Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 48 (29.11.1839)
- Date
- 1839-11-29
- Page
- Seite 381 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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381 Im Jahre 1670 am Wochenfeste hörte man plötzlich während des Gebetes ein starkes Geräusch unter dem Dache der Synagoge. Die Frauen, welche sich einbildeten, das Gebäude wolle einstürzen, waren von Schrecken ergriffen und eilten hinaus, wobei 7 Frauen an der Thüre durch ihre Haubenbänder erdrosselt wurden. Alle wurden in ein Grab gethan und haben zusammen einen Leichenstein. Sie ruhen auf dem israelitischen Gottesacker, rechts neben porte Cluunbiere an dem kleinen Hügel, welcher der Artillerie zur Batterie dient. Dies Unglück schrieb man dem Umstande zu, daß denselben Morgen das zu spät gelesen worden war. Seit dem gehet man am Wochenfeste früher zum Gebete, und vor dem darf der Vorbeter nicht singen. Zwei Jahre später (1672) entstand an demselben Festlage in der Synagoge ein Zank unter den Weibern. Die Männer mengten sich darein. Es kam von Worten zu Schlägereien, die Pulte wurden als Waffen gebraucht. Die Stimme der Vorsteher ward nicht vernommen: der Rabbiner drohete mit dem Bann; alles vergebens. Man mußte die Wache kommen lassen, um die Ruhe herzustellen, und begann das um drei Uhr. Der Wülhendste bei dem Kämpfe war ein gewisser Simon Trenel. Die Communalvorsteher (Kahal) deschieden ihn auf den folgenden Tag, um wegen seines Benehmens Rede zu stehen. Er erschien nicht, und ward zu einer Geldbuße von 500 Ickvres tournois für jeden Weigerungstag verurtheiit. Er wartete sehr lange, so daß die Strafe sein Vermögen überstieg. Da begab sich seine Frau, Terzie, nach Paris, und warf sich dem Könige zu Füßen. Ludwig XlV. wies sie an die ersten Richter, mit dem Befehle, daß die Geldbuße nur bis zu 4000 Livres erhoben werden dürfe. Dann stellte sich Simon vor den Vorstand, welcher ihn nur zu 1500 Fr. Buße, und ein Jahr lang an der Thüre der Synagoge stehen zu müssen, verurtheilte; ja es ward nachher nur dieser zweite Theil des Richterspruches vollzogen. — Diese Erzählung giebt uns ein Bild von den Sitten jener Zeit. (Schluß folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Schreiben des Herrn S. Cahen zu Paris an die Redaction. (Schluß.) Ich wüßte nickt, wie die Anzahl von 120,000 Seelen in Frankreich und 10,000 in Paris nackzuweisen wäre, und der Verf. des Artikels kann es nicht besser wissen, als ich. Die Zahl der Israeliten in Frankreich läßt sich nicht, wie vormals, sicher ermitteln. Als die Kosten des Cultus den Israeliten oblagen, hatte jeder Consistorialbezirk (circonscriptiou) seine Repartitions-Verzeichnisse. Jeder Israelit war verpflichtet, nach Verhältniß seines Vermögens beizutragen, wenn er auch gar nicht Theil nahm. Da lag es im Interesse der Zahlenden, alle Zahlungsfähigen anzuzeigen. Nur zwei Dinge konnten Dispensation bewirken, Armuth oder ein Taufschein. Jetzt hat das alles aufgehört, da keine Repartitions-Verzeichnisse mehr nöthig sind. Den Einfluß, den mit der Zeit die zum Vergnügen oder Studium oder Geschäft sich hier befindenden Ausländer gewinnen dürften, kenne ich nicht. Ist solch ein Keim vorhanden, so ist er doch sehr schwach, denn man gewahrt nichts davon. Herr Marchand Ennery aus Nancy, wo er früher Director der israelitischen Schule war, ist Grand-Rabdin im Consistorium von Paris, aber nur Vice-Präsident. Eigentlicher Titular-Präsident ist der Arzt, Herr vr. Cahen. Das Sekretariat beider Consistonen bekleidet nur eine Person. Herr Polak. Er hat für beide Functionen 3000 Fr. Woher mag der Verf. wissen, daß mit dieser Stelle 6000 Fr. verbunden sind, die der Staat besonders bezahlte? Ich weiß nur so viel, daß der Theil des Sccretariatsgebaltes, den das Consistorium bezahlt, aus der von der Regierung zum israelititischen Cultus bewilligten Totalsumme erhoben wird. Die israelitische Schule hat noch nickt, wie Ihr Correspondent sagt, ein angemessenes Lokal; die Stadt wird ein solches hergeden, aber dis jetzt ist sie noch sehr schlecht in dem Gebäude des Tempels angebracht. Eben so ungenau sind diä gegebenen Details von den Unterrlchlsgegenständen. Man lehrt da. was in allen Elementarschulen in Frankreich gelehrt wird; französisch Lesen und Schreiben, hebräisch Lesen; und einige Schüler, die fähiger sind, lernen etwas bebräische Sprachlehre und Bibelübersetzung. Rechnen, Zeichnen und Religionsunterricht nach einem Abriß, wovon Schreiber dieses kürzlich eine vom Central-Conststorium approbirte neue Ausgabe veranstaltet hat.*) Zur Beantwortung Ihrer Frage in der Anmerkung dient, daß ein Theil der Beerdigungskosten von der betreffenden Gesellschaft für die Bestattung der Armen verwendet wird. Dieser Verein, dem Herr Cohen vorsteht, zeigt großen Eifer in Begünstigung der Armen. Der Ehren-Präsident, Herr S. Elka n, hat vorher lange Zeit dasselbe Amt mit gleichem Eifer verwaltet. Der Verf. des Artikels ist augenscheinlich ein Ausländer, welchem einige Irrungen nachzusehen sind; auch sollen meine Berichtigungen nur der Tendenz Ihres geschätzten Blattes entsprechen, welches Wahrheit und Fortschreiten zur Losung nimmt. Manches hätte ich noch über die nächstens erscheinenden ^relüv68 Israelis hinzuzufügen, wovon ich das erste Heft im Januar 1840 herausgeben werde. Allein die Geburt einer israelitischen Zeitschrift in Frankreich ist so sehr problematisch, daß ich vorläufig Ihnen nur anzeige, daß das Material vorliegt und mein Wille der beste ist. Wien, 15. November 1839. — (Industrie.) Alles wechselt mit den Dioden, Welket später oder früb; Dauer — Glück, sind Antipoden, Selten siebt vereint man sie — Handwerk nur bat goldnen Boden, Goldnen Grund die Industrie. Unter den vielen schönen, bas Glück und den Wohlstand seiner treuen Unlerlhanen befördernden Stiftungen und Begünstigungen, die aus der segenreichen Vaterhand unsres unvergeßlichen Kaisers, weil. Franz I., heilbringend hervorge» gangen und die im Sonnenglanze der Huld und Milde, unter dem Scepter unsers allgeltebten Landesvaters, Sr. Maj. Ferdinand I., einer gedeihlichen Entfaltung sich erfreuen, hat auch den Bekennern mosaischen Glaubens — großherzige Humanität und unbegränzte Fürsorge beurkundend — ein freundlicher Strahl seiner umfassenden Vaterliebe gelächelt. Es ist dies die Erweiterung ihres das Wohl der Gesammtbeit befördernden nützlichen und staaatsbürgerlichen Wirkungskreises: DerConsens zur Erlernung beinahe sämmtlicher Professionen, Betreibung aller und jedartiger Manufakturen und der mit Prärogativen ausgestatteten Fabriken; welcher die Beförderung des Gewerbfleißes, das Wohl des Kommerzes und die -Heranbildung nützlicher, der noch zu hoffenden gänzlichen *) Es führt den Titel: Freds elementaire d’instruction religieuse et morale, adopte par le consistoire centrale des israelites de France. 3me edition, 72 Seiten in Sedez. Ein recht zweckmäßiges Büchlein für die Elementarjugend. Wir haben es genau durchgesehen. Nur Bibelverse wären dazu zu wünschen. D. H.