Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 48 (29.11.1839)
- Date
- 1839-11-29
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Hebungen daraus entfernen; wie denn unserer heiligen Religion, deren Grundsätze Salomon Maimon für die einfachsten und der Vernunft entsprechendsten erklärt, das ungekünstelte am Besten zusagt. Wir würden dadurch nicht bloß unserm Gottesdienst äussere Achtung verschaffen, sondern auch diejenigen, welche ihn jetzt meiden, wieder für denselben gewinnen; denn leider sind, so wie in einem Theile Deutschlands, wie wir klagen hören, die Synagoge von vielen gar nicht oder selten besucht wird, auch bei uns bereits viele, die kaum alle Monate oder nur an hohen Feiertagen oder gar nicht in der Synagoge erscheinen, nur mit dem Unterschiede, daß hier zu Lande die letzter« lediglich auf eine innere Reform warten, und dann sogleich mit ganzem Herzen wieder dem öffentlichen Gottesdienste sich zuzuwenden gesonnen sind; wie ich dieß von sehr vielen selbst gehört habe. Um so mehr liegt den Volkshirten die Pflicht ob, recht bald daran zu gehen, und die zerftreuete Heerde zu sammeln! . Die zweckmäßigsten Anordnungen wären, meiner Ansicht nach, folgende: (Schluß folgt.) Beiträge zur Literaturgeschichte. Von Tsarphati. Paris, 14. August. 1839. An den Herausgeber der Annalen. (Uebersetzt.) Ihre Zeitschrift macht sich's zur Aufgabe, das schöne historische Denkmal, welches Ihren Namen trägt, zu vervollständigen und fortzusetzen, und zu. einer noch zu schaffenden Literärgeschichte Materialien zu sammeln. Dies Unternehmen erfordert eine Vereinigung von Umständen, welche selten sich zusammenfinden; Gelehrte, welche Muße haben und an Orten, wo große Bücher- und Handschriften-Sammlungen zugänglich sind. Unsre französischen Rabbinen könnten, wie weiland die Benedictiner, sich solchen weitaussehenden und nützlichen Arbeiten hingeben, und vielleicht thun sie es noch. Inzwischen— zumal ich selbst glaube, daß es damit noch Zeit haben dürste—thun die Annalen (Nr. 22)ganz wohl daran,falle Welt anzusprechen. Da ich nun zu den Schätzen, welche Sie sammeln, meinen Obolus beitragen will, so übergebe ich Ihnen heute ein Derzeichniß der Rabbinen, welche in Metz ihren Sitz gehabt haben, seitdem sich Israeliten hier zum zweiten Male niederließen, einige literarische Nachweisungen hinzufügend. Die Geschichte dieser Niederlassung ist der Gegenstand einer desondern Arbeit, welche Herr Olry Terquem, Pharmaceut daselbst, beabsichtigt. Zu seiner Verfügung hat er die Reste der leider zum Theil verschwundenen Archive der vormaligen Gemeinde. Hier genügt, vorläufig zu wissen, daß im Jahr 1559 in Metz nur vier jüdische Familien wohnten, deren Häupter sich Isaak, Samuel, Mardochai und Maier nannten. Sie wohnten alle in einer langen schmalen Gasse, die an beiden Enden durch Thore verschlossen war, und rue deJ’Enfer (Höllen-Gasse) hieß. Im Jahr 1603 war die Anzahl bereits auf 21 Familien, zusammen 120 Personen, gestiegen, und erhielten sie die Erlaubnis, sich in der Straße St. Feroy, welche an die heutige Arsenalstraße stieß, zu besetzen, welche letztere vor 1790 den Namen Judengaffe trug. Von 1609 beginnt die Reihe der Rabbinen. 1) Joseph Askenasi 1609 (bis 1612?). Dieser Rabbiner konnte sich mit der Gemeinde nicht vertragen, und ward wieder gekündigt. Er ging nach Deutschland zurück. Trier gehörte damals zum Sprengel von Metz. — In obigem Jahre ward zu Metz die große Synagoge, (Altschu! genannt) erbaut. Unter dem Gewölbe des Kellers befinden sich die Worte nhw {q, als Iahrzahl, gleich ^2das ist 1609. 2) Iona b.IsaijaTheonim(1612)7zi^i^ njV'"l D'O'iNTi gewöhnlich '") genannt, gestorben 1627. Er schrieb rüVH JVp’p Amsterd. 4to. 1670 und Hanov. fol. 1712. (David Ganz sagt, er sei 1664 gestorben?) Ob und wie er verwandt sei mit □'’ONn “jV Dv,n '*) Verfasser des Werkes '£-i:n *>jH ist mir unbekannt. 3) Gerschon Askenasi 1627, gestorben 1637. Verfasser der Werke ■wi:n miay Amsterd. koi. e3n 1699. mN‘Dn Frankfurt am Main, *on. 1691. *>:v£nn wrm das. yni7io. D. Ganz nennt ihn Oulif und sagt, er habe noch 1692 gelebt! Er war ein Pole, und von ihm stammt die Familie Oulif zu Metz. Em Abkömmling dieser Familie ist jetzt Professor der Jurisprudenz an der Rechtsschule zu Brüssel. 4) Gabriel, ^0123 '*) kam 1638, und ging ab 1649. Er war von Nikolsburg. Man bewahrt in der Synagoge noch eine Gesetzrolle, die ihm gehört hatte. Aus Bescheidenheit duldete er nicht, baß man vor ihm aufstand, wiewohl cs ein mosaisches Gesetz ist, vor einem Greise aufzustehen. Da aber jeder ihm dennoch diese Ehrfurcht erwies, so trug er stets eine kleine Gesetzrolle no, unter dem Arm, daiml die Ehre dem Gesetze und nicht ihm widerführe. Er nahm Urlaub, um seine Familie zu besuchen, blieb aber über die ihm gegebene Frist hinaus weg. Als er zurückkehrte, versagte ihm die Gemeinde die Wiederaufnahme, und da er gewaltsam bleiben wollte, so hob man in seiner Wohnung Fenster und Thüren aus, so daß er ausscheiden mußte. 5) Mose Cohen Nirol 1650, gest. 1675. Verfasser des Gebetes CPEm übft welches in Metz an den Sabbaten vor dem Wochenfeste und vor dem Tage der Zerstörung Jerusalems recitirt wird. Folgende zwei Ereignisse haben wahrscheinlich zur Abfassung des Gebetes Anlaß gegeben.