch größerm Umfange beurkunden werden. Dieselbe Tendenz soll den Annalen verbleiben; sie sollen stets auf historischem Boden der Entwickelung der israelitischen Angelegenheiten, welche so viele Denker beschäftigen und gleichzeitig in mannigfache Zweige der Gesetzgebung und des bürgerlichen Lebens eingreifen, mit besonnenen Schritten folgen, und die ermittelten Resultate darftellen. Einer andern Tendenz, wie sie dem Herausgeber wohl zugemuthet worden, kann er sich nicht fügen, und vereinzelte Ansprüche werden daher ihre unmittelbare Befriedigung nicht erwarten dürfen. Wenn von der einen Seite ein unablässiges Anftreben zur Erzielung der bürgerlichen Emanzipation, von einer andern eine fortwährende Erörterung und Reform religiöser und gottesdienstlicher Begriffe und Uebungen, wenn hier einbeftändigerKrieg gegen Herkommen und Autoritäten, dort wieder eine wähl- und rücksichtslose Besprechung aller und jeder Aeußerung und Erscheinung, aller und jeder Persönlichkeit und Lokalität u.s.f. als wesentliche Hauptobjecte der Annalen vorgeschlagen wurden, so hat dergleichen einseitiges Ansinnen den Herausgeber nicht bestimmen können, von der einmal zum Grunde gelegten Idee abzugehen; und die Billigung des ausgedehnten Kreises unsrer Leser, welcher sich der Befangenheit bereits entwunden, bestätigt die Richtigkeit unsrer Ansicht. Und dies wird uns auch zur Rechtfertigung dienen, wenn wir so manche Mittheilungen, deren Inhalt nur persönliche Angriffe und Neckereien, Sarcasmen und Spott, leidenschaftliche Ausbrüche und Kämpfe, oder wohl gar Jntriguen darbot, als unserm Wirken nicht entsprechend, abgelehnt haben, wenn gleich solche Aufsätze geeignet wären, bei de.r minder gebildeten Menge, welche die Zeitungen als öffentliche Tummelplätze anzusehen gewohnt ist, Theilnahme zu finden. Weder eine gesonderte Richtung des Strebens, noch augenblickliche Unterhaltung und Ergötzung der bewußtlosen Leser, bildet den Wirkungskreis der Annalen, sondern Befriedigung der Wißbegier und Gemeinnützigkeit des Erfolges. Damit die Annalen als Organ für eine solche wissenschaftliche Vertretung dienen können, bedarf es vor allem eines männlichen Ernstes, frei von jeder jugendlich eiteln Gefallsucht und ohne Aufsehen erregendes Wortgepränge, der ruhigen Erwägung der Thatsachen gewidmet. Mitarbeiter und Leser müssen diesen Grad der Reife und des klaren Bewußtseins erreicht haben, wenn sie einander verstehen und würdigen wollen. Allerdings beengt dieses den Kreis der Leser, zumal da, wo die klassische Bildung kaum zu dämmern angefangen hat; inzwischen tagt es ja immer mehr, und darauf gründet sich die Hoffnung auf weitere Verbreitung und Einwirkung unsrer auf ächte und gediegene Erkennt«iß hinzielenden Bestrebungen, und somit verzichten wir gern auf eine Theilnahme, welche durch Aufopferung unseres Lebensprincips erkauft werden müßte. Erheblich dagegen und der Erwägung würdig erscheinen uns einige Bemerkungen und Wünsche,